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Die Dauer bestimmt der König: So machen andere Länder Ferien

Wie viele Ferientage haben Chinesinnen und Chinesen zugut? Wo verbringen Saudis, wo die Spanier die schönsten Tage des Jahres? Auslandkorrespondenten unserer Zeitung klären auf.

Gelegentlich nehmen wir erstaunt zur Kenntnis, dass nicht nur wir Ferien haben und reisen, sondern Millionen von Menschen aus andern Ländern auch. Längst sind Ferien nicht mehr nur ein Privileg wohlhabender westlicher Gesellschaften. Obwohl gerade in typischen Ferienländern wie Griechenland und Spanien Auslandreisen für die meisten immer noch exklusiv sind. Während die Mexikaner von ganz anderen Sorgen geplagt werden.

China: Viele zusätzliche Festtage

Nur gerade neun Ferientage kann sich der chinesische Arbeitnehmer im Jahr nehmen. Mehr ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Doch das heisst nicht, dass es im Reich der Mitte an freien Tagen mangelt. Im Gegenteil. Zumindest in der ersten Hälfte des Jahres vergeht kaum ein Monat, in dem in China nicht Feiertage sind, kombiniert mit Brückentagen, die an anderen Wochenenden abgearbeitet werden müssen.

Das beginnt Ende Januar, Anfang Februar mit dem chinesischen Neujahrsfest, an dem man gleich zwei Wochen am Stück frei hat, Anfang April folgt dann bereits der chinesische Totengedenktag. Rund um den 1. Mai, dem Tag der Arbeit, haben die Chinesen ebenfalls fast eine ganze Woche lang frei. Und im Juni ist dann das verlängerte Wochenende rund um das Drachenbootfest.

Im zweiten Halbjahr sieht es schlechter aus mit freien Tagen. Nur rund um den 1. Oktober, dem chinesischen Nationalfeiertag, ist wieder eine ganze Woche frei. Da Oktober klimatisch in China die angenehmste Reisezeit ist, nämlich nicht zu heiss und nicht zu kalt, geht es an diesen Tagen im ganzen Land zu und her wie zu Zeiten der Völkerwanderung. (fl)

Griechenland: Das Geld für Ferien fehlt

Insgesamt 23 Ferientage stehen den griechischen Arbeitnehmern im Jahr gesetzlich zu. Aber immer weniger Menschen können sich Ferien leisten. Das gilt zumal in diesem Jahr, da die wegen des Booms im Griechenland-Tourismus gestiegenen Hotelpreise für viele Einheimische unerschwinglich geworden sind.

Im Laufe der fast zehnjährigen Krise sind Einkommen und Renten drastisch geschrumpft. Die Kaufkraft der Griechen ging um ein Drittel zurück, jeder Fünfte ist arbeitslos. Eurostat ermittelte, dass über die Hälfte der griechischen Familien sich nicht mal eine Woche Ferien leisten kann. Auslandsreisen waren schon vor der Krise für viele Griechen ein Luxus und unüblich. Die meisten verbringen die Ferien im eigenen Land. Schliesslich hat kein Mittelmeerland mehr Inseln und Strände. Haupturlaubsmonat ist der August.

Eurostat ermittelte, dass über die Hälfte der griechischen Familien sich nicht mal eine Woche Ferien leisten kann. Auslandsreisen waren schon vor der Krise für viele Griechen ein Luxus und unüblich. Die meisten verbringen die Ferien im eigenen Land. Schliesslich hat kein Mittelmeerland mehr Inseln und Strände. Haupturlaubsmonat ist der August. Vor allem in den Tagen vor und nach dem 15. August, Maria Himmelfahrt, sind in den Städten viele Geschäfte und Handwerksbetriebe ferienhalber geschlossen. Die Städter strömen dann in ihre Heimatdörfer aufs Land und zu den Inseln, die Fähren sind ausgebucht, die Autobahnen überfüllt. Und die sonst so hektischen Grossstädte wie Athen und Thessaloniki fallen für einige Tage in einen Sommerschlaf. (höh)

Mexiko: Wohin mit den Kindern?

Sommerferien sind für die meisten Mexikaner eher Anlass zur Sorge denn zur Freude. Zumindest arbeitenden Eltern stellt sich dann die Frage: Was mache ich sechs Wochen lang mit den Kindern? Denn mexikanische Arbeitnehmer haben zumindest am Anfang ihres Arbeitslebens sehr wenig Ferien.

Gerade mal Anspruch auf sechs bezahlte Tage Ferien haben Angestellte im Jahr. Die ersten zwölf Jahre ihres Angestelltenverhältnisses kommen pro Jahr zwei Tage hinzu. Danach gibt es nur noch alle fünf Jahre zwei Tage zusätzlich. Kein Vergleich zu den 30 Tagen, die etwa Brasilianer ab dem ersten Jahr zustehen! Deshalb haushalten die Mexikaner mit ihren Ferien – und nehmen sie gerne dann, wenn andere gesetzliche Feiertage wie an Ostern oder im Dezember daraus zwei Wochen zaubern. Dann gehen sie mit Vorliebe mit der Gross­familie an den Strand oder besichtigen Städte und Sehenswürdigkeiten im eigenen Land.

Ferien im Ausland kann sich nur die kleine Oberschicht leisten. Sommer ist für Mexikaner keine Reisezeit – auch weil dann die eher kühle Regen- und Hurrikansaison ist. Die Kinder ­werden in den Ferien deshalb gerne zu Verwandten aufs Land geschickt. (sw)

Saudi-Arabien: Am liebsten ans Wasser

Mit einer Gesamtfallhöhe von fast 400 Metern sind die Wasserfälle im österreichischen Krimml die fünfthöchsten der Welt. Jeder zehnte der 400000 Feriengäste, die jedes Jahr mit Kind und Kegel den vier Kilometer langen Wasserfallweg hinauflaufen, kommt aus Saudi-Arabien. Und dies bereits seit mehr als zehn Jahren.

Während der König mit seiner Entourage den Sommer meist in Frankreich oder Marokko verbringt, geniessen seine Untertanen den Pinzgau nahe Salzburg. Morgens sieht man sie auf den Gletschern der Hoch- tauern, nachmittags am kühlen See von Zell. Wichtig sind ihnen das Wasser sowie die Kühle der Berge. Eingekauft wird am liebsten bei Regen, der in der Heimat fast nie fällt. Reichlich Wasser ist auch der Grund, warum Saudis, die in den Alpenländern «Eingewöhnungsschwierigkeiten» haben, gerne nach ­Istanbul fliegen. Wasser und Moscheen, nach denen man im Pinzgau vergeblich sucht, gibt es am Bosporus bekanntlich viele, und auch die Kleiderordnung entspricht den Saudis eher.

Die Dauer der Ferien bestimmt in Saudi-Arabien König Salman. Der Monarch verlängerte eben erst im Juni – per Dekret – das fünftägige «Eid al Fitr»-Fest zum Ende des Ramadans um neun zusätzliche Tage. Staatsangestellte, die fast zwei Drittel der arbeitenden Bevölkerung des Königreichs ausmachen und rund 5800 Franken im Monat verdienen, erhalten sechs weitere Wochen bezahlte Ferien. Für Kurzferien wird auch das «grosse Opferfest» nach der traditionellen Pilgerfahrt im August genutzt. (M. Wr.)

Spanien: Zumindest auf «Balkonien»

In Spanien, dem Ferienland für Millionen aus der ganzen Welt, ist für nicht wenige Einheimische eine Ferienwoche ein unerschwinglicher Luxus. Rund ein Drittel der spanischen Familien können sich laut einer Umfrage des staatlichen Statistikamtes keine Ferien leisten. Deswegen verbringen nicht wenige Spanier ihre Ferien auf «Balkonien». Oder sie besuchen die Verwandtschaft auf dem Land, die für den Familienbesuch immer ein Bett frei hat. Dies kontrastiert mit dem Tourismusboom der vergangenen Jahre, der für das Land da und dort fast schon zu einem Problem geworden ist.

Wenn in Spanien der wichtigste Ferienmonat, der August, gekommen ist, merkt man dies daran, dass es in der Hauptstadt Madrid plötzlich leer geworden ist – keine Staus mehr und fast überall genug Parkplätze. Das ist für manche Individualisten ein Grund, in diesem Monat Madrid zu geniessen und in der Nebensaison dorthin zu fahren, wo die Spanier, die es sich erlauben können, am liebsten Ferien machen: an die Strände des Mittelmeers oder des Atlantiks.

Der gesetzlich zugesicherte Ferienanspruch beträgt in Spanien mindestens 22 Arbeitstage. Doch zusammen mit den nicht weniger als zehn nationalen und sechs regionalen Feiertagen schaffen es manche Lebenskünstler, gut acht Wochen Ferien herauszuschlagen. Das ist doch nicht schlecht – und sei dies auch nur für erholsame Tage auf «Balkonien». (ze)

Südafrika: Arm und Reich am Strand

Gerade einmal ­­ 15 Ferientage haben die meisten Südafrikaner. Dabei ist ihnen die Zeit mit der Familie heilig. Das spiegelt sich denn auch im Gesetz wider: Fällt ein Feiertag auf einen Sonntag, dürfen Arbeitnehmer montags zu Hause bleiben, ohne dafür Ärger mit dem Chef zu bekommen.

In den Ferien geht es an den Strand. Wenigstens das haben Arm und Reich gemeinsam in einer Gesellschaft, in der es die weltweit grössten Einkommensunterschiede gibt. Nur privilegierte ­Südafrikaner verbringen ihre Ferien in Weltstädten wie London oder Dubai. Die Mittelschicht zieht es eher ins Ferienressort auf Mauritius. Oder sie wechselt für zwei Wochen einfach die Stadt. «Wo findet man rund um Weihnachten keine Johannesburger? In Johannesburg!», scherzen die Südafrikaner.

Die arbeitende Bevölkerung in den Armutsvierteln bleibt in den Ferien zu Hause. Tagsüber geht es ans Meer; in Kapstadt lernt die Township-Jugend seit neuestem das Surfen. Abends wird gefeiert: Entweder in «shebeens» – also illegalen Kneipen – oder am offenen Feuer, über dem Schafsköpfe und Würste gegrillt werden. (ms)

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