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Interview

Züri-Zoo-Direktor Alex Rübel im Abschiedsinterview: «In 30 Jahren haben wir geklonte Mammuts»

Nach 28 Jahren wird Alex Rübel im nächsten Jahr als Direktor des Zürcher Zoos zurücktreten. Ein Gespräch über Orang-Utans als Haustiere, die besten Zoos der Welt und den Weg des Zoos zum Naturschutzzentrum.
Samuel Schumacher
Zoodirektor Alex Rübel mitten in seinem grossen Zoo in Zürich. (Bild: Severin Bigler (Zürich, 26. Februar 2019))

Zoodirektor Alex Rübel mitten in seinem grossen Zoo in Zürich. (Bild: Severin Bigler (Zürich, 26. Februar 2019))

Vögel hatten es ihm immer schon angetan. Als Schulbub baute Alex Rübel im Keller seiner Eltern eine Voliere und fütterte dort eine junge Waldohreule mit toten Mäusen. Später schrieb er seine Doktorarbeit über Röntgenuntersuchungen von Papageien. Heute ist er als Direktor stolz darauf, «dass ich den Zoo in die moderne Zeit bringen konnte. Weg von den engen Käfigen hin zu einem Naturschutzzentrum».

Heute heisst die Losung: weg von der Käfighaltung, hin zu riesigen Naturgehegen. Eine gute Entwicklung?

Alex Rübel: Natürlich. Als Zoo möchten wir die Leute dazu motivieren, sich für den Natur- und Artenschutz einzusetzen. Das schaffen wir nur, wenn die Besucher im Zoo Freude empfinden und sehen, dass es den Tieren gut geht. Wenn sie aber den Eindruck erhalten, dass sich hier arme Panther in viel zu engen Käfigen ewig im Kreis drehen, dann verfehlen wir dieses Ziel.

Dafür sieht man vor dem Bärengehege traurige Kindergesichter, weil sie keine Bären sehen.

Wenn man genau hinschaut, sieht man die Bären in 95 Prozent der Fälle. Manchmal liegen sie halt aber in der Höhle und schlafen. Im Fernsehen sehen wir heute nur aktive Tiere. Diese Wahrnehmung ist aber falsch. Das natürliche Verhalten ist nicht immer Action, auch Tiere müssen mal ausruhen und sich zurückziehen. Das kann man im Zoo lernen.

Das natürlichste Verhalten zeigen Tiere in freier Wildbahn. Wäre es nicht angebracht, Tiere nur noch in der freien Wildbahn zu beobachten?

Ich sehe Tiere auch am liebsten in der Wildnis. Es kann sich aber nicht jeder eine Safari-Reise in Afrika leisten. Hinsichtlich des Klimawandels muss man sagen: zum Glück nicht. Deshalb sind Zoos nötiger denn je. Wir müssen es den Menschen auch in unseren Breitengraden möglich machen, Tieren zu begegnen. Es gibt diesen Ausspruch: Wir Menschen schützen nur das, was wir gerne haben. Und wir können nur gerne haben, was wir kennen. Und wir kennen nur das, was wir gesehen oder erlebt haben. Darin spiegelt sich die zentrale Rolle der Zoos.

Welche Note geben Sie denn der Schweiz punkto Tierschutz?

Das Tierschutzgesetz ist sehr gut, dessen Umsetzung könnte besser sein. Wichtig ist vor allem eine gute Ausbildung für alle Tierhalter. Die Organisation Kompanima, zum Beispiel, setzt sich stark für mehr Wissen und einen besseren Umgang mit Tieren ein, damit auch Meerschweinchen zu Hause gut gehalten werden.

Der Zirkus Royal will dieses Jahr mit drei Löwinnen auf Tournee gehen. Sollte man das aus Tierschutzgründen nicht verbieten?

Verbote lösen keine Probleme. Entscheidend ist, dass es dem individuellen Tier in seinem Umfeld gut geht. Das zählt aber nicht nur im Zirkus oder im Zoo, sondern auch bei den Haustieren. Der Tierschutz ist in allen Fällen – egal ob bei Raubkatzen, Elefanten oder Hunden – wichtig.

Sie hatten auch mal einen tierischen Freund: ein junger Orang-Utan hat sieben Monate lang bei Ihnen zu Hause gewohnt.

Das stimmt. Der Orang-Utan hatte Salmonellen, wir mussten ihn aufnehmen und gesundpflegen. Ich kann mich an einen Moment erinnern, in dem er plötzlich unsere Kinder imitiert und einen Baby-Wagen vor sich hergeschoben hat. Ich habe ihm den Wagen dann weggenommen, weil ich nicht wollte, dass er diese menschlichen Verhaltensmuster übernimmt. Heute lebt er in Belgien. Ich habe ihn kürzlich besucht. Er hat mich – glaube ich – nicht wirklich wiedererkannt.

Sie sind ein waschechter Zürcher Stadtbub, ein richtiger Grossstadtmensch. Woher kommt Ihre Faszination für Tiere?

Das ist schon etwas atypisch. Aber Tiere waren immer meine Leidenschaft, obwohl wir keine Haustiere hatten. Ich war im Alter von vier Jahren erstmals in den Bauernhofferien, habe mir als Schüler jedes Jahr ein Saison-Abo für den Zoo Zürich gewünscht, in der elterlichen Waschküche eine Voliere gebaut, im Basler Zoo als Tierpfleger Nashörner gefüttert und dann acht Sommer lang Kühe gehütet auf der Alp. Vielleicht brauchte ich diesen tierischen Kontrast zu dem Leben, das ich hier in der Stadt hatte.

Welches ist der beste Zoo der Welt?

Wunderschön ist der Zoo in Singapur oder der «Wild Animal Park» im kalifornischen San Diego. Auch die klassischen Tiergärten in Leipzig oder SaintLouis sind sehr schön. Früher war der Bronx-Zoo in New York mein Vorbild. Der hat sich intensiv dafür eingesetzt, seine Besucher für den Naturschutz zu begeistern und zu motivieren. Das ist immer noch die Hauptaufgabe eines Zoos. Wir arbeiten primär am Menschen, das Tier ist dazu das Mittel.

Und welcher Zoo müsste dringend geschlossen werden?

Da gibt es leider einige. Ich war mal in einem ganz schlimmen Zoo auf Zypern und kürzlich in einem Zoo im obersten Stock eines Einkaufszentrums in Bangkok. Der war grässlich. Wir haben versucht, den Besitzer zu kontaktieren und bei den Behörden Druck zu machen. Bis heute vergeblich.

Der Zoo Zürich belegt hinter Leipzig und Wien den dritten Rang im europäischen Zoo-Ranking. Was muss Zürich tun, um auf Rang 1 zu landen?

Zürich wird nie zur Nummer 1. Wir bemühen uns um eine grosse Vielfalt, aber wir beschränken uns auf die Bereiche, bei denen wir die Tiere wirklich top betreuen können. All die Vorzeige-Arten, die man für den Spitzenplatz braucht, die werden wir nie haben. Ab 2020 kommen dann zwar noch die Giraffen in der neuen Lewa-Savanne hinzu. Aber grosse Pandas wie in Wien, die haben wir halt nicht.

Welches Tier würden Sie gerne nach Zürich holen?

Ein ganz schönes Tier, das aber bei uns momentan nicht reinpasst, wäre das Okapi. Persönlich denke ich auch an den Indri. Lange hiess es, man könne diese madagassischen Lemuren gar nicht in Zoos halten. Heute sehe ich das anders. Und wenn man die Art vor dem Aussterben retten will, dann ist es vielleicht sogar nötig.

Der Zoo Zürich will in naher Zukunft den Umbau des Menschenaffen-Geheges in Angriff nehmen. Stehen weitere Veränderungen an?

Grundsätzlich wollen wir den Fokus stärker auf die Aufklärung und die Wissensvermittlung richten. Und wir werden unser Engagement für Naturschutzprojekte in der Wildnis ausbauen. Heute schon unterstützen die 300 grössten Zoos der Welt solche Projekte jährlich mit rund 350 Millionen Franken. Damit sind die Zoos hinter dem WWF und «Conservation International» die drittgrösste Naturschutz-Organisation der Welt.

Schauen wir noch etwas weiter in die Zukunft: Wann sehen wir die ersten geklonten Mammuts im Zoo?

Primär sollten wir uns Mühe geben, jene Tierarten zu erhalten, die heute auf der Erde leben, statt irgendwelche Urviecher heranzuzüchten. Aber das könnte relativ schnell gehen. Ich sage mal: In 30 Jahren haben wir geklonte Mammuts. Die Entwicklung darf man nicht unterschätzen. Vor ein paar Jahren gabs noch einen Riesen-Hype um das geklonte Schaf Dolly. Heute wird alles Mögliche geklont, das geht rasant.

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