Muttertag

Was Mütter sich wünschen

Pralinés, Blumen, Frühstück ans Bett … Es gibt viele typische Geschenke für Mütter an ihrem Ehrentag. Fünf Mitarbeiterinnen unserer Zeitung erzählen, was ihnen wirklich wichtig wäre.

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Viel Liebe und noch mehr Barbiepuppen

Mutter zu sein, ist zweifellos eine grosse Aufgabe. Es ist Geschenk, Verantwortung und Arbeit. Von einer Mutter Perfektion zu erwarten, wäre anmassend und auch dumm: Denn gerade Mütter sind dazu da, ihren Kindern zu vermitteln, dass nichts und niemand perfekt sein muss – was zählt, ist die Liebe. Es ist nicht wichtig, mit dem Kind zu basteln und es jeden Abend um 19 Uhr ins Bett zu stecken. Es muss auch nicht jeden Tag gesundes Essen geben. Wichtig ist, dem Kind das Urvertrauen in die Welt zu schenken, und das, finde ich, schafft man nur mit bedingungsloser Liebe. Mama ist gut – also ist auch die Welt gut. Meine Mutter war ein liebender Mensch, ich zehre noch heute davon. Vielleicht ist die Wertschätzung solch umfassender Liebe seitens der Gesellschaft das, was ich mir für Mütter am meisten wünsche.

Ich hoffe, meinen Kindern genauso viel Liebe mit auf den Weg zu geben – und ich bin alles andere als perfekt. Doch auch die Gesellschaft ist es nicht: Will eine Mutter alles sein – Mutter, Hausfrau, Brötchenverdienerin –, dann muss sie sich oft selber helfen. Motto: «Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.» Ein Lieblingssatz meiner Mutter, geäussert mit einer Nuance Frust, einer Nuance Humor.
Frust und Humor: Sie begleiteten mein jüngstes Kind und mich durch die Jahre, als ich wieder in den Beruf einstieg als freie Mitarbeiterin. Keine Oma da, kein Geld für einen teuren Krippenplatz. So nahm ich die Kleine mit zu vielen Terminen. Der Deal: Hinterher gab es eine Barbie. Die kostete dann einen Viertel des Lohns. Alles nicht perfekt, aber heute ist diese Zeit ein Kapitel einer so schönen wie verrückten Geschichte, die wir teilen.

Susanne Holz

Ein Wurmloch

Muttertag, Tag des schlechten Gewissens. So war das als Kind, so ist es heute als Mutter. Wobei: Nein, als Kind hatte ich noch das Gefühl, mit einem ans Bett gebrachten Zmorge und Abwaschen ohne Murren an diesem Tag sei die Jahresbilanz irgendwie schon ausgeglichen. Das schlechte Gewissen kam später, wenn ich vergass, meine Mutter an dem Tag einzuladen oder zumindest einen Blumenstrauss zu schicken.
Heute habe ich auch als Mutter an den Muttertagen ein schlechtes Gewissen. Meinem Mann gegenüber. Er kocht an mindestens vier Abenden pro Woche Znacht und betreut die Kinder mindestens zwischen 17 und 19 Uhr, also während der Chaosstunden im Familienalltag, wenn die Kinder hungrig und müde rumquengeln und in allen Ecken der Wohnung Krisengebiete schaffen, die eigenen Hände aber gerade Gemüse rüsten und die Nerven schon abgeraspelt sind. Wenn ich um Viertel nach sieben fröhlich «hallo!» ins Esszimmer schmettere, hat sich der Wirbelsturm gelegt. Der Ältere ist manchmal schon eingeschlafen, die Jüngere wackelt mir strahlend entgegen. Nur der Blick des Vaters sagt: Gerade noch mal überlebt.
Wenn ich mir trotzdem etwas wünschen darf zum Muttertag, dann ein Wurmloch. Das würde mich vom Büro direkt ins Esszimmer beamen – vorbei am schlechten Gewissen, dass auch dieser Tag kein Muttertag gewesen ist.

Sabine Kuster

   

  

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Die geheime 25. Stunde

Seit ich Mutter bin, wünsche ich mir die geheime 25. Stunde. Und zwar täglich! Statt spurlos verschwundene Socken zu suchen, statt Dreck wegzuputzen und maulend Dinge einzufordern, die mir zu einem guten Leben wichtig erscheinen, würde ich leise die Tür hinter mir zumachen und die Kinder nicht länger mit Mutterliebe und Erwartungen plattdrücken. Und dann würde ich zum Beispiel meinen Töchtern eine Ansichtskarte schreiben.
Wie jene, die neuerdings an der Tür zum Zimmer meiner Tochter hängt. Direkt über dem grimmig blickenden Zauberer Severus Snape, neben Fotos und anderen Herzensdingen. Es ist eine Kinderzeichnung, dazu ein Satz in krakeliger Schrift: «Mama, wenn ich dich so fest drücken würde, wie ich dich lieb hab, wärst du so platt wie eine Briefmarke!»
Würde sie es, wie am Muttertag von braven Kindern erwartet, in die Tat umsetzen, ich wäre wohl wirklich platt, denn das «Kind» ist schon 13 Jahre alt.
Platt war ich allerdings schon in dem Moment, als mir die Karte erstmals an der unmissverständlich geschlossenen Tür ins Auge sprang. Man muss dazu wissen, dass das hinter der Tür lebende «Kind» nicht gerade im Alter der allerbesten Mutter-Tochter-Beziehung ist und sich mit Liebesbezeugungen jeglicher Art ohnehin eher schwertut.
Aber so hat sie mit dem Aufkleben der Karte ihre Muttertagspflichten für immer auf ihre dezent charmante Art erfüllt. Ein spezieller Tag war nicht nötig.

Bettina Kugler

   

  

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Wenn keinen Latte macchiato, dann Pfingstrosen

Man sagt gemeinhin «wünschen hilft». Glauben Sie dem Volksmund bloss nicht. Aus mir spricht neunjährige Muttertagserfahrung, mit neunmal einem Wunsch im Hinterkopf. Es war kein grosser Wunsch. Eher klein und pragmatisch. Er bestand darin, einmal im Jahr mit einem Latte macchiato geweckt zu werden.
Man ahnt es: Die Realität sah anders aus. Tagein, tagaus, und genauso muttertagein, muttertagaus. Auch an diesem Tag sah die Realität der Mutter dabei zu, wie sie frühmorgens um 6 Uhr warme Milchgetränke für Kind 1, 2 und 3 zubereitete. Denn: Wer kann schon etwas dafür, dass das männliche Trommelfell ein anatomisch bedingt schwächer ausgeprägtes Sensorium für kindliches Geschrei aufweist als das von Müttern? Die ersten Jahre war ich enttäuscht. Heute weiss ich: Wünschen hilft nicht. Darum sagte ich vor einigen Tagen zu Kind 1: «Weisst du was? Falls Papa mir zum Muttertag einen Blumenstrauss schenken will: Verrätst du ihm heimlich, dass meine Lieblingsblumen Pfingstrosen sind?» Kind 1 ist ein kluges Kind und ausserdem mag sie Geheimnisse. Sie nickte sofort verschwörerisch. Denn wenn Wünschen nicht hilft, gibt es Kinder, und die helfen.

Anna Kardos

Eine gute Zukunft für Mädchen

Was ich mir zum Muttertag wünsche? Gute Frage. Blumen – mag ich sehr, muss ich mir allerdings jeweils selber besorgen. Schokolade – mag ich auch, davon haben wir aber noch mehr als genug zu Hause, in Hasenform.
Was wünsche ich mir wirklich? Eine gute Zukunft für meine Mädchen, als Frauen und eventuell Mütter. Dass sie in ihren Berufen später einmal Teilzeit arbeiten können, wenn sie Mütter sind, und auch ihre Partner Pensen reduzieren können, um die Kinderbetreuung zu übernehmen. Dass sie einmal nicht mehr darum kämpfen müssen, den gleichen Lohn wie ihre Kollegen zu erhalten.
Und dass sie, falls sie auch mal Mami werden, ihre Partner länger als zwei lächerliche Tage nach der Geburt zur Unterstützung bei sich haben.
Ziemlich grosse Wünsche, denken sich wohl einige. Ich bin in der glücklichen Situation,
dass mir die meisten dieser Wünsche erfüllt worden sind. Viele Mütter haben dieses Glück nicht. Ich wünsche mir sehr,
dass das in der Generation meiner Töchter zur Selbstverständlichkeit wird.

Manuela Jans