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Zu Hause bleiben oder in die Ferne schweifen? Ein Pro und Contra zum Ferienstart

Während sich bei den einen das Feriengefühl erst am Meer einstellt, sind andere froh können sie die freien Tage ohne Störung im Garten verbringen. Die «Kunst des ausgebildeten Trägseins» beherrschen aber beide Ferientypen.
Urs Bader/Katja Fischer de Santi

Am liebsten weg

Die Nachtfähre nach Korsika ist ein schrecklicher Ort. Die Motoren dröhnen, es stinkt nach Diesel, überall liegen schlafende Menschen. Doch wenn ich an der Reling stehe, den feucht-heissen Wind auf der Haut spüre, bin ich glücklich. Endlich Ferien. Endlich weg von zu Hause. Mit jedem Kilometer steigt die Temperatur und die Vorfreude. Klar, es wird wieder unerträglich heiss werden. Wir werden in unbequemen Betten schlafen und doch macht mich im Sommer nichts zufriedener, als mit meiner Familie ans Meer zu fahren. Den Komfort meines Daheims tausche ich gern gegen die Leichtigkeit des Seins im Süden.

Katja Fischer de SantiRedakorin St. Galler Tablatt

Katja Fischer de Santi
Redakorin St. Galler Tablatt

Der erste Gang nach der Ankunft: sofort runter ans Meer. Einfach hinsehen, stundenlang, nie werd ich davon satt. Der Kopf wird leergespült, die Sorgen davongetragen. Unter der Hitze verdampft jede Motivation für übermotivierte Erkundungstouren. Die anderen Touristen sind mir kein Ärgernis, sondern Komplizen im Müssiggang. Uhrlose Stunden mit Kinder- und Möwengeschrei. Als Taktgeber dienen Durst- und Hungergefühle. Wie viele Glaces pro Tag kann ein Kind schlecken? Kann man sich eine Woche von Tomatensalat, Oliven, Parmaschinken und Rosé ernähren? Zu Hause wohl kaum, in den Ferien gibt es nichts Besseres.

Umgeben von fremden Düften, einer anderen Sprache wird das Alltägliche besonders. Wenn hinter jeder Wegbiegung Ungesehenes wartet, bleibt der Geist wach, wird die Seele genährt. Zu Hause ist Alltag, ist Arbeit, Dreck, Unkraut, Wäsche, Zeitungen, Rechnungen, WLAN. Familienferien zu Hause müssen geplant werden. Velotour da, Wanderung hier, Schlecht-Wetter-Option sowieso. In den Ferien am Strand gibt es viele Gespräche darüber, was man machen könnte – aber erst nach der Siesta, was dann schon kurz vor dem Abendessen ist.

Zu Hause ist es am schönsten

Was für ein Glück – Ferien zu Hause! Allein schon die Vorfreude darauf durchströmt mich mit einem tiefen, entspannenden Wohlgefühl. Auch wenn man in den Ruch gerät, ein Kleingeist zu sein. Die Weitgereisten und angeblich Weltgewandten schauen einen gerne scheel an. Egal. Sie wissen nichts von den Vorzügen von Ferien im Vertrauten und mit Vertrauten! Es gibt dafür einfach zu viele zu gute Gründe.

Urs Bader, Redaktor St.Galler Tagblatt

Urs Bader, Redaktor St.Galler Tagblatt

Man muss nicht einmal den gigantischen ökologischen Fussabdruck erwähnen, den auf dem Planeten hinterlässt, wer reist. Der «Sanfte Tourismus» ist längst von Millionen Reisenden überrollt und überrannt worden. Der touristische Geheimtipp vernichtet sich stets selbst.
Der einzige Ferien-Slogan auf der Höhe unserer Zeit lautet: Müssiggang! Das «zur Kunst ausgebildete Trägsein», wie der Dichter Hermann Hesse einmal geschrieben hat, das uns vom «atemlosen Angestrengtsein» befreit. Müssiggang pflegt man am besten zu Hause, im Vertrauten – nur ja keinen Reisestress auf Autobahnen oder Flughäfen und in überfüllten Hotels.

Am Morgen aufstehen – irgendwann – und den Tag auf sich zukommen lassen. Alles tun können, nichts tun müssen. Wonach steht mir denn der Sinn? Nach ausgiebiger Zeitungslektüre? Nach einem Spaziergang? Einem Bad im See? Oder man könnte ein Buch lesen und am Abend Freunde treffen und bis in alle Nacht diskutieren, so wie einst. Oder der Sinn steht einem nach gar nichts. Auch gut. Dann halt im Liegestuhl dösen und sich vielleicht wegträumen. Das Fernweh, das Reisende lockt, ist ohnehin nichts anderes als immerwährendes Heimweh – nach einem Ort des ungetrübten Glücks, der restlosen Zufriedenheit, der Geborgenheit. Doch dieser Ort ist zu Hause nicht und nicht in der Ferne. Er ist nirgends, ist eine Utopie. Das kann gelassen nur sehen, wer die Ferien zu Hause verbringt.

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