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Wir alle können heilig sein

In seinem aktuellen Apostolischen Schreiben «Gaudete et exsultate» gibt sich Papst Franziskus gewohnt volksnah und geerdet. Ihm schlägt deshalb auch Kritik entgegen – hauptsächlich aus konservativen Kreisen.
Andreas Faessler
Zeigt sich auch in seinem aktuellen Apostolischen Schreiben als Menschenfreund: Papst Franziskus.

Zeigt sich auch in seinem aktuellen Apostolischen Schreiben als Menschenfreund: Papst Franziskus.

Die Bemühungen Papst Franziskus’, frischen Wind in die katholische Kirche zu bringen, mit ihr einen neuen Aufbruch zu wagen und sie wieder mit den Menschen zusammenzuführen, äussern sich in vielfacher Hinsicht. Auch die Apostolischen Schreiben des Heiligen Stuhls erscheinen seit dem Pontifikat von Franziskus ganz anders – jünger, frischer, zugänglicher. Die Verlautbarungen des Papstes gibt es im handlichen Taschenbuchformat für unterwegs, äusserlich augenschmeichelnd gestaltet stets mit dem freundlichen Gesicht des Pontifex.

In seiner aktuellsten Botschaft «Gaudete et exsultate –Freut euch und jubelt» gibt sich Franziskus einmal mehr ganz so, wie ihn die Welt seit seinem legendären «Buona sera» kennt: natürlich, bedacht, schnörkellos, direkt und stets mit einem wachsamen Blick auf den Menschen – an einer Buchstelle, wo der Papst sich plötzlich per «Du» an den Leser wendet, sieht dieser sich erst recht auf Augenhöhe des Kirchenoberhauptes. Franziskus spricht über die Heiligkeit – jeder könne heilig sein, sagt er. Dazu brauche es kein kirchliches Amt. Man wachse in kleinen, schönen Gesten des Alltags, was zur Erfüllung führe. Als Folge wird der Mensch glücklich und selig – beides Synonyme für heilig, sagt Franziskus. Und wie jeder für sich seinen Weg zur Erfüllung finden kann, da gibt der Papst auf bemerkenswert empathische Art wertvolle Hinweise. «Eine Anleitung zum Glücklichsein» umschreibt Stefan Kempis, Redaktionsleiter bei «Vatican News», das Buch in seinem Vorwort.

Wieder wählt Franziskus den Weg der Freude und des Freudebereitens, wenn es um die Suche nach Gott geht. Fernab von strenger Dogmatik, durchwegs mit ungestelzter Ausdrucksweise. Mit harschen Worten hingegen geht er mit den «Gnostikern» ins Gericht, die er als «Feinde des christlichen Glaubens» bezeichnet. Ein unmissverständlicher Seitenhieb an die Kleriker sämtlicher Hierarchiestufen, die denken, sie hätten durch ihre Rationalität und theologisches Wissen die Deutungsmacht über den Glauben und das Evangelium.

Damit sticht der Papst einmal mehr in ein Wespennest und erntet bei weitem nicht nur Zuspruch. Moniert wird etwa, Franziskus würde mit seiner Botschaft all jene abkanzeln, die nicht seiner Meinung sind, und er würde auch seine Kirche selbst verunglimpfen, wenn er sie zu einem «Museumsstück» deklassiert, wenn einige kirchliche Gruppierungen zu verbissen an alten Bräuchen und Traditionen festhalten. In einigen Internetportalen, die sich eigenmächtig als «katholisch» bezeichnen, wird Papst Franziskus im Hinblick auf «Gaudete et exsultate» gar als Häretiker und Narzisst beschimpft.

An dieser Stelle mag man sich fragen: Was ist besser? «Gnostiker» um sich zu scharen oder die Kirche wieder näher zu den Menschen zu bringen? Das Buch belebt und freut. Selbst Kirchenferne.

Hinweis: Papst Franziskus: Freut euch und jubelt – Apostolisches Schreiben «Gaudete et exsultate» über den Ruf zur Heiligkeit in der Welt von heute. Herder, 144 S., ca. Fr. 19.–

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