Wären bei einer zweiten Welle die Teenager die Treiber?

ETH-Forscher berechneten eine zweite Epidemie-Welle. Das Ergebnis beinhaltet eine überraschende Aussage zu den Jugendlichen, denn diese sind besonders kontaktfreudig.

Sabine Kuster
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Jugendliche sind besonders kontaktfreudig und gehen gerne unter Leute: Das ist möglicherweise ein Risikofaktor für eine zweite Welle.

Jugendliche sind besonders kontaktfreudig und gehen gerne unter Leute: Das ist möglicherweise ein Risikofaktor für eine zweite Welle.

(Bild: Keystone)

Häufige Kontakte Wie hoch ist die Reproduktionszahl der Coronafälle in der Schweiz pro Altersgruppe? Auf Grund der Daten der ersten Pandemiewelle haben zwei Forschende der ETH Zürich die Zahl mit einem mathematischen Modell geschätzt. Es zeigte, dass die 10- bis 20-Jährigen sehr stark und die 35- bis 45-Jährigen ebenfalls überdurchschnittlich zur Verbreitung des Virus beitragen. Die Senioren hingegen tragen stark unterdurchschnittlich dazu bei.

Das lässt aufhorchen: Sind die jüngeren Semester doch ansteckender als gedacht? Auf Anfrage sagt Dirk Mohr, Professor für Numerische Materialmodellierung, aber, sie könnten dazu keine Aussage machen. Auch hätten sie die Coronafallzahlen bei dieser Berechnung nicht berücksichtigt, weil diese nicht die wirkliche Verteilung der Fälle in den Altersgruppen zeigen würden. «Die Diskussion um die Infektionsrate bei Kindern ist unter Virologen noch am Laufen, da mischen wir uns nicht ein», sagt Mohr. Doch eine Annahme mussten sie trotzdem machen: Die Forscher gingen davon aus, dass Junge genauso ansteckend sind wie Ältere.

Dass 10- bis 20-Jährige die Treiber einer zweiten Welle sein könnten, schlussfolgern die Forschenden lediglich auf Grund des Kontaktmusters der jeweiligen Altersgruppen: Teenager und junge Erwachsene treffen sich häufiger und dies eher an stark belebten Orten.

Die zweite Welle würde Spitäler nicht überlasten

Mohr und die Statistikerin Fadoua Balabdaoui sahen in ihrem Modell aber auch, dass, falls es zu einer zweiten Welle käme, diese deutlich langsamer anrollen würde als die erste. Mohr sagt:

«Die zweite Welle würde wahrscheinlich nicht an die Krankenhauskapazitäten heranstossen. Das ist die gute Nachricht.»

Denn die Menschen verhalten sich inzwischen anders und berücksichtigen Hygieneregeln. Es könnte dann dennoch zu einer recht hohen Anzahl Toter kommen: In einem Szenario gehen die Forscher davon aus, dass dieselben Abstandsregeln wie jetzt gelten, 30 Prozent der Arbeitskräfte im Homeoffice arbeiten und alle Schulen geöffnet wären, ohne dass dort besondere Massnahmen gelten würden.

In diesem Szenario sei in einer langsameren, aber längeren Welle in der Schweiz mit 5000 weiteren Covid-19-Toten zu rechnen. Diese Zahl würde unter 1000 sinken, wenn man die Ansteckungen in den Schulen auf die Hälfte reduzieren könnte mit Abstandhalten und Hygieneregeln. Vorausgesetzt, Schüler sind gleich ansteckend wie Erwachsene.