Natur

Wo sind eigentlich die Maikäfer geblieben?

Nach dem verregneten Monatsanfang hat der Wonnemonat Mai nun scheinbar doch noch den Weg zu uns in die Schweiz gefunden. Doch irgendetwas fehlt dabei. Wo sind eigentlich die Maikäfer geblieben, die früher um diese Zeit in Schwärmen unterwegs waren?

Irene Müller
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Der Maikäfer
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Der Maikäfer
Der Maikäfer
Der Maikäfer
Der Maikäfer

Der Maikäfer

Agroscope ART

Nein, mit Maikäfer sind nicht die kleinen, rot-schwarz-gepunkteten Marienkäfer gemeint. Auch wenn diese süssen Käferchen im Mundart unzählige Übernamen haben und verwirrenderweise zum Teil auch Mai- oder Junikäfer genannt werden.

Einige Leute wissen nicht einmal mehr, dass es dabei einen Unterschied gibt. Denn für viele ist der Maikäfer seit einiger Zeit nur noch ein Mythos, der in Geschichten wie einem der Streiche von den berühmten Strolchen „Max und Moritz“ vorkam.

Störer: Unterscheidung Juni- und Maikäfer

Junikäfer sind den Maikäfern sehr ähnlich. Unterscheiden kann man sie am einfachsten durch die Körpergrösse. Während Junikäfer ca. 1,5 – 1,8cm gross sind, werden Maikäfer bis zu 3 cm lang. Allerdings sieht man, wie die Namen vermuten lassen, die Arten ohnehin selten gleichzeitig. Während sich die Maikäfer Ende April, Anfangs Mai aus der Erde graben und hauptsächlich im Mai und im Juni fliegen, bekommt man die Junikäfer erst an den wärmsten Sommerabenden ab Ende Juni zu sehen. Auch Junikäfer sind Schädlinge. Da ihre Engerlinge aber um einiges kleiner sind, braucht es sie in viel grösseren Mengen, bis sie erheblichen Schaden anrichten können.

Baslerflug, Bernerflug oder Urnerflug

Da der Maikäfer so gross ist, verbringt dieser ganze drei Jahre unter der Erde bis er ausgewachsen ist und sich dann ausgräbt. Deshalb gibt es im 3-Jahres-Zyklus immer wieder ein so genanntes Flugjahr, welche im selben Rhythmus Baslerflug, Bernerflug oder Urnerflug genannt werden. Diese Bezeichnungen sagen heute allerdings nichts mehr über die von der Maikäferplage betroffenen Orte aus, sondern stammen noch aus dem letzten Jahrhundert.

„Dieses Jahr gibt es einen mittleren Urnerflug“, sagt Christian Schweizer von der biologischen Schädlingsbekämpfung (Agroscope ART). „Bei einem solchen Flug sind die Käfer zu tausenden und abertausenden vorhanden und richten in der Landwirtschaft verheerenden Schaden an“, so Schweizer weiter. Die schlimmsten Schädlinge sind allerdings die Engerlinge der Maikäfer, die sich in den Jahren ihrer Entwicklung durch die Wurzeln von Gräsern und Bäumen fressen und ganze Heuwiesen zerstören können.

„Wir setzten heute zur biologischen Bekämpfung den natürlichen Feind des Maikäfers, den so genannten Beauveriapilz, ein - mit Erfolg“, erklärt Schweizer. Von Ende der 40er Jahren an wurde der Maikäfer stark mit den Insektiziden DDT und Lindan bekämpft, bis dieses in den 70er verboten wurde. Man vermutet allerdings, dass auf diese Art nicht nur die Käfer bekämpft, sondern auch eben der Beauveriapilz weitflächig ausgerottet wurde, was eine ungehinderte Ausbreitung der Maikäfer zur Folge hatte. Heute hat man die Population im Griff und kann Landwirtschaft und Natur auf natürliche Art schützen.