Gedenktag: Wie ein Lebemann zum Kirchenvater geworden ist

Für manche ist er das grösste Vorbild in der Kirchengeschichte, und er beschäftigt die Forschung bis heute: Der hl. Augustinus von Hippo hat auf Umwegen zum Christentum gefunden. Am 28. August feiert die Kirche seinen Namenstag.

Andreas Faessler
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Augustinus mit seiner Mutter Monika, dem Zitat «felix culpa» und dem Knaben am Meer. Detail aus Melchior von Deschwandens «Jüngstem Gericht» in der Oswaldkirche in Zug.

Augustinus mit seiner Mutter Monika, dem Zitat «felix culpa» und dem Knaben am Meer. Detail aus Melchior von Deschwandens «Jüngstem Gericht» in der Oswaldkirche in Zug.

Bild: Stefan Kaiser (15. August 2019)

Der Sinneswandel des heiligen Augustinus ist ein Musterbeispiel für Bekehrung und Konversion. Der Theologe und Philosoph wird neben Ambrosius, Hieronymus und Gregor dem Grossen als einer der vier Kirchenväter des Abendlandes aufgeführt.

Im November 354 als Sohn des Beamten Patricius und der späteren hl. Monika in Tagaste im Norden des heutigen Algerien geboren, liess sich Augustinus vorerst zum Beamten ausbilden, begab sich um 371 jedoch nach Karthago für ein Rhetorikstudium. Dort führte er ein wahres «Studentenleben», gab sich Lastern hin, frönte ungezügelter fleischlicher Lust und wurde Anhänger des Manichäismus, einer religiösen Strömung der Antike, die unterschiedliche Glaubensrichtungen vereint. Bekehrungsversuche seiner Mutter Monika blieben weitgehend erfolglos.

Augustinus verlegte seine Lehrtätigkeit als Rhetoriker von Karthago zurück nach Tagaste und schliesslich nach Rom, wo ihm im Jahr 384 eine lukrative Anstellung als Professor in Mailand angeboten wurde. Augustinus sagte zu. In Mailand begegnete er schliesslich Bischof Ambrosius. Von dessen Redegewandtheit war Augustinus hoch beeindruckt, sodass er sich bald vom Manichäismus lossagte und dem Christentum zuwandte. In der Osternacht 387 liess Augustinus sich und seinen Sohn Adeodatus, der einst aus einem Techtelmechtel hervorgegangen war, taufen.

Wie Augustinus später in seinen «Confessiones» beschreiben wird, war in seinem Prozess des Konvertierens ein besonderes Schlüsselerlebnis massgebend, wonach er einmal im Garten gesessen habe, als er eine Kinderstimme vernahm, die ihn hiess, die Heilige Schrift zu lesen. So beschäftigte er sich mit den Texten des Paulus und war davon so ergriffen, dass er nach Tagaste zurückkehrte, von allem Weltlichen abliess, fortan ein klösterlich-frommes Leben führte und sich ganz auf das Studium und das Verfassen seiner wegweisenden Schriften konzentrierte. Um 391 wurde er in Hippo Regius bei der heutigen Stadt Annaba zum Priester und später zum Bischof geweiht. Er kümmerte sich hier um die Anliegen der Bewohner, der Armen und Kranken bis zu seinem Tod am 28. August 430.

Eine der frühesten Autobiografien

Augustinus Lebenswerk gilt als eines der einflussreichsten für die Entwicklung des christlichen Glaubens. Von grosser Bedeutung ist vor allem seine Schrift über den Gottesstaat «De civitate Dei», in welcher er sinngemäss das Christentum als Rettung von dem Heidentum proklamiert und die Gemeinschaft der Gläubigen, der «Gottesstaat», vom Irdischen trennt.

Einzigartig sind auch seine weiter oben erwähnten «Confessiones», Augustinus’ persönliches Bekenntnis über seine inneren Unruhen vor dem Wandel und den Weg bis dahin. Diese Schriften werden von manchen Historikern als die erste «klassische» Autobiografie in der Geschichte der Literatur angesehen. Ihr entstammt Augustinus’ wohl bekanntestes Zitat

«Unruhig ist unser Herz,
bis es ruht in dir».

Inhaltlich ähnlich zu deuten ist das «felix culpa»-Zitat, welches auf Deutsch in etwa heisst «Glückliche Schuld, die einen solchen Erlöser gehabt». Aus biblischer Sicht kann diese Aussage dahingehend interpretiert werden, dass Gottes bedingungslose Annahme glaubenswilliger Menschen selbst deren Schuld umzuwandeln vermag. Diese Deutung der «felix culpa» durch Augustinus ist zu lesen auf dem oben abgebildeten Ausschnitt von Melchior von Deschwandens Monumentalgemälde des Jüngsten Gerichtes in der St.Oswaldkirche in Zug. Der Kirchenvater wird dargestellt mit seiner Mutter Monika.

Zu seinen Füssen ein Knabe, der auf ein weiteres – allerdings überliefertes – Schlüsselerlebnis des Heiligen mit einem Kind verweist. Demnach soll Augustinus über sein Werk zur Dreifaltigkeit sinnierend einem Strand entlang gegangen sein, als er ein Kind sah, das mit einem Löffel Wasser in ein Loch im Sand schöpfte. Was es da mache, fragte er. Der Knabe antwortete, er wolle das Meer abschöpfen und trockenlegen. Augustinus lächelte und meinte, dass es das niemals schaffen könne, so gross, wie das Meer sei. Der Bub entgegnete bestimmt, dass er es wohl eher schaffe, das Meer auf diese Weise abzuschöpfen, als Augustinus es fertigbringe, das Geheimnis der Heiligen Dreifaltigkeit zu ergründen. Augustinus fasste seine 15 Bücher «De Trinitate» – ebenfalls eines der Hauptwerke – trotzdem ab, einfach so gut, wie es ihm gelingen mochte.

Augustinus in der Theologie und Forschung

Augustinus von Hippo prägte Denken und Glauben des Abendlandes wie kaum ein anderer in der Zeit der Antike. Der emeritierte Papst Benedikt liess sich für seine Schriften hauptsächlich von den Lehren des Augustinus leiten. Die Universität von Würzburg betreibt ein Zentrum für Augustinus-Forschung, wo Leben, Denken und Werk des Theologen und Philosophen ergründet und in neue Kontexte gestellt werden.

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