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Wer, ich?

Mit jedem Griff ins Regal übernehmen wir Verantwortung, zeichnen die Welt so, wie wir sie wollen. Das schreibt unsere Sonntagskolumnistin Claudia Lässer.
Claudia Lässer
Claudia Lässer, Programmleiterin Teleclub.

Claudia Lässer, Programmleiterin Teleclub.

Jede Generation hat ihre gesellschaftspolitischen, moralischen und individuellen «Knacknüsse», die zu Meinungsverschiedenheiten, langen Feuilletonberichten und Studien führen. Ist Bio besser, ab wann darf meine Tochter ein Smartphone haben, wie versorgen wir uns zukünftig mit Energie, wohin mit den fast 80 Millionen Menschen mehr pro Jahr, ist es o. k., dass ein T-Shirt 9.90 kostet und ich an der Tankstelle in Wollishofen Sushi kaufen kann?

Fragen, die in gesellschaftliche Themen reinspielen, die ich mit vielen, vielen Experten diskutieren könnte, schliesslich aber immer zum selben Punkt führen – Verantwortung. Übernehme ich Verantwortung, sichere ich einer anderen Person gegenüber zu, innerhalb eines gemeinsam definierten Wertesystems, nachvollziehbar und für alle schadensfrei zu handeln. So in etwa stelle ich mir das vor.

Keiner von uns überlebt allein

Wir haben zum Beispiel abgemacht, dass wir alle auf der rechten Fahrspur fahren. Weil wir Verantwortung übernehmen, halten wir die Regeln ein, damit wir die Rumfahrerei unbeschadet überstehen. Passiert doch mal was, weil man aufs Handy schauen musste, um zu checken, ob der Schatz Salz- oder doch lieber Paprikachips will, gibt man Verantwortung an «Rainer Zufall» ab – und baut einen Crash oder nicht. Baut man einen Crash, muss man die Verantwortung nachholen, also für seinen Fehler einstehen.

Im Idealfall gibt man die Verantwortung an seine Versicherung weiter. Eine Dienstleistung der Verantwortung, die man sich mit Geld erkauft hat.

Man übernimmt also entweder Verantwortung, dass nichts passiert, oder wenn es passiert, indem man es wieder gutmacht. Ein vielleicht banales Beispiel, aber wer sagt schon, dass die Welt so unglaublich kompliziert sein muss.

Keiner von uns überlebt alleine. All die Dinge, die wir zum täglichen Leben brauchen, hat jemand gemacht. Essen, Kleider, Möbel, den Wein, die Windeln und den Granatapfel-Mango-Wrap. Hinter all diesen Dingen stehen Menschen. Mit jedem Griff ins Regal übernehmen wir Verantwortung, zeichnen die Welt so, wie wir sie wollen. Mit jeder Geste zeigen wir den Mitmenschen entweder den Finger oder reichen ihm die Hand und sagen Danke. Es ist die Verantwortung den anderen Menschen gegenüber, die unsere Wahl bestimmen sollte.

Weil jeder und jede das andere Ende von jemand anders ist.

Im Verteilzentrum eines Onlineshops in Deutschland steht ein Herr Müller am Förderband, der ein Stunde Mittagspause hat, für jeden Weg in die Kantine 15 Minuten benötigt und einen Verweis bekommt, wenn er zwei Minuten zu spät am Platz ist. Warum? Weil er so Kosten verursacht, die das Produkt ein bisschen teurer machen und uns vielleicht davon abhält, bei diesem Shop zu bestellen. Wir könnten auch dastehen, genau an diesem Förderband. Brauchen wir das HDMI-Kabel wirklich innert 24 Stunden?

Wie wir uns gegenseitig behandeln, so wird die Welt. Das ist die Verantwortung, die wir mit der Geburt übernehmen. Egal, was Sie wählen, wählen Sie Verantwortung. Es braucht keine Initiativen und Gesetze, Ihre tägliche Wahl entscheidet.

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