Kolumne

Postkarte aus Metal-City: Wacken danach

Hans Graber
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Wir waren auf Velotour am nahen Nord-Ostsee-Kanal. Obwohl der Ausnahmezustand am Sonntagmorgen vorbei war, riet uns die Frau von der Pension Kanal 33, doch noch einen Augenschein in Wacken zu nehmen. Das Dorf zählt 1800 Seelen. Norddeutsche Provinz. Anfang August aber wird Wacken, 65 km nordwestlich von Hamburg gelegen, zur Hauptstadt des Heavy Metal. Für das dreitägige Wacken Open-Air (W.O.A.) rücken 75000 Besucher (Ticketpreis: 220 Euro) mit Zelten und Wohnwagen an. Harte Jungs, flotte Bräute. Fast alle schwarz gekleidet, fast alle voll friedlich.

Wind fegte übers 2,5 km2 grosse und fast verlassene Gelände. Dichte Staubwolken. Ein Hauch von Apokalypse, Szenen wie aus «The Day After». Ein paar versprengte Menschen suchten nach Hinterlassenschaften, darunter Kühlschränke und Sofas. Tonnen von Abfall, aber schön häufchenweise. Geordnetes Chaos. Metal ist gar nicht mein Ding. Dennoch ist Lust gewackt, mal nicht erst am Mittag danach dabei zu sein. Für 2019 sind schon fast alle Tickets weg.