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Kolumne

Willkommen, Hanzz + Heidii

Sie machen auf vegan, im Beauty-Bereich, für sie und ihn. Mit Edelweiss und Schneealgen in den Töpfchen und Tuben.
Sie hat wohl die «Heidii» im Sack und vielleicht sogar den «Hanzz». (Bild: PD)

Sie hat wohl die «Heidii» im Sack und vielleicht sogar den «Hanzz». (Bild: PD)

Der Beruf des Markennamen-Erfinders hatte ja in den letzten Jahren bös zu kämpfen. Zum einen, weil schöne Marken- und Produktenamen wie etwa Kleenex, Klosterfrau oder Kukident sowie aber auch Uncle Ben’s und Dr. Oetker längst besetzt sind. Zum andern, weil die Globalisierung samt der Verfügbarkeit von allem und jedem und überall zu allerlei Verständigungsschwierigkeiten führt. Was in der einen Sprache ganz flott tönt, bedeutet in der anderen Sprache etwas ganz anderes. Nicht selten etwas aus der beliebten Pfui-Zone.

Angefangen hat es schon in den Siebzigern mit Ikea. Als sich diese Schweden im deutschen Sprachraum breitmachten, durfte man des öfteren über die Namen der Möbel staunen und verschämt lächeln. Erinnert sei hier an das Hutregal «Lustifik», nicht zu verwechseln mit dem Etagenbett «Gutvik» und ebenso wenig mit dem Bild «Edelvik». Auch die Automobilhersteller sorgten mit ihren Namen ab und zu für Aufsehen. Audis Elektroauto «E-Tron» wird in Frankreich als Kothaufen (l’étron) verstanden, und Mitsubishis «Pajero» in Spanien als – ach, hilf dir selbst und schau im Wörterbuch nach.

Vorsichtshalber wurde nun allmählich zu den Namen da und dort auch die richtige Aussprache mit angegeben. Etwa bei Coca-Colas Eistee. «Fiuuhstii» sage man dem korrekt. Und das neue «Genfer Fashion-Start-up» mit dem knappen und auf den ersten Blick sehr derben Namen spricht man scheint’s wie «Fass» aus.

«Fass» macht vegane Mode, womit wir bei «Hanzz + Heidii» angelangt sind: Die machen auch auf vegan, im Beauty-Bereich, für sie und ihn. Mit Edelweiss und Schneealgen in den Töpfchen und Tuben. «Unser Ziel ist es, deinen natürlichen Wow-Effekt hervorzubringen», heisst es bei Hanzz + Heidii. Man wolle mich glücklich machen. Danke!

Ich glaube allerdings, dass ich nicht zur Zielgruppe gehöre. Ich bin doch bereits extrem glücklich, obwohl es mit dem Wow-Effekt nicht so weit her ist. Aber in meinem Alter zählen eh mehr die inneren Werte. Und wenn ich sehe, wer für Hanzz + Heidii wow-mässig Modell steht, hätte ich denen, glaub’ ich, nie nacheifern mögen: Die sind mir einfach etwas too beautiful. Zu glatt. Da lobe ich mir meine Mode-Hausmarke. Für die modeln stets Typen, die – heraus damit – wie «Kacklinge» aussehen (das ist auch der Name eines Ikea-Sitzkissens). Sie geben einem das gute Gefühl, dass es Leute gibt, die schlechter aussehen als man selber. Raffinierte Werbung.

Hanzz+Heidii mag ich natürlich wegen des Bezugs zu Hans. Und auch Heidi. Die alten Namen sind zwar wieder etwas im Kommen, Max, Thomas, Arthur, Emil – einen Hans jedoch gibt’s seit Jahren nicht mehr. (Oder kennt jemand einen mit Jahrgang 2010 und jünger? Dem Ersten, der sich meldet, würde ich eine Kleinigkeit ins Kässeli einzahlen). Umso erfreuter bin ich jetzt, dass es zumindest eine Kosmetiklinie Hanzz gibt. Ist nicht ganz Hans, aber es geht schon mal in die richtige Richtung.

Dass Hanzz, wie ich erfahren musste, nicht eigentlich von Hans hergeleitet ist, sondern von der Alpnacher Firma Enhanzz, ist mir schnuppe. Richtig gute Namen bringen deren Erfinder ja offenbar ohnehin nur noch dann hervor, wenn man sie schön missverstehen kann.

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