Ein Valentinstag pro Jahr reicht nicht: Die Zweisamkeit muss häufiger in den Terminkalender

Paar-Rituale sind wichtig für eine Beziehung, aber zuweilen anstrengend. Und wenn es Rituale beim Streiten sind, dann manchmal sogar richtig toxisch.

Christoph Weymann
Hören
Drucken
Teilen
Es ist schwierig, jede Woche tanzen zu gehen – aber der fixe Termin lohnt sich für die Beziehung.

Es ist schwierig, jede Woche tanzen zu gehen – aber der fixe Termin lohnt sich für die Beziehung.

(Bild: Urs Hanhart)

Rituale gehören zu jeder Beziehung. Gemeint sind damit nicht nur feierliche Anlässe. Fast alles, was ein Paar gemeinsam unternimmt, kann sich zu einem Ritual entwickeln. «Jeden Sonntag macht mein Mann für uns einen Brunch», erzählt die Steckbornerin Alexandra Schewelies Schmid. «Wenn ich mich dann versuche, mal da reinzumischen, sagt er ‹Ich mach das, ich hab da mein System!›» Wichtig sind dem Paar auch kleine Gesten beim Verabschieden. «Du sollst nicht bösartig auseinandergehen», ist die Thurgauerin überzeugt.

Zu einem Ritual kann auch das Kochen zu zweit werden. Entscheidend ist, dass es sich nicht nur um ein zur Routine gewordenes Verhalten handelt, sondern mehr dahintersteckt. Das regelmässige, gepflegte Nachtessen auswärts, der hinterlegte Zettel mit einer kodierten Botschaft, die sonst niemand versteht und das schräge Date zum Fondue auf dem winterlichen Balkon – Rituale sind kurze Verwöhnpausen. Sie stärken den Zusammenhalt und drücken mehr aus, als Partner sich mit Worten sagen könnten.

Sogar wenn man zu wütend ist, dem anderen zuzuhören, helfe ein humorvoller Code, sagt die Hamburger Paarberaterin Anke Birnbaum. Eines ihrer Paare sagte in solchen Situationen «Tante Gerda!», warum auch immer. Dann mussten beide lachen und konnten sagen: Okay, «wir lassen das jetzt.»

Bei Stress wirft man das Ritual als erstes über Bord

Verbreiteter dürften allerdings Versöhnungsrituale sein, bei denen der Streit mitunter mehr verdrängt als gelöst wird. So könne es auch ritualisiert sein, «dass immer nur der eine Partner sich entschuldigt und eine Wiederannäherung versucht, der andere nicht», sagt Birnbaum. «Rituale sind ein zweischneidiges Schwert.»

Und in Krisenzeiten würden die guten Rituale leider als Erstes über Bord geworfen. Die Deutsche Psychologin Margarethe Schindler ist überzeugt, dass es vor allem die Frauen sind, die sich um die Weiterführung der Rituale bemühen. Auch Anke Birnbaum unterstreicht, dass deren Pflege immer eine Anstrengung voraussetze – wie bei jenem Hamburger Ehepaar, das über fünfzig Jahre lang jeden Mittwoch tanzen ging – allen Hindernissen und Vereitelungsversuchen der Kinder zum Trotz.

Birnbaum überzeugt die Paare immer wieder, dass man in Beziehungen investieren muss und nicht warten kann, bis beide ein Zeitfenster und gleichzeitig spontan romantische Gefühle füreinander haben.

Rituale sollten aber nicht zu hohlen Pflichtveranstaltungen werden. Sie sollen «mitwachsen». Um zu verhindern, dass sie zu «leeren Gewohnheiten» werden, sollten die Partner ab und zu «darüber reden, was ihnen wichtig ist daran», sagt Margarethe Schindler.