Zum Muttertag:
Was sich Mütter wünschen – sechs Frauen erzählen

Pralinen, Blumen, Frühstück ans Bett: Es gibt viele typische Geschenke zum Muttertag. Sechs Mitarbeiterinnen unserer Zeitung verraten, was ihnen wirklich wichtig wäre und was sie rund ums Muttersein beschäftigt.

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«Seit ich Mutter bin, wünsche ich mir
die geheime 25. Stunde»

Bettina Kugler

Bettina Kugler 

An der Tür zum Zimmer meiner Tochter hängt neuerdings eine Postkarte, direkt über dem grimmig blickenden Zauberer Severus Snape, neben Fotos und anderen Herzensdingen. Es ist eine Kinderzeichnung, dazu ein Satz in krakeliger Schrift: «Mama, wenn ich dich so fest drücken würde, wie ich dich lieb hab, wärst du so platt wie eine Briefmarke!» Im Ernst, das kann ich nicht wollen. Würde sie es, wie am Muttertag von braven Kindern und Männern erwartet, in die Tat umsetzen, ich wäre wohl wirklich platt. Platt war ich allerdings schon in dem Moment, als mir die Karte erstmals an der unmissverständlich geschlossenen Tür ins Auge sprang. Man muss dazu wissen, dass das hinter der Tür lebende «Kind» 13 ist (also nicht gerade im Alter der allerbesten Mutter-Tochter-Beziehung) und sich mit Liebesbezeugungen jeglicher Art ohnehin eher schwer tut. Insofern hat sie mit dem Aufkleben dieser Karte ihre Muttertagspflichten für immer und ewig auf ihre ganz persönliche, dezent charmante Art erfüllt. Ein spezieller Tag war dafür nicht nötig.

Seit ich Mutter bin, wünsche ich mir die geheime 25. Stunde. Und zwar täglich! Statt spurlos verschwundene Socken zu suchen, statt Dreck wegzuputzen und maulend Dinge einzufordern, die mir zu einem guten Leben wichtig erscheinen, würde ich leise die Tür hinter mir zumachen. Und meinen Töchtern eine solche Postkarte schreiben. Viel lieber, als sie mit Mutterliebe und Erwartungen platt zu drücken. Bettina Kugler

Von viel Liebe und noch mehr Barbiepuppen

Susanne Holz

Susanne Holz

Mutter zu sein, ist zweifellos eine grosse Aufgabe. Es ist Geschenk, Verantwortung und Arbeit. Von einer Mutter Perfektion zu erwarten, wäre anmassend und auch dumm: Denn gerade Mütter sind auch dazu da, ihren Kindern zu vermitteln, dass nichts und niemand perfekt sein muss – was zählt, ist die Liebe. Es ist nicht wichtig, mit dem Kind zu basteln und es jeden Abend um 19 Uhr ins Bett zu stecken. Es muss auch nicht jeden Tag gesundes Essen geben. Wichtig ist, dem Kind das Urvertrauen in die Welt zu schenken, und das, finde ich, schafft man nur mit bedingungsloser Liebe. Mama ist gut – also ist auch die Welt gut.

Meine Mutter war so ein liebender Mensch, dass ich noch heute davon zehre. Vielleicht ist die Wertschätzung solch umfassender Liebe seitens der Gesellschaft das, was ich mir für Mütter am meisten wünsche. Ich hoffe, meinen Kindern genauso viel Liebe mit auf den Weg zu geben – und ich bin alles andere als perfekt. Doch auch die Gesellschaft ist es nicht: Will eine Mutter alles sein – Mutter, Hausfrau, Brötchenverdienerin –, dann muss sie sich oft selber helfen.

Motto: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.

Ein Lieblingssatz meiner Mutter, geäussert mit einer Nuance Frust, einer Nuance Humor. Frust und Humor: Die begleiteten mein jüngstes Kind und mich durch die Jahre, als ich wieder in den Beruf einstieg als freie Mitarbeiterin. Keine Oma da, kein Geld für einen teuren Krippenplatz. So nahm ich die Kleine mit zu vielen Terminen. Der Deal: Hinterher gab es eine Barbie. Die kostete dann ein Viertel des Lohns. Alles nicht perfekt, aber heute ist diese Zeit ein Kapitel einer so schönen wie verrückten Geschichte, die wir teilen. Susanne Holz

Ein schlechtes Gewissen gegenüber dem Mann

Sabine Kuster

Sabine Kuster

Muttertag, Tag des schlechten Gewissens. So war das als Kind, so ist es heute als Mutter. Wobei nein, als Kind hatte ich noch das Gefühl, mit einem ans Bett gebrachten Zmorge und Abwaschen ohne Murren an diesem Tag sei die Jahresbilanz dann irgendwie schon ausgeglichen. Das schlechte Gewissen kam später, wenn ich vergass, meine Mutter an dem Tag einzuladen oder zumindest einen Blumenstrauss zu schicken.

Heute habe ich an den Muttertagen auch als Mutter ein schlechtes Gewissen. Meinem Mann gegenüber. Der kocht an mindestens vier Abenden pro Woche Znacht und betreut die Kinder mindestens zwischen 17 und 19 Uhr, also während der Chaosstunden im Familienalltag, wenn die Kinder hungrig und müde rumquengeln und in allen Ecken der Wohnung eigenhändig Krisengebiete schaffen, die eigenen Hände aber gerade Gemüse rüsten. Wenn ich dann um Viertel ab sieben ein fröhliches «Hallo!» ins Esszimmer schmettere, hat sich der Wirbelsturm gelegt. Der Ältere ist manchmal schon eingeschlafen, die Jüngere wackelt mir strahlend entgegen. Nur der Blick des Vaters sagt: «Gerade noch mal überlebt.»

Wenn ich mir aber auch unverdienterweise etwas wünschen darf zum Muttertag, dann ein Wurmloch. Das würde mich vom Büro direkt ins Esszimmer beamen – vorbei am schlechten Gewissen, dass auch dieser Tag in unserer Familie kein Muttertag gewesen ist. Sabine Kuster

Eltern von kleinen Trotzköpfen brauchen keine vorwurfsvollen Blicke

Susanne Balli

Susanne Balli

Die grössten Aufsteller an diesem Tag sind die kleinen selbergemachten Geschenkli meiner Kinder. Ansonsten bedeutet der Muttertag für mich nichts Besonderes. Was bringen Blumen, Geschenke und Verwöhnprogramm auf Knopfdruck? Sind kleine Aufmerksamkeiten nicht dann am schönsten, wenn frau sie nicht erwartet? Ich sehe grundsätzlich nicht ein, warum es diesen Tag gibt. Im Sinne der Gleichberechtigung müsste es dann auch einen mit gleicher Aufmerksamkeit begangenen Vatertag geben – für solche Väter, wie mein Mann einer für unsere Kinder ist.

Wenn ich mir zum Muttertag dennoch etwas wünschen könnte, wäre es generell mehr Wertschätzung für Mütter und Väter durch die Gesellschaft. Was von Eltern alles abverlangt wird, weiss ich erst, seit ich selber Mutter bin. Die ersten Jahre mit Kindern und Beruf waren für unsere Familie gewaltig schön, aber auch gewaltig intensiv und zuweilen kräftezehrend. Nicht selten bedeutet es, Tag und Nacht im Einsatz zu sein. Daher wünsche ich mir gute Rahmenbedingungen, um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können. Und zwar durch flexiblere und familienfreundlichere Arbeitsbedingungen für Mütter und Väter. Zudem wünsche ich mir eine Gesellschaft, die kinderfreundlich ist. Eltern von kleinen Trotzköpfen brauchen keine vorwurfsvollen Blicke und schon gar keine blöden Kommentare von besserwisserischen Personen. Und wenn Kinder auf dem Spielplatz voller Hingabe eine Blättersuppe kochen, sind Zurechtweisungen von Anwohnern, die Kinder würden die Pflanzen kaputt machen, fehl am Platz. Offenbar vergessen solche Leute, dass sie selber mal Kinder waren. Susanne Balli

«Ich wünsch mir eine gute Zukunft für meine Mädchen»

Manuela Jans

Manuela Jans

Was ich mir zum Muttertag wünsche? Gute Frage. Blumen – mag ich sehr gern, muss ich mir allerdings jeweils selber besorgen. Schokolade – mag ich auch sehr gern. Davon haben wir aber noch mehr als genug zu Hause, in Hasenform.

Aber was wünsche ich mir wirklich? Eine gute Zukunft für meine Mädchen, als Frauen und eventuell Mütter. Dass sie in ihren Berufen später einmal Teilzeit weiterarbeiten können, wenn sie Mütter sind, und auch ihre Partner Pensen reduzieren können, um die Kinderbetreuung zu übernehmen. Dass sie einmal nicht mehr darum kämpfen müssen, den gleichen Lohn wie ihre Kollegen zu erhalten. Und dass sie, falls sie auch mal Mamis werden, ihre Partner länger als zwei lächerliche Tage nach der Geburt zur Unterstützung bei sich haben.

Ziemlich grosse Wünsche, denken sich wohl einige. Ich bin in der glücklichen Situation, dass mir die meisten dieser Wünsche schon erfüllt worden sind. Viele andere Mütter haben dieses Glück nicht. Ich wünsche mir sehr, dass das in der Generation meiner Töchter zur Selbstverständlichkeit wird. Manuela Jans

«Qualitätszeit mit dem Partner bleibt auf der Strecke»

Stefanie Geske

Stefanie Geske

Erst neun Monate ist es her, dass unsere Tochter Hannah auf die Welt kam – und ich mich Mami nennen darf. Ein tolles Gefühl! Bis dato war ich in der Tochter­rolle und habe meiner Mama ­Blumen und eine Kleinigkeit inklusive liebe Worte aus der Ferne geschickt. Leider habe ich es nie geschafft, sie am Muttertag in Deutschland zu besuchen. Darum habe ich immer den Weg via Post gesucht – dank Onlineblumenversand.

Heute ist es das erste Mal, dass ich den Muttertag als Mutter erlebe. Wir haben als kleine Familie an diesem Tag keine grossen Pläne. Wenn ich mir aber etwas wünschen darf, dann ist es, eine schöne Zeit mit meinem lieben Mann und meiner Tochter zu verbringen. Die gemeinsame Zeit ist es schliesslich, was im Leben zählt. Denn diese schafft Erinnerungen für die Ewigkeit. Qualitätszeit mit dem Partner bleibt als frischgebackenes Mami leider oftmals auf der Strecke. Das neue Leben als junge Familie muss sich erst einspielen. Jeder Gedanke dreht sich anfangs ausschliesslich um das Wohlergehen des Sprösslings.

Umso wichtiger ist es, sich an einem Tag wie dem Muttertag auf das Wichtigste zu besinnen: die Familie – das bedeutet für mich Mutter und Vater. Denn auch die Väter leisten Grosses. Ich habe das Glück, dass ich Teilzeit arbeiten kann. Während mein Mann im Büro oder beim Kunden ist, kann ich wertvolle Zeit mit unserer kleinen Tochter verbringen. Darum sollte Muttertag auch eine Wertschätzung für den Mann sein.
Stefanie Geske