Von der Maskenpflicht entbunden wegen Kopfschmerzen: Wer erhält wie einfach eine Dispensation?

Das Maskentragen verursache bei ihnen Kopfschmerzen, klagen immer mehr. Für eine Dispens genügt das aber (meistens) nicht.

Katja Fischer De Santi
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Ohne Maske im Zug: selbst mit Attest schwierig.

Ohne Maske im Zug: selbst mit Attest schwierig.

Bild: Getty

Stechende Kopfschmerzen und heftige Übelkeit bis zum Erbrechen, so beschreibt eine Studentin aus dem Kanton Aargau ihre Symptome, wenn sie längere Zeit eine Maske tragen muss. An Migräne habe sie schon vorher gelitten, seit der Maskentragepflicht sei diese schlimmer geworden. Als sie ihrem Hausarzt ihre Beschwerden schildert, zögerte dieser nicht lange und stellte ihr eine generelle Maskendispensation aus. «Es war eine grosse Erleichterung für mich», erzählt die 28-Jährige.

Coiffeuse klagt über Kopfschmerzen und Müdigkeit

Ähnlich ging es einer Coiffeuse aus Baden. Nach einigen Stunden arbeiten mit der Maske, bekam sie regelmässig Kopfweh, später Migräne. Ihre Hausärztin stellt ihr ein Attest aus. «Arbeiten ohne Maske ist eine Erlösung für mich, Migräne habe ich seither nicht mehr», sagt sie, «dafür gibt es Kunden, die sich nicht von mir die Haare schneiden lassen wollen. Ich muss mich oft erklären.» Auch eine Apothekerin erzählt, immer öfter würden Kundinnen und Kunden fragen, was gegen Kopfweh oder Müdigkeit zu tun sei, die sie auf das Maskentragen zurückführen. Wasser trinken statt Kopfweh-Tabletten schlucken sei besser, antworte sie jeweils. Bei starkem Kopfweh empfiehlt die Apothekerin jedoch einen ärztlichen Maskendispens.

«Masken verursachen keine Migräne», sagt der Arzt

Kann das Maskentragen Kopfschmerzen verursachen und ist Grund genug für eine ärztliche Dispensation? «Nein, das Maskentragen alleine kann keine Kopfschmerzen verursachen», sagt Philippe Luchsinger, Präsident des Verbandes Haus- und Kinderärzte Schweiz. Die Ursachen für eine Migräne müsse man genauer abklären, Grund genug für einen medizinischen Attest sei das nicht.

Zu ihm kämen eher Patienten, die über Atemnot und Sauerstoffmangel unter der Maske klagen würden und deshalb einen Attest verlangen. Ihnen erkläre er jeweils, dass diverse Studien und der Alltag von Millionen Pflegenden und Ärzten weltweit Beleg dafür seien, dass man genug Sauerstoff bekomme, selbst wenn man die Maske den ganzen Tag tragen müsse. «Es ist eine Gewöhnungssache und es gibt nur wenige begründete Situationen für eine Dispens», stellt Luchsinger klar. 90 Prozent der Bevölkerung habe das auch verstanden und verhalte sich vernünftig.

Hohe Atemnot oder Angstzustände

Nicht alle Ärzte sehen das so. Kürzlich wurde der Fall einer Berner Ärztin bekannt, die gegen eine Gebühr von 20 Franken und ohne Angaben von medizinischen Gründen Maskendispensationen ausstellte. Die Berner Behörden untersuchen den Fall nun. Auf den Vorwurf, dass es ziemlich einfach sei, eine Maskendispens von einem Hausarzt zu bekommen, reagiert Luchsinger harsch und verweist auf die Vorschriften des Bundes. Gemäss BAG dürfen nur Personen, für die das Tragen einer Maske aus medizinischen Gründen wie Gesichtsverletzungen, hohe Atemnot oder Angstzustände nicht zumutbar ist, dispensiert werden. Luchsinger stellt Attests vor allem für Patienten aus, die an einer Lungenkrankheit oder Asthma leiden. «Und auch dann nur, wenn ich die Krankheitsgeschichte des Patienten schon länger kenne.» Er appelliert denn auch an alle Hausärzte, restriktiv mit den Dispensen umzugehen.

«Sie gefährden ihre Zulassung, wenn sie fahrlässig handeln. Es ist unsere Pflicht, unsere Patienten und die gesamte Bevölkerung vor Krankheiten zu schützen.»

Um sich und andere zu schützen, trägt denn auch die 28-jährige Aargauerin trotz Dispens meistens eine Maske im Zug. Anders in den Vorlesungen, da seien die Abstände grösser und sie könne sich besser erklären. Dass der soziale Druck, eine Maske zu tragen, hoch ist, zeigt das Beispiel eines Mannes, der im Zug Richtung Luzern von Mitpassagieren aus dem Wagen gejagt wurde, weil er keine Maske trug. Dies, obwohl er den im gleichen Abteil sitzenden Männern seinen ärztlichen Attest gezeigt hatte.

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