Galaktisches in Silber: Willkommen im Mode-Weltraum

Cyborg-Chic, Silber und Kleider wie aus Star Trek: Noch können wir nicht auf dem Mond leben – aber zumindest so aussehen als ob. Der futuristische Look ist keine Zukunftsmusik, sondern eine modische Rückbesinnung auf die Sechzigerjahre.

Helen Lagger
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Galaktisch glitzerndes Modell von Balmain. (Bilder: Getty)
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Courrèges: Für nächsten Frühling ist Helm angesagt.
Funkelnde Metallplättchen bei Louis Vuitton.
Paco Rabannes Kettenkleid mit Mettallplättchen.
Dunkelsilbriges für den Weltraum-Ball von Alberta Ferretti.
Space-Look von Jermey Scott: Zum Silber Perücken und Fellbeinkleider in Neonfarben.
Space-Look vor 50 Jahren: aus der 1968er-Kollektion von Pierre Cardin.

Galaktisch glitzerndes Modell von Balmain. (Bilder: Getty)

Am 21. Juli 1969 betraten die ersten Menschen den Mond. Die Mondlandung liess niemanden kalt, auch die Modedesigner nicht. So lancierte etwa der französische Modeschöpfer André Courrèges (1923-2016) von der Weltraumforschung inspiriert den so genannten Space-Look für Mondmädchen. Dabei griff er auf optische Elemente aus der Raumfahrt zurück. Der Courrèges-Stil wurde dank seinen klaren geometrischen Formen auch als «harter Schick» bezeichnet. Die Mondmädchen der Sechzigerjahre trugen Miniröcke, futuristisch anmutende Sonnenbrillen und Helme.

«Jeder sollte Silber tragen»

Verehrt wurden Courrèges’ Entwürfe – besonders diejenigen in Silber – von keinem geringeren als Andy Warhol, dem Enfant Terrible der damaligen Kunstszene. «Jeder sollte Silber tragen», soll der Pop Art Künstler gesagt haben, der in seiner legendären Silver Factory, der Farbe ein Denkmal setzte.

Die Wände von Warhols Werkstätte waren mit Alufolie ausgekleidet und mit silberner Farbe besprüht, was die die ultimative Coolness ausmachte.

Die Farbe Silber steht für Modernität und Zukunft, weshalb sie besonders häufig in Science-Fiction Filmen ihren Auftritt hat. So trägt etwa Schauspielerin Jane Fonda im Kultfilm «Barbarella» (1968) Kleider aus Metall. Paco Rabanne, der spanisch-französiche Modeschöpfer entwarf die Catsuits und Corsagen und prägte damit den Space-Age-Look massgebend mit. Rabannes Vorliebe für Kleider aus Metallteilen brachte ihm den Spitznamen «Modeklempner» ein. Schon als Kind soll sich der Designer für Science-Fiction interessiert haben.

Lagerfelds Rakete als Initialzündung

Doch auch die Designer des 21. Jahrhunderts können es nicht lassen, in regelmässigen Abständen ins All zu schweifen. Kehrt der Space-Look vielleicht immer dann zurück, wenn die Weltlage besonders schief hängt, so dass wir uns nach fremden, möglicherweise freundlicheren Galaxien sehnen? 2018 ist jedenfalls ein Modejahr, in dem ausserirdisch Schönes in Silber und von Science-Fiction-Inspiriertes angesagt ist. Die Rückkehr des Trends kündigte sich bereits im Frühjahr 2017 an als Karl Lagerfeld im Pariser Grand Palais eine Rakete starten liess und Kleider in Grau- und Silbertönen im Stil der Sechzigerjahre präsentierte. Die Models sahen aus wie typische Chanel Mädchen, nur ein bisschen galaktischer als auch schon.

Wie sieht die Pariserin der Zukunft aus?

2018 treibt der Cyborg-Chic weitere wilde Blüten. Bei Louis Vuitton landete bei der Präsentation der aktuellen Herbst/Winterkollektion ein Raumschiff im Pariser Louvre. Klar, dass Chefdesigner Nicolas Ghesquière modisch ein paar Zeitreisen vorschlägt. Wie sieht die Pariserin der Zukunft aus, die auch mal zum Mond fliegt? Ziemlich elegant. Sie trägt scharf geschnittene Kleider mit Logos, die an die Applikationen auf Star-Wars Kostümen erinnern.

Julien Dossena hat für Paco Rabanne Kleider und Jupes aus spiegelnden Metallplättchen designt, während Alberta Ferretti ihre Models in glamourösen Silberroben, die glänzen als wären sie aus Aluminium über den Laufsteg schickte. Silber auch bei Balmain: Ein metallisch glänzender Overall mit weitem Bein eröffnete die stark von den 80er –Jahren inspirierte Schau von Olivier Rousteing.

Plastikjupes und Neon bei Jeremy Scott

Den Science-Fiction Look auf die Spitze trieb Jeremy Scott: Die Models, die seine Herbst-Winterkollektion vorstellten, trugen Plastikjupes, seltsame Fell-Beinkleider und Perücken in Neonfarben, was sie wie neue Versionen von Barbarella aussehen liess. Zurück in die Zukunft lautet das Motto der Stunde. Im Jahr 2018 dürfen wir tatsächlich ein bisschen so aussehen wie Zukunftsforscher sich unser Zeitalter in den Sechzigerjahren ausgemalt hatten.