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WANDERN: Aus dem Nebel ins Paradies

Belohnung des Wanderers: Traumpanorama zwischen Enges und Lignières. (Bild: PD)

Belohnung des Wanderers: Traumpanorama zwischen Enges und Lignières. (Bild: PD)

Wandern Ein verwunschenes Schlösschen, sehr französisch, wenig später ein kleiner Weiher. Dann ein paar spitze Türme, die eine Silhouette von Dachfirsten überragen, und gleich die weite Fläche des Sees: Das ist das Bild, das die Ankunft am Neuenburgersee signalisiert. Nicht gar so spektakulär wie der erste Blick jeweils auf den Genfersee nach Puidoux-Chexbres. Aber ich freue mich auch hier immer drauf, und oft habe ich gedacht: Hier will ich mal aussteigen.

Hier, das bedeutet: St-Blaise. Das alte Winzerdorf mit immerhin zwei Bahnhöfen – St-Blaise CFF an der Linie Biel–Neuenburg und St-Blaise-Lac an der Linie Neuenburg–Bern – ist längst Teil der Agglomeration Neuenburg. Das Gute daran: Der Ort ist bestens erschlossen, ausser den Zügen fährt alle 20 Minuten ein Trolleybus in das Stadtzentrum und zurück. Das weniger Angenehme: Die in den letzten Jahren entstandenen Wohn- und Industriebauten erdrücken den alten Dorfkern fast.

Wasserfallromantik im Dorf

Mir gefallen solche etwas verschupften Orte. St-Blaise hat eine lange Geschichte, schon die Pfahlbauer waren da, und in den Anfängen der Automobilindustrie stand hier die bedeutendste Schweizer Personenwagenfabrik Martini. Davon spüre ich natürlich nichts bei meinen ersten Schritten durch die Grand’Rue und die Rue du Temple, die von stattlichen Häusern und schlossähnlichen Gebäuden gesäumt sind. In der Grand’Rue kommt mir ein rot uniformierter Mann mit einer Tuba entgegen. Die Dorfmusik lädt zum Weihnachtskonzert im Temple, einen Moment lang spiele ich mit dem Gedanken, als Zuhörer Teil des Dorflebens zu werden. Dann aber entscheide ich mich für einen Erkundungsgang.

Das alte St-Blaise ist auf zwei Ebenen angelegt, unten eine Häusergruppe um den Temple, oben ziehen sich entlang der Rue de la Châtellerie alte Häuser mit dunklen Querverbindungen, fast wie Höhlengänge. Und an den Häusern vorbei, zwischen- oder sogar untendurch plätschert und gurgelt der Dorfbach, der Ruau. Teils Bach, teils Kanal, teils in offenen Holzrohren geführt, wie die Walliser Suonen, überwindet er die Höhendifferenz in mehreren Kaskaden. Hübsche, malerische Anblicke, und bei der alten Mühle dreht sich seit 1979 wieder ein grosses Mühlrad. Von einem Rebberg mitten im Dorf öffnet sich der Blick über den See.

Hinauf zur Sonne

Der Weitblick ist am andern Morgen weg, St-Blaise liegt im Nebel. Jetzt so schnell wie möglich in die Höhe, also stapfe ich los. Wer nichts wagt, gewinnt nichts, sage ich mir und nehme am oberen Dorfrand den Weg nach Enges.

Ein prächtiger Waldgang durch den Nebel ists. Nach einer Stunde schimmert es blau durch, wenig später sehe ich sonnenbeschienene Baumwipfel, kurz vor Enges erreiche ich jene andere Welt, die Welt der Helligkeit, der Sonne, der Weite. Auf einem traumhaften Hochplateau spaziere ich nach Lignieres. Rechts das Nebelmeer und die ganze Alpenkette, links der Bergrücken des Chasseral und eine schon ganz und gar jurassische Landschaft mit weidenden Pferden. In Lignieres bin ich endgültig im Paradies, das Hôtel de Commune überrascht mich mit urbaner Spitzenküche in einer umgebauten Scheune. Ja, wer nichts wagt?

beda hanimann

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