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WASSEN: Vergessen wir den Basistunnel

Einmal andersrum: Blick von der Kirche Wassen zur mittleren Meienreussbrücke. (Bild: Karte oas)

Einmal andersrum: Blick von der Kirche Wassen zur mittleren Meienreussbrücke. (Bild: Karte oas)

Wassen entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Das Dorf Wassen, das mit seiner Kirche wesentlich zum Erlebnis Gotthardbahn beiträgt, ist von den SBB vor geraumer Zeit abgehängt worden. In Wassen halten keine Züge mehr. Staunen und Vorbeifahren, das scheint das endgültig besiegelte Los zu sein. Und bald wird es ja auch damit sein Ende nehmen, wenn im Dezember der Basistunnel in Betrieb genommen wird.

Wer will, kommt natürlich trotzdem nach Wassen. Das Reusstal zwischen Erstfeld und Göschenen wird mit einem stündlichen Buskurs erschlossen. Und ich komme auch so ins Staunen: Da herrscht ein erstaunliches Treiben, das stattliche Dorf hat mehrere Hotels, als Ausgangspunkt für den Übergang über den Sustenpass ins Berner Oberland hatte es früh eine Bedeutung – die sich auch darin zeigt, dass Göschenen bis 1875 zu Wassen gehörte.

Der täuschend kleine Turm

Ich rätsle nicht lange, was ich als erstes unternehmen soll. Hochkraxeln zum Kirchhügel, dorthin, wo sonst vom Zug aus nur der Blick hin geht. Eine grandiose Anlage, diese Kirche mit Rundkapelle und Friedhof auf einem Felssporn über Tal und Dorf. Und wer da nicht zum Eisenbahnfan wird beim Betrachten der Züge, die wie Raupen in der Tiefe dahinziehen oder oben im Berg verschwinden und nach einer Weile quasi eine Etage plötzlich wieder auftauchen.

Mittendrin in dieser lebensgrossen Modellanlage thront die Kirche. Oder das Chileli, wie man immer wieder hört – was wiederum die Wassener, scheint’s, nicht gerne hören. Zu Recht: Das ist kein Chileli, sondern eine stattliche Kirche. Aus der Ferne wird mir dann der Grund für die irrige Verniedlichung klar. Der Turm ist doch recht schmalbrüstig, und tatsächlich bestätigt mir der Hotelier später: Bei einer Kirchenerweiterung habe man seinerzeit den Turm der kleineren Vorgängerkirche stehen gelassen.

Bär, Wachtel und Lamm

Beim Dorfrundgang staune ich als Ostschweizer abermals. Überall flattern Fahnen, die einen aufrechten Bären mit Holzscheit auf der Schulter zeigen, gerade so wie im Wappen von Herisau und im Logo der Gossauer Brauerei Stadtbühl. Die Erklärung ist einfach: Die Kirche von Wassen ist dem heiligen Gallus geweiht, so fand der Bär ins Gemeindewappen. Und zusammen mit Gallus auch auf den Dorfbrunnen. So kann man sich in diesem Wassen die Zeit mit Erkundungen vertreiben. Aber es gibt noch einen Grund, der allein die Anreise lohnt: die «Krone» am unteren Dorfrand. Da tischen der Urner Damian Fry und die Innerrhoderin Rita-Maria Wiesli Leckereien erster Güte auf, von marinierten Linsen über Wachtelschenkel mit Erbsensuppe bis zum Dreierlei vom Weidelamm. Was für ein Verweilen im Transitdorf!

Kurzweil hoch über dem Tunnel

Am andern Tag nehme ich einen Augenschein in Göschenen, es gibt da abseits des bestbekannten Bahnhofs den alten Dorfteil mit einer 500-jährigen Brücke. Dann lockt es mich, einfach talauswärts zu marschieren bis nach Amsteg, mal entlang der Bahnlinie, mal entlang der Reuss, mal entlang der Strasse. Dreieinhalb Stunden, eine kurzweilige, wilde Landschaft – und tief drin, im Berg, male ich mir aus, brausen künftig die ahnungslosen Zugspassagiere durch.

Kurz und bündig

Bild: Karte oas

Bild: Karte oas

Route: Luzern–Arth–Erstfeld–Wassen

Hoteltipp: Krone, Gotthardstrasse, Wassen, www.hotelkrone.ch

Die Geschichtsstunde: Freilichtmuseum zum Granitabbau oberhalb des Bahnhofs Wassen

Die Lektüre:Prolog in Hermann Burgers «Tractatus logico-suicidalis»

Text und Bild Beda Hanimann

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