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ZWISCHEN ÖL, POMP UND RÜCKSTAND: Aserbaidschan – ein Land voller Charme und Gegensätze

Aserbaidschan, gelegen zwischen dem Iran und Russland, bietet Individualreisenden viel Abwechslung. Das Land am Kaukasus kennt noch keinen Massentourismus.
Text und Bilder: Brigitte Schmid-Gugler
Atemberaubende Steppenlandschaft auf dem Weg von Baku Richtung Westen an die Grenze von Armenien. (Bild: Brigitte Schmid-Gugler)

Atemberaubende Steppenlandschaft auf dem Weg von Baku Richtung Westen an die Grenze von Armenien. (Bild: Brigitte Schmid-Gugler)

Text und Bilder: Brigitte Schmid-Gugler

Baku, die Stadt am Kaspischen Meer, machte gerade in den letzten Wochen viel von sich reden. Die Formel-1-Cracks Sebastian Vettel und Lewis Hamilton waren sich dort in die Haare oder besser an die Reifen geraten. Das Land hat allerdings sehr viel mehr zu bieten als die Rennstrecke in der Hauptstadt mit zwei Millionen Einwohnern. Warum nach ­Paris, München, Berlin oder Mailand? Wenn man doch in vier Stunden (von Mailand) auch in Baku sein kann und eintaucht in eine Welt wie aus Tausendundeiner Nacht und doch den Luxus einer mondänen westlichen Grossstadt geniessen kann.

Richtig angekommen ist man in dem Land erst nach einem Besuch im antiken Hamam in Baku. Zweimal pro Woche ist er ausschliesslich für Frauen reserviert, die restlichen Tage gehören den Männern. Unter der achteckigen hohen Kuppel wird man so herzlich in Empfang genommen, als besuchte man diesen Ort seit Jahren. Eine füllige Dame reicht Badetücher (Sauna, Ganzkörpermassage und Peeling kosten umgerechnet knapp 15 Franken). Im wohlig warmen Dampf des Hauptraumes mit Rundbrunnen wird man auf eine vorsintflutliche Pritsche gebeten, und starke Frauenhände beginnen, den Körper von der kleinen Zehe bis zum Haaransatz zu schrubben, zu kneten, zu tätscheln und zu kneifen. Wie ein Kleinkind – oder der Teig für eines der Fladenbrote, die in Aserbaidschan an den heissen Innenwänden von Lehmöfen gebacken werden – wird man sanft angehoben und umgedreht. Zuletzt folgen die Haarwäsche und das Abspülen mit kübelweise warmem Wasser. Man japst und blubbert und lacht. Danach wird Tee gereicht. Einige Frauen haben ein Picknick dabei.

Sowohl für Low-Budget-Reisende als auch für gehobenere Ansprüche

Mit weichen Knien und in einer Art Trancezustand schlendert man hinunter an den Bulvar, von wo man eine gute Sicht hat zu den nun bereits beleuchteten gigantischen Flame Towers, dem Wahrzeichen der Stadt. Um die zahlreichen Strassenschachs auf dem belebten Quai am Kaspischen Meer scharen sich Menschentrauben, die konzentriert das Spielfeld betrachten. Die Azeri sind passionierte und ambitionierte Schachspieler – nicht erst seit dem dort aufgewachsenen Garri Kasparow. Schachschulen gibt es überall im Land. Im Sommer 2016 fand in Baku die Schacholympiade statt mit 181 Mannschaften aus 176 Ländern.

Einen kleinen Grenzabschnitt teilt Aserbaidschan mit der Türkei, deren Tourismusbranche momentan schwer leidet. Anders als in Istanbul hört man in Baku keine Muezzins, und die wenigen verschleierten Frauen sind – wenn man nachfragt – Touristinnen aus dem Irak oder aus Saudi-Arabien. Und nochmals anders als die sunnitisch geprägte Türkei sind die Aserbaidschaner Schiiten. Viele ältere Menschen, die man nach ihrer Religion befragt, bekennen sich aufgrund ihrer Geschichte zum Atheismus. Jüngere Generationen sind von ihrem Lebensstil und ihren Träumen und Wünschen her sehr prowestlich eingestellt. In einschlägigen Kleiderläden in der weitläufigen Fussgängerzone Bakus sind gerade zerrissene Jeans en vogue; in hochpolierten Shoppingmalls – gebaut für eine kleine, aber sehr wohlhabende Elite – sind alle bekannteren westlichen Modelabels vertreten – allerdings zu unvergleichlich günstigeren Preisen. Auch Hotels – teilweise in alten Karawansereien – findet man in jeder Preiskategorie.

Die historische Altstadt wie auch die zahlreichen hervorragenden zeitgenössischen Bauten beschränken sich geografisch auf einen eher kleinen Radius und können sehr gut auf ausführlichen Stadtwanderungen erkundet werden. Sie führen einen auf engem Raum durch eine lange und bewegte Zeit-, Kriegs-, Religions-, Kunst- und Kulturgeschichte. Das von der im vergangenen Jahr verstorbenen Stararchitektin Zaha Hadid erbaute Heydar Aliyew Center; die Crys­tal Hall am Kaspischen Meer; das Mugham Center mit einem erstklassigen Konzertsaal und das vor zwei Jahren eröffnete Teppichmuseum mit einer «aufgerollten» Metallfassade gehören zu den architektonischen Highlights.

Das Land mit neun Millionen Einwohnern ist zweimal so gross wie die Schweiz. Mit dem gut ausgebauten Verkehrsnetz können Destinationen in alle Himmelsrichtungen angepeilt werden bis hin an die dagestanische, die russische, iranische und die armenische Grenze. Von Baku in das 400 Kilometer westlich gelegene Ganja nahe der georgischen Grenze bezahlt man für den Fernbus um die acht Franken. Dort, in der zweitgrössten Stadt des Landes, hätte unter der Hauptbeteiligung von Stadler Rail eine Waggonfabrik gebaut werden sollen. Der Deal mit einem lokalen Unternehmen kam dann nicht zu Stande. Dennoch ist es durchaus möglich, dass man auf einer Zugreise durchs Land in einem Schweizer Eisenbahnwaggon sitzt: Peter Spuhlers Firma erhielt nach dem geplatzten Geschäft einen Auftrag zum Bau und der Lieferung von 30 Schlafwagen und fünf Regionalzügen.

Die Bahnstrecke nach Ganja verbindet Baku ausserdem mit Tiflis bis hin nach Poti und Batumi am Schwarzen Meer in Georgien. Sie gehört zu der von den Vereinten Nationen und der EU geförderten transeurasischen Eisenbahnverbindung, die Europa und China verbinden soll. Abseits der grossen Zentren zeigt sich den Reisenden die Kehrseite des pompösen Baubooms, der sich hauptsächlich auf Baku beschränkt, dort aber mit atemberaubendem Gigantismus. Die ländlichen Gegenden sind kaum touristisch entwickelt und gerade deshalb sehr charmant. Auf den Strassen dominiert die Automarke Lada. Handwerksbetriebe, Obst- und Gemüsemärkte säumen die Strassen kleinerer Ortschaften.

Zwischen orientalischer ­Verspieltheit und Sowjetdiktatur

Nordwestlich von Baku, eingebettet in die Berge des Kaukasus, liegt Sheki, die älteste Stadt Aserbaidschans. Einen Höhepunkt der Reise bietet hier der Besuch des Khan-Palastes. Der zweigeschossige Bau im persischen Stil aus ineinandergesteckten Holz- und Glasteilen war ab dem Jahr 1797 im Auftrag von Khan Muhammed Hassan errichtet worden. Er steht gemeinsam mit dem historischen Teil der Stadt auf der Kandidaturenliste des Unesco-Weltkulturerbes. Der Sommerpalast verfügt über zauberhaft ornamentale Wandmalereien und bunte Glasfenster. Im neueren Teil der Stadt prallt diese Traumszene an eine sehr viel nüchternere: Die aus der Sowjetzeit stammende Seidenfabrikation mit unzähligen maroden Gebäudekomplexen ist nach wie vor in Betrieb und kann gegen Voranmeldung ebenfalls besichtigt werden. 7000 Menschen arbeiteten einst dort, heute sind es noch rund 700.

25 Jahre ist es her, seit die Schweiz und Aserbaidschan – kurz nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion – diplomatische Beziehungen aufgenommen haben. Das Land wird von kräftiger Hand im Präsidialsystem regiert. Staatsoberhaupt Ilham Alijew, dessen Familie seit Jahrzehnten an der Macht ist, hat im Februar seine Gattin zur Vizepräsidentin ernannt. Der Zivilgesellschaft tut man dennoch mit einem Besuch des Landes den grössten Gefallen.

Die Azeri sind ein ausgesprochen gastfreundliches und neugieriges Volk mit einer internationalen und einheimischen preisgünstigen Küche und gutem Wein. Baku verfügt über eine Vielzahl an ausgezeichneten Restaurants, Bars und Clubs. Direktflüge ab Zürich soll es, verbunden mit einer Lockerung der bis anhin geltenden Visumspflicht, bald geben. Aserbaidschan will nach dem Zerfall des Ölpreises in den Tourismus investieren.

Kein Korb ist wie der andere: Auf Kunsthandwerksbetriebe wie diesen trifft man ausserhalb der Hauptstadt häufig.

Kein Korb ist wie der andere: Auf Kunsthandwerksbetriebe wie diesen trifft man ausserhalb der Hauptstadt häufig.

Eisenbäume gibt es praktisch nur noch in den Wäldern des Hirkan-Nationalparks. (Bild: Brigitte Schmid-Gugler)

Eisenbäume gibt es praktisch nur noch in den Wäldern des Hirkan-Nationalparks. (Bild: Brigitte Schmid-Gugler)

Gesammelter Reichtum unberührter Natur um Lahic. (Bild: Brigitte Schmid-Gugler)

Gesammelter Reichtum unberührter Natur um Lahic. (Bild: Brigitte Schmid-Gugler)

Ursprüngliches Leben im Bergdorf Lahic auf 1400 Metern. (Bild: Brigitte Schmid-Gugler)

Ursprüngliches Leben im Bergdorf Lahic auf 1400 Metern. (Bild: Brigitte Schmid-Gugler)

Entlang steilen Felswänden durch das spektakuläre Girdmançay-Tal. (Bild: Brigitte Schmid-Gugler)

Entlang steilen Felswänden durch das spektakuläre Girdmançay-Tal. (Bild: Brigitte Schmid-Gugler)

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