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ZU FUSS: Begegnungen im Walserland

Unterwegs von Vals nach Hinterrhein kommt unser Autor an vier Seen vorbei und trifft auf interessante Gesprächspartner.
Dem Hund gefällts im Selvasee. Den Wanderern war das Wasser zu kalt für ein Bad. (Bild Melchior Rudenz)

Dem Hund gefällts im Selvasee. Den Wanderern war das Wasser zu kalt für ein Bad. (Bild Melchior Rudenz)

Wir wollen auf dem Walserweg von Vals nach Hinterrhein marschieren. Frühmorgens machen wir uns auf den Weg nach Peil, zwar auf einer Fahrstrasse, aber dafür meist durch angenehm schattenspendenden Wald. Die rund 400 Höhenmeter über Vals gelegene Alp Peil peilen wir an, weil es dort, scheints, so etwas hat wie eine Besenbeiz. Und das ist auch so, doch leider ist sie noch geschlossen. Auf der Suche nach dem nicht wahnsinnig gut markierten Pfad nach Wallatsch begegnen wir einem Herrn, der, bewaffnet mit einer gewaltigen Kamera, vor einem Busch auf der Lauer liegt.

Er ist Ornithologe und sucht den Sumpfrohrsänger, der sich hier gelegentlich aufhalten soll. Wir erfahren, dass der seltene Vogel gegen 200 Töne imitieren kann, von der Handyklingel bis zur Nachtigall, sowie dass unser Wanderweg gleich hinter der nächsten Alphütte steil nach oben führt. Aus dieser tritt gerade ein junger Mann, bekleidet mit einer weissen Schürze. Nächstes Gespräch. Er erzählt uns, er sei Spanier, habe studiert, in seiner Heimat keinen Job gefunden und verarbeite nun halt Ziegenmilch zu Käse. In diesem Augenblick sehen wir, dass das Beizlein geöffnet wird. Wir gehen hin, setzen uns und bestellen bei der freundlichen Wirtin einen Kaffee. Drittes, entscheidendes Gespräch. Denn die Wirtin sowie die beiden Herren, die sich, von irgendwoher auftauchend, zu uns gesellen und ortskundig sind, empfehlen uns zur Route nach Hinterrhein eine Alternative: den Drei-Seen-Pfad.

In alle Himmelsrichtungen

Drei Seen und erst noch einige Höhenmeter weniger das tönt bei diesem heissen Wetter verlockend. Wir folgen dem Rat und marschieren jetzt anstatt gen Süden in westlicher Richtung hoch, über frischgemähte, wunderbar nach Heu riechende Wiesen, dabei eine gepflegte Alphütte mit Kapelle passierend. Beim Bodahus biegen wir links weg, bei Heinisch Stafel nochmals und gelangen auf stetig ansteigendem Pfad zu See Nummer eins, Selva. Er lädt nur von weitem zum Bade – zu kalt, wie ein Fusseintauchtest ergibt. Den Hund kümmert das nicht, er findet es hier grandios. Wir ja auch, denn hinter dem romantisch daliegenden Seelein türmt sich am westlichen Horizont sehr fotogen der Piz Aul hoch. Im Osten wiederum sehen wir einen Berg, bei dem es sich wahrscheinlich um das Valserhorn handelt.

Vals, Walserweg, Valserhorn Walserland somit. Und jetzt folgt ein kurzer Exkurs über dieses ebenfalls wanderlustige Volk. Vor etwa 1000 Jahren zogen die Alemannen vom Berner Oberland her ins Goms und besiedelten nach und nach das obere Rhonetal. Wegen der wachsenden Bevölkerung und auf der Suche nach landwirtschaftlichen Anbauflächen begannen einzelne Gruppen dieser Walser, in alle Himmelsrichtungen loszuziehen. Nach Oberitalien, ins Tessin, nach Graubünden, Vorarlberg, ja bis nach Bayern und Tirol. Die Herrscher der betreffenden Gebiete förderten diese Besiedlung durch Steuerbefreiung und die Vergabe von Kolonistenrechten. Somit bot die Neuerschliessung von Land den fleissigen Walsern die Möglichkeit zur Befreiung aus der feudalen Leibeigenschaft. Alle drei Jahre gibt es irgendwo im Alpenraum ein Walsertreffen. Ende des Exkurses.

Bergab zum Stausee

Next Stop Amperfreilasee, am Fusse des gleichnamigen Horns gelegen, das von hier aus einer Mischung aus Niesen und Matterhorn ähnelt. Seit dem Selvasee (2335 Meter) ist der Weg fast eben, wobei wir einige abschüssige, etwas Trittsicherheit verlangende Stellen passieren müssen. Uns gefällts hier oben, wir rasten, machen ein Nickerchen, und weil wir bereits auf Peil viel Zeit verloren haben, müssen wir nun etwas Gas geben, sodass es zu einer eingehenden Besichtigung von See Nummer drei, dem Guraletschsee, mit 2409 Metern höchster Punkt der Wanderung, leider nicht mehr reicht. Denn exakt um 17.05 Uhr fährt der letzte Bus zurück nach Vals. Ab Zerfreila, unterhalb einer Mauer gelegen, die den fünftgrössten Kunstsee der Schweiz staut. Weil es bis dorthin fünfhundert Meter bergab geht und der Pfad bekömmlich ist, schaffen wir die letzte Etappe im Schuss und denken während der erholsamen Postautofahrt dem Valser Rhein entlang, dass uns die netten Leute von Peil einen sehr guten Rat gegeben haben.

Auf dem Dorfplatz von Vals, im Restaurant des geschmackvoll renovierten Hotels Alpina, genehmigen wir uns ein einschläferndes Bier. Das und die bereits vorgerückte Zeit bestärken uns im Vorhaben, die Nacht hier zu verbringen. Wir machen noch einen Abendspaziergang zum Thermalbad, bestaunen dessen Architektur und hoffen, dass die Dorfleute das gigantische Projekt eines 380 Meter hohen Hotels des neuen Badbesitzers Stoffel rheinabwärts schicken.

Melchior Rudenz

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