Weniger ist auch bei Porsche mehr

Auch Porsche wird über die CO2-Spielregeln dazu gezwungen, den Verbrauch zu reduzieren. Nach dem Carrera ist jetzt der kleinere Boxster am Zug.

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Von aussen ist der neue Porsche Boxster hauptsächlich am schwarzen Band zwischen den Rücklichtern zu erkennen. (Bild: pd)

Von aussen ist der neue Porsche Boxster hauptsächlich am schwarzen Band zwischen den Rücklichtern zu erkennen. (Bild: pd)

Jürg Wick

Eine neue Ära beginnt: Turbolader sind auch bei günstigeren Porsches als dem 911er angesagt. Denn nur so lässt sich der Normverbrauch senken, ohne Leistung einbüssen zu müssen. Die Zielvorgaben von Porsche lauteten wie immer: Jedes neue Modell muss mehr Power aufweisen als der Vorgänger. So beschleunigt der neue Boxster mit seinem 2-Liter-Vierzylindermotor und manueller Schaltung in 5,1 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Der aussortierte 6-Zylinder mit 2,7 Litern Hubraum brauchte dafür 5,8 Sekunden. Der Verbrauch auf 100 km soll gleichzeitig um 13 Prozent reduziert worden sein. Im vorgegebenen Zyklus im Labor kommt er mit 7,4 Litern auf 100 km aus, der Vorgänger schluckte 8,4 Liter.

Die bessere Power im Einklang mit dem bescheidenen Verbrauch im Normzyklus wurde unter anderem mit einem hohen maximalen Ladedruck (1,4 bar) des Turbos erreicht. Wenn gemäss EU-Vorgaben neue Verbrauchs-Referenzwerte via Strassentests in Kraft treten, wird es für die Hersteller noch schwieriger, das angesagte Downsizing der Motoren mit mindestens gleich viel, oder sogar höherer Leistung in Einklang zu bringen. Dank ständig strenger werdenden Vorschriften geht den Motoren-Ingenieuren die Arbeit also nicht aus. Sie werden das Feld sicher nicht kampffrei den Elektromotoren abtreten.

Neues Klangbild

Jetzt nähern wir uns einigen auf einer Rundstrecke bereitstehenden Boxster – das Blut des Porsche-Enthusiasten gefriert langsam ein. Wir steigen ein: In guter Tradition Zündschloss links, kein Startknopf – und der Roadster geht ab wie die Post – und versprüht eine akustisch neue, aber durchaus gehaltvolle Melodie. Was fehlt, ist der metallerotische, schrille Ton beim Hochdrehen. Und man lernt auch: Einen Turbo bis zum Anschlag hochzudrehen, bringt wenig. Er reisst dich schon knapp über der Leerlaufdrehzahl aus dem Sitz. Und bleibt dank neuer Fahrwerksabstimmung sowie einer zusätzlichen Karosserieverstrebung stoisch stabil. Der Zweisitzer lässt sich spielerisch dirigieren, und er baut in Kurven fantastisch Grip auf.

16 Sekunden schneller

Man glaubt deshalb den Ingenieuren, dass der stärkere Boxster S mit dem 2,5-Liter-Vierzylindermotor mit 350 PS seinem sechszylindrigen Vorgänger mit 315 PS auf der legendären Nürburgring-Nordschleife 16 Sekunden abknöpfen kann. Das lässt sich das Werk mit einem Mehrpreis von 4600 Franken honorieren. Der neue, in der Schweiz bevorzugte Boxster S kostet 80 900 Franken, die Normalausführung ist für 65 600 Franken (Vorgänger 62 300 Franken) zu haben.

Bei der Typenbezeichnung wurde – wie beim Typ 911 Carrera – eine Ziffer beigefügt. Der Neue heisst nun offiziell «718 Boxster» und soll über die Historie den Verlust von zwei Zylindern verschmerzbar machen. Mit dem vierzylindrigen Porsche 718 aus den 50er- und 60er-Jahren verbinden sich gloriose motorsportliche Erinnerungen – in Le Mans beispielsweise. Wer nach seiner Automarke gefragt wird, kann jetzt also sagen: «Ich fahre einen 718er-Porsche.»

Steckbrief Porsche 718 Boxster

Modell: Zweitüriger Roadster mit Mittelmotor
Motor:2,0-Liter-Boxermotor mit 4 Zylindern, Direkteinspritzung und Turbolader
Antrieb:Heckantrieb, 6-Gang-Getriebe oder 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Leistung: 220 kW/300 PS, 380 Nm Drehmoment, V-max 275 km/h, Beschleunigung 0–100 km/h in 5,1 Sekunden
Verbrauch: 7,4 Liter/100 km; CO2-Emissionen 168 g/km (Euro 6)
Masse: 4,38 m lang; 1,80 m breit; 1,28 m hoch; Leergewicht 1335 Kilogramm
Kofferraumvolumen: 275 Liter (vorn 150 Liter, hinten 125 Liter)
Preis:Roadster 2-türig ab 65 600 Franken; Boxster S ab 80 900 Franken.
Internet: www.porsche.ch