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Kolumne

Wie sieht gesunder Patriotismus aus?

Lukas Niederberger
Lukas Niederberger, Publizist.

Lukas Niederberger, Publizist.

In zwei Wochen feiert die Eidgenossenschaft ihren 727. Geburtstag. Würde der Bundesstaat Schweiz einen Nationalfeiertag besitzen, müsste dieser in Verbindung mit 1848 stehen. Den Bundesfeiertag, der an 1291 erinnert, begehen paradoxerweise auch die Neuenburger, die bis 1857 ein preussisches Fürstentum waren.

Jedenfalls ist der 1. August eine willkommene Gelegenheit, um in Zeitungskolumnen, auf Kanzeln und an Rednerpulten sowohl das Narrativ vom Volk der Bergler als auch jenes vom globalen, digitalen, mobilen und multikulturellen Kleinstaat zu beschwören.

Am 1. August öffnet auf dem Rütli das neue «Musée Grütli» seine Tore. Darin werden dieses und nächstes Jahr Video-Interviews der Ausstellung «Heimat» vom Stapferhaus Lenzburg gezeigt. Manche der Interviewten verbinden «Heimat» mit Familie und Freunden, andere mit Sprache, Literatur und Liedern oder mit Bergen, Seen und Landschaften. Einige sprechen auch von ihrer Ambivalenz gegenüber Begriffen wie «Heimat», «Heimatliebe», «Vaterland» und «Patriotismus».

Patriotismus und Heimatliebe werden leicht als Nationalismus empfunden, bezeichnet und kritisiert, obwohl der Unterschied glasklar ist.

Patriotismus ist die Liebe zum eigenen Land, Volk und zur eigenen Kultur. Nationalismus hingegen ist Hass, Überlegenheitsgefühl oder Gleichgültigkeit gegenüber anderen Ländern, Völkern und Kulturen. Es ist nicht anrüchig, im Schweizer-Leibchen herumzulaufen, Fahnen aufzuhängen und Heimatlieder zu singen, solange man sich dadurch nicht über andere Länder und Kulturen zu stellen versucht.

Am wohlsten ist es mir, wenn sich Patriotismus und Heimatliebe auf Werte beziehen. Nicht zufällig waren es deutsche Denker, die in den 70er-Jahren den Begriff «Verfassungspatriotismus» schufen, der auf Werten statt auf Blut und Boden basiert. Auch die schweizerische Bundesverfassung gründet auf Werten. Gleich zu Beginn werden in der Präambel die zentralen Werte aufgeführt, mit denen sich alle identifizieren können. Darum wurde vor drei Jahren auf der Textbasis der Präambel eine neue Strophe zur heutigen Nationalhymne-Melodie kreiert.

Die 2222 Gemeinden der Schweiz können ihren gesunden Verfassungspatriotismus fördern, indem sie am 1. August auch die neue Hymnen-­Strophe anstimmen. Auf dem Rütli wird der neue Text im Beisein von Bundespräsident Alain Berset in Worten und in Gebärdensprache gesungen.

Zugegeben: Morgenrot, Alpenfirn und Abendglühn lösen mehr Gefühle aus als abstrakte Begriffe wie Freiheit und Gerechtigkeit. Dennoch oder gerade deshalb können wir die neue Hymnen-Strophe als Visitenkarte unserer Werte mit gesunder Heimatliebe singen:

Weisses Kreuz auf rotem Grund,
unser Zeichen für den Bund:
Freiheit, Unabhängigkeit, Frieden.
Offen für die Welt, in der wir leben,
lasst uns nach Gerechtigkeit streben!
Frei, wer seine Freiheit nützt,
stark ein Volk, das Schwache stützt.
Weisses Kreuz auf rotem Grund,
unser Zeichen für den Schweizer Bund.

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