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Zu viel Licht an dunklen Tagen

Morgens auf dem Schulweg blenden Autoscheinwerfer, Wörtli lernen geht nur mit der Schreibtischlampe: Licht gibt Sicherheit, hält wach und in Stimmung. Trotzdem sollten wir öfter abschalten.
Bettina Kugler
Weil es spät hell und früh dunkel wird, brauchen wir im Winter draussen künstliche Beleuchtung. Die Milchstrasse ist dann nicht mehr sichtbar. (Bild: Felix Kästler/DPA/Keystone)

Weil es spät hell und früh dunkel wird, brauchen wir im Winter draussen künstliche Beleuchtung. Die Milchstrasse ist dann nicht mehr sichtbar. (Bild: Felix Kästler/DPA/Keystone)

Im Advent haben wir gerne Kerzen angezündet, jeden Sonntag eine mehr, vielleicht auch morgens Teelichter auf den Tisch gestellt oder am Abend ein Windlicht vor die Haustür. Gerade wenn die Tage immer kürzer werden, wenn die Dunkelheit schon am Nachmittag hereinbricht, mögen es die Menschen hell: Dann freuen sie sich auf die Weihnachtsbeleuchtung im Vorgarten, Lichterketten und Sterne an Strassenlaternen, und jede Leuchtreklame ist ein Trost. Ausserdem geben Lampen, Strahler und Laternen Sicherheit unterwegs – je heller Strassen und Wege beleuchtet werden, desto weniger Unfälle passieren.

Deshalb ist klar: Im Winter, in den Monaten zwischen Oktober und März brauchen wir dringend künstliches Licht, draussen wie drinnen. Zum Beispiel auch zum Lesen und zum Lernen. Sind Schulzimmer zu dunkel, dann ist es kein Wunder, wenn Kinder wie Lehrer müde und lustlos werden. Der Körper stellt sich dann auf Schlafen ein, und wenn Du auch noch weniger draussen bei Tageslicht spielst, fehlt Dir Vitamin D. Das kann mit dran schuld sein, dass Du Dir die Englischwörtli nicht merken oder Dich nicht auf Dezimalzahlen konzentrieren kannst. Zu wenig Licht drückt ausserdem auf die Stimmung: Für gute Laune ist der Botenstoff Serotonin zuständig, und den stellt der Körper bei Lichtmangel nicht mehr her. Verflixt!

Deshalb drehen wir alle Lampen an und brauchen auch draussen viel Beleuchtung. Die Sonne zeigt sich ja seltener, und wenn, dann nur ein paar Stunden lang. So schalten Autofahrer auch tagsüber die Scheinwerfer an, Sportstadien schon nachmittags das Flutlicht. Viele Gebäude werden bei Einbruch der Dämmerung angestrahlt: Kirchen und Schlösser, Brücken, Rathäuser. Aber auch immer mehr Verbindungsstrassen zwischen Dörfern werden beleuchtet, hinzu kommen Lichtreklamen, Videowände, Leuchtdekoration – schön, aber nicht unbedingt nötig. Alles zusammen verursacht Lichtverschmutzung. Das heisst, dass es immer weniger Orte und Gebiete auf der Erde gibt, in denen es völlig dunkel wird: so dunkel, dass man die Sterne und die Milchstrasse sehen kann.

Bäume verlieren später ihr Laub, Vögel verfliegen sich

Vor etwas mehr als zwei Jahren hat eine Gruppe von Forschern den «Weltatlas für Lichtverschmutzung» veröffentlicht, mit Landkarten, die zeigen, in welchen Ländern am meisten Licht in Richtung Himmel strahlt, und wo es noch völlige Dunkelheit gibt. In Europa leben demzufolge 99 Prozent der Menschen unter einem lichtverschmutzten Himmel. Natürlich kann keiner wollen, dass sich die Menschen draussen nicht sicher fühlen oder Fussgänger auf schlecht beleuchteten Wegen übersehen werden. Ausserdem möchten wir die kalte Jahreszeit ohne Trübsinn und ständige schlechte Laune überstehen. Die Noten sollen nicht leiden, und immer Schoggi als Aufsteller geht auch nicht.

Trotzdem warnen Wissenschafter vor einer weiter zunehmenden Lichtverschmutzung. Manche Städte versuchen sie einzudämmen, denn sie bringt Pflanzen und Tiere in ihrem Lebensrhythmus durcheinander. Bäume verlieren bei zu viel künstlicher Aussenbeleuchtung später ihre Blätter: schlecht, wenn es dann nachts Frost gibt. Zugvögel und Insekten, die nachts aktiv sind, können sich schlechter orientieren, und wir verbrauchen viel Energie, das ist schlecht fürs Klima weltweit. So hat es also auch sein Gutes, wenn demnächst die leuchtenden Weihnachtssterne an den Strassenlaternen und die Lichterketten im Garten wieder in den Keller müssen. Bis zur nächsten dunklen, lichthungrigen Jahreszeit.

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