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Viele Schweizer Jugendliche sind kapitalismusfeindlich

Linksextreme Ideologien wie eine kapitalismusfeindliche Einstellung finden unter Schweizer Jugendlichen hohe ­ Zustimmung. Zu diesem Schluss kommt eine neue Schweizer Studie mit über 8300 Befragten.

(sda) Fast jeder zweite Jugendliche ist dem Kapitalismus gegenüber feindlich eingestellt, rund jeder fünfte auch gegenüber Polizei und Staat. Dies ist eines der Ergebnisse der Studie «Verbreitung extremistischer Einstellungen und Verhaltensweisen unter Jugendlichen in der Schweiz» der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und der Haute École de Travail Social Fribourg.

Die Umfrage mit 8317 Jugendlichen im Alter von 17 bis 18 Jahren in zehn Kantonen zeigt, dass Linksextremismus unter Jugendlichen in der Schweiz verbreiteter ist als Rechtsextremismus oder Islamismus. Gewalt als Mittel lehnt die grosse Mehrheit jedoch ab. Da die zehn einbezogenen Kantone jedoch bewusst ausgewählt wurden und es zahlreiche Absagen von Schulen gab, an der Befragung teilzunehmen, könnten die Ergebnisse allerdings nicht so einfach auf die gesamte Schweiz verallgemeinert werden, heisst es im Bericht.

Trotz der hohen Ablehnung gegenüber Kapitalismus (47,1 Prozent), Polizei und Staat (21,7 Prozent), befürworten nur 5,6 Prozent den Kommunismus und 8,1 Prozent Gewalt gegen Polizisten. Insgesamt können 7 Prozent aller Studienteilnehmenden als linksextrem eingestellt gelten. Linksextreme Gewalt verübt hatten dabei nur 4,4 Prozent in den zurückliegenden zwölf Monaten.

Jeder Vierte gegen Ausländer

Als rechtsextrem einzustufen sind der Studie zufolge knapp 6 Prozent der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund. Unter den Jugendlichen ohne Migrationshintergrund fand sich bei jedem Vierten eine ausländerfeindliche Einstellung. 21,1 Prozent waren nationalistisch eingestellt. Gewalt gegen Ausländer befürworteten 4,8 Prozent, 5,4 Prozent waren für eine Diktatur. Unter den muslimischen Jugendlichen gelten nur 2,7 Prozent als islamistisch extrem eingestellt, jedoch sind 43 Prozent gegenüber westlichen Gesellschaften abwertend eingestellt. «Aus ihrer Sicht werden Muslime durch den Westen unterdrückt, und die Ausbeutung durch die westliche Welt ist in ihren Augen verantwortlich für Krieg in islamischen Ländern», schreibt Dirk Baier von der ZHAW. 28,8 Prozent der Muslime zeigten sich feindlich gegenüber nicht-traditionellen Muslimen. Eine Schweizerfeindlichkeit stellten die Forschenden nur bei 3,7 Prozent fest.

Als Extremismusdefinition verwendete die Studie Einstellungen, die den demokratischen Verfassungsstaat ablehnen und anstreben, diesen auch durch Gewalt zu überwinden.

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