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WÜSTENPRACHT: Gut aufgehoben bei ehemaligen Piraten

An der einstigen Piratenküste des Persischen Golfes sollen Feriengäste frische Devisen bringen. Das Emirat Ras al-Khaimah rüstet touristisch auf und bietet orientalisches Flair in exklusiven Hotels am Strand, in der Wüste oder in den Bergen. Hier erholen sich am Wochenende auch arabische Familien vom Stress in Abu Dhabi und Dubai.
Artur K. Vogel
Abends wird die blendend weisse Scheich-Zayed-Moschee, Wahrzeichen von Ras al-Khaimah-City, beleuchtet. (Bild: fotolia)

Abends wird die blendend weisse Scheich-Zayed-Moschee, Wahrzeichen von Ras al-Khaimah-City, beleuchtet. (Bild: fotolia)

Artur K. Vogel

Manchmal kann sich eine Fehlinvestition zum Guten wenden: Die Herrscherfamilie von Ras al-Khaimah (RAK), dem viertgrössten der sieben Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), liess ein Appartementhaus im Stil des arabischen Spätbarocks erbauen, das 2010 Teilnehmer und Entourage des 33. America's Cup beherbergen sollte. Der Schweizer Ernesto Bertarelli als Sieger der 32. Austragung hatte Ras al-Khaimah gewählt.

Doch ein New Yorker Gericht verbot, nach Klage der Konkurrenz BMW Oracle Racing, die Veranstaltung am Persischen Golf; Valencia in Spanien kam zum Zug; das Emirat ging leer aus (und Bertarellis «Alinghi» verlor).

Heute könnte das imposante Gebäude eine Bauruine sein. Stattdessen ist es zum prunkvollen Hotelpalast mutiert, dem Waldorf Astoria mit Privatstrand, flächendeckenden Pools, ausgedehnten Gartenanlagen und 18-Loch-Golfplatz.

Die Innenarchitektur lässt den ursprünglichen Zweck erahnen: Die kleinsten Gästezimmer, die uns die englische PR-Managerin Katie Hollamby zeigt, sind 56 Quadratmeter gross. Die grösste Suite misst 422 Quadratmeter und kostet gut 7000 Franken pro Nacht.

Das «Waldorf Astoria» ist ein Sinnbild dafür, wie das Emirat die touristische Entwicklung angeht.

Ras al-Khaimah fördert zwar Erdgas, verfügt jedoch nicht über die gewaltigen Ölvorkommen Abu Dhabis, des grössten und reichsten Emirats der Vereinigten Arabischen Emirate und ist auch nicht zum Shopping-Disneyland für Millionen aufgebläht worden wie Dubai. Bis vor kurzem setzte man auf Handel sowie auf die Zement-, Keramik- und Aluminiumindustrie.

Erst Scheich Saud Bin Saqr al-Qasimi (60), der seit 2010 regiert, begann, das touristische Potenzial in grossem Stil auszuloten. Statt einst 2000 Hotelzimmer, sollen es demnächst 15 000 sein; gross im Geschäft mit sechs Häusern, unter ihnen das «Waldorf», ist die Hilton-Gruppe.

Ungeniert schäkern am Jebel Jais auf fast 2000 Metern

Im Emirat – mit 1600 Quadratkilometern unwesentlich grösser als der Kanton Luzern, mit 250 000 Einwohnern, davon 200 000

Ausländer – schiessen Projekte aus dem Boden wie zum Beispiel die neue Strasse im Hajar-Gebirge. In breiten Kehren windet sie sich den Berg hoch. Ausser zwei Motorradfahrern auf mächtigen Harley Davidsons überholt uns niemand; eine solche Kurvenfahrt dürfte den meisten Emirati, an breite, nachts beleuchtete Highways gewohnt, Ehrfurcht einjagen.

Endlich sind wir auf einer Plattform unterhalb des 1930 Meter hohen Jebel Jais angelangt, der höchsten Erhebung der Emirate. Die Strasse ist blockiert; auf einem Parkplatz sammeln sich die Harley-Fahrer, dazu fröhliche Familien sowie Pärchen, die hier ungeniert schäkern können, was unten, in der moslemischen Tiefebene, verpönt ist. Man geniesst die Aussicht in die zerklüftete, goldgelbe Bergwüste. Weit oberhalb gewahren wir gewaltige Baumaschinen: Die Strasse wird weiter hochgetrieben.

Auf dem Gipfel soll eine Lodge entstehen für Gäste, welche die absolute Stille des Gebirges suchen, erzählt Reiseführer Mehul, ein Inder, wie die Mehrzahl der Fremdarbeiter in den Emiraten.

«Ras al-Khaimah hat 65 Kilometer der weissesten Strände der Vereinigten Arabischen Emirate, die höchsten Berge, die schönste Wüste, und man kommt hierher, um sich vom Stress in Abu Dhabi oder Dubai zu erholen», sagt Shiju Thomas, ein Manager von Orient Tours im benachbarten Emirat Schardscha (auch er ein Inder).

Und tatsächlich sind «Locals» die wichtigste Gästegruppe sowohl im «Waldorf Astoria» als auch im «Hilton Resort and Spa» oder im «Banyan Tree», einem grosszügig angelegten Resort in der Wüste, wo man Oryx-Antilopen beobachten, mit Pferden oder Kamelen ausreiten und nachts in der Moon Bar unter dem Sternenhimmel Getränke zu sich nehmen kann, die der Prophet Mohammed verboten hat.

«Vor allem an Wochenenden haben wir hier viele Familien aus Dubai und Abu Dhabi», bestätigt Verkaufskoordinatorin Alyssia Figaro (die aus Mauritius stammt), während sie uns die Bungalows und Zeltvillen mit eigenen Pools zeigt.

Man gelangt einfach und ohne Visum nach Ras al-Khaimah: ab Zürich mit Swiss oder Emirates nach Dubai oder mit Qatar Airways via Doha in das noch näher gelegene Schardscha. Billig sind Ferien hier nicht (siehe Box rechts).

Essen und alkoholische Getränke sind in den Fünfsternhäusern sehr teuer. Entschädigt wird man mit Exklusivität und orientalischem Flair. Zudem «gibt es für Touristen wahrscheinlich keine sicherere Gegend als diese», meint Thomas.

Fast alles ist neu hier, aber nicht ganz alles. Es lassen sich Spuren der Geschichte erkunden, diverse Forts zum Beispiel, welche portugiesische Eroberer im 17. Jahrhundert anlegten und Briten zu Beginn des 19. Jahrhunderts zusammenschossen, als sich Ras al-Khaimah nicht ergab wie die anderen Emirate.

Zu Fuss muss man das Fort Al-Dhaya erklimmen, das auf einem Felsen thront und eine Fernsicht über Wüsten, Oasen, Berge, Strände und das Meer bietet, über das halbe Emirat bis hinein ins benachbarte Sultanat Oman. Ein anderes restauriertes Fort, das eine Zeit lang der Herrscherfamilie als Residenz diente und jetzt als Nationalmuseum, liegt hingegen mitten in Ras al-Khaimah Stadt. Ausgestellt sind archäologische Funde, teils 4000 Jahre alt.

Mesopotamier waren hier, Perser, Christen, Araber, Osmanen, Portugiesen, Briten: Der Persisch-Arabische Golf spielt seit Jahrtausenden eine strategische Rolle.

Al Nahyan, Al Maktum, Qasimi heissen die reichsten Familien

Einst lebten Anrainer von Überfällen auf Schiffe, was der Gegend den Namen «Piratenküste» eintrug, bis die Briten Anfang des 19. Jahrhunderts intervenierten. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Emirate zu britischen Protektoraten.

Ab den 1930er-Jahren wurde vor allem in Abu Dhabi Erdöl gefunden; seit den 1960er-Jahren wird es exportiert. Einige herrschende Familien, vor allem die Al Nahyan in Abu Dhabi und die Al Maktum in Dubai, aber auch die Qasimi, denen Schardscha und Ras al-Khaimah gehören, wurden unermesslich reich. Anfang der 1970er-Jahre schlossen sich die sieben Emirate zu den Vereinigten Arabischen Emiraten zusammen und wurden unabhängig.

Tausende Jahre lang wurde hier auch die Perlenfischerei betrieben, eine mühselige und gefährliche Arbeit, bei der Männer mehrere Dutzend Mal am Tag bis hinab in 30 Meter Tiefe tauchten, um dort Austern zu sammeln. In den 1930er-Jahren war der Boom zu Ende, weil die Japaner billige Zuchtperlen auf den Markt warfen. Das ehemalige Fischerdorf Jazirat al-Hamra («Rote Insel») samt Moschee und altem Wehrturm wurde von den Bewohnern um 1960 verlassen. Es soll jetzt restauriert und zur neuen Touristenattraktion werden.

Ras al-Khaimah, das viertgrösste der sieben Emirate

Bild: Karte: jbr

Bild: Karte: jbr

Flüge: Täglich mit Qatar Airways von Zürich über Doha nach Ras al-Khaimah, www.qatarairways.com. Oder täglich mit Swiss oder Emirates direkt nach Dubai. www.emirates.com; www.swiss.com

Reiseveranstalter: Let's go Tours mit grossem Arabien-Programm, Hotels jeder Kategorie und mit zahlreichen Ausflügen. Tel. 052 624 10 77, www.letsgo.ch

Hotels:Beispielsweise das Waldorf Astoria: 3 Nächte im DZ bei Let's go Tours ab Fr. 387.– p. P., inkl. Frühstück. www.waldorfastoria.hilton.com
Banyan Tree: 3 Nächte im DZ bei Let's go Tours Fr. 1038.– p. P., inkl. Frühstück. www.banyantree.com. Hilton Resort: 3 Nächte im DZ bei Let's go Tours ab Fr. 297.– p. P. inkl. Frühstück. www.hilton.com

Allgemeine Informationen:www.ras-al-khaimah.eu/

HINWEIS
Diese Reportage wurde von Let's go Tours und Qatar Airways unterstützt.
www.letsgo.ch
www.qatarairways.com

Das Fort al-Dhaya ist nur zu Fuss erreichbar. Die Sicht von hier oben reicht bis Oman. (Bild: fotolia)

Das Fort al-Dhaya ist nur zu Fuss erreichbar. Die Sicht von hier oben reicht bis Oman. (Bild: fotolia)

Das Emirat Ras al-Khaimah verfügt über insgesamt 65 Kilometer Sandstrand. (Bild: Khmelnytskyi Viacheslav)

Das Emirat Ras al-Khaimah verfügt über insgesamt 65 Kilometer Sandstrand. (Bild: Khmelnytskyi Viacheslav)

Mangroven neben der Küstenstrasse und vor der Skyline. Im Emirat wohnen eine Viertelmillion Menschen, davon 80 Prozent Ausländer. (Bild: Andrey Gorgots)

Mangroven neben der Küstenstrasse und vor der Skyline. Im Emirat wohnen eine Viertelmillion Menschen, davon 80 Prozent Ausländer. (Bild: Andrey Gorgots)

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