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Wenn das Stofftier zum Spion wird

Interaktives Spielzeug kann leicht abgehört werden. In Deutschland wurde eine Puppe bereits verboten. Nun reagiert der Detailhandel – auch in der Schweiz.
Niels Anner, Kopenhagen
Ein Plüschhund in einer Tasche. (Bild: Archivbild LZ, 22. Februar 2001)

Ein Plüschhund in einer Tasche. (Bild: Archivbild LZ, 22. Februar 2001)

«Magst du Gummibärchen?», fragt die Puppe mit den grossen Augen. Die 4-jährige Signe ist fasziniert. Dann erklärt ihr ihre Puppe, vor dem Haus stehe ein Lieferwagen, wo sie ganz viele Süssigkeiten bekomme – sie dürfe nur ihrer Mutter nichts sagen. Signe nimmt die Puppe in den Arm und macht sich auf den Weg.

Draussen warten Reporter des norwegischen Fernsehens NRK, die auf eindrückliche Art demonstrieren, wie leicht sie die Steuerung der Spielzeugpuppe übernehmen und mit dem Mädchen kommunizierten konnten: Eine Bluetooth-Verbindung zwischen Smartphone und dem Sender der Puppe genügt. Dieser sucht dann in einem gewissen Umkreis aktiv nach Geräten, die mit der Puppe Verbindung aufnehmen möchten – ohne Sicherung. «Spielzeug darf kein Gift beinhalten, nicht brandgefährlich sein – aber wenn es um Informationssicherheit geht, gibt es fast keine Regeln», sagt der Sicherheitsexperte Martin Gravrak gegenüber NRK. Dies gilt für die meisten Länder, auch die Schweiz.

In Deutschland wurde die Puppe, die den Namen «Cayla» trägt, im vergangenen Jahr wegen Spionagegefahr verboten. Nicht nur der Verkauf ist nun unzulässig, sondern auch der Besitz. Wer die Puppe, die 2014 auf den Markt kam und sich grosser Beliebtheit erfreute, zu Hause habe, müsse sie zerstören, erklärten die deutschen Behörden. «Cayla» sei eine «verbotene Sendeanlage», weil sie leicht über eine ungesicherte Verbindung abgehört werden könne. Gleichzeitig können in die andere Richtung Anweisungen gegeben werden. Kinder können so wie im Beispiel aus Norwegen zu gefährlichem Verhalten ermutigt werden – oder es können ihnen Informationen entlockt werden, beispielsweise über ihren Schulweg.

Im Internet leicht erhältlich

Die Idee hinter solchen smarten Spielsachen ist, dass sich Kinder mit ihnen unterhalten können. Fragen werden ähnlich wie bei Apples Siri über das Internet übertragen, mit Hilfe von Datenbanken beantwortet und auf Servern gespeichert. Damit kann nicht nur das Abhören des eigenen Kindes sowie anderer im Raum anwesender Personen zum Problem werden, sondern auch die Sicherheit der Daten. Dies vor allem dann, wenn das Spielzeug über eine App gesteuert wird, die den Datenfluss auf die Server eines Unternehmens leitet – und möglicherweise noch mit den persönlichen Informationen über den Smartphone-Besitzer kombiniert. Obendrein besteht die Gefahr, dass das Spielzeug gehackt wird.

Verboten ist «Cayla» bisher nur in Deutschland, doch mittlerweile ist sie international aus den meisten Geschäften entfernt worden, auch hierzulande. Zudem haben Handelsplattformen wie Ricardo.ch reagiert, dort wird die Puppe ebenfalls nicht mehr angeboten. Ansonsten ist sie im Internet als Gebrauchtware aber leicht erhältlich, etwa auf Ebay.

Integrierte Mikrofone und Kameras

Problematisch ist aber nicht nur «Cayla». Auch diverse Teddys, Dinosaurier, Roboter, Kinderuhren oder Tablets verfügen dank integrierten Mikrofonen, Lautsprechern und Kameras über interaktive Funktionen. Uhren oder Spielzeug mit GPS-Sender können Fremden den Standort des Kindes verraten.

Auch wenn viele Hersteller mittlerweile die Verbindungen besser sichern, warnen Verbraucherschutzorganisationen davor, die smarten Spielsachen unkritisch zu benutzen. Die Datennutzung sollte klar sein und inter­aktive Funktionen gesteuert oder deaktiviert werden können. Sonst könnten Spielsachen beziehungsweise deren Hersteller Sprachaufnahmen zu Marketingzwecken nutzen, persönliche Daten missbrauchen oder fremden Personen die Kommunikation mit Kindern ermöglichen.

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