Leserbeitrag

28. Schloss-Serenade in Wildegg war reiner Genuss

Hinreissende Sommernachtsträumereien hatten die Organisatoren der Freunde der Möriker Operette fmo und das Oktett des Chamber Aartists Orchestra versprochen - und diese wurden auch wahr.

Marcel Siegrist
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Ëin blassblauer Himmel ohne Wolken, in den Blättern der Linde auf dem Schlosshof kein Hauch eines Windes, lau die Luft zu Beginn der samstänglichen Serenade, voll besetzte Stuhlreihen - dieser Sommerabend setzte schon vor dem ersten Ton die Akzente. Die 28. Wildegger Schloss-Serenade versprach genussvoll zu werden.
Und das war dann auch so. Die drei Musikerinnen und fünf Musiker (unter ihnen Alexander Sitkovetsky, Solovioline, London) des anfangs 2010 als Chamber Aartists Orchestra gegründeten und seither in unterschiedlicher Besetzung ins Rampenlicht getretenen Ensembles zogen die Zuhörenden vom Auftakt bis zur Zugabe in ihren Bann.Die Freude an der Musik und die gezeigte Freude am Musizieren fesselte das Publikum; der Funke sprang, die gut gewählten Kompositionen taten das ihre.
Antonio Vivaldi, 1678-1741, aus seinen "4 Jahreszeiten" passend der Sommer mit der Gewitterstimmung in drei Sätzen - das begeisterte auch unter einem wolkenlosen Firmament. Reiner Genuss die Solopartien, reiner Genuss die untermalende, gemeinsam gewichtige Akzente setzende Begleitung durch drei Streicherinnen uind vier Streicher. Ruhig danach das von Max Bruch, 1838-1920, in seinem Todesjahr komponierte und erst in den 90er Jahren wiederentdeckte Oktett in B-Dur mit den gefühlvollen Passagen, die etwas von der Stimmung eines alten, wohl auch vereinsamten Menschen bezeugen. Ein besinnliches Werk, das durch die Pause überleitete zu Felix Mendelssohn, der als 16 Jahre junger Mensch 1825 das Oktett op. 20 Es-Dur geschrieben hat. Ein Frühbegabter, ein musikalisches Wunderkind, dessen romantischen, aber auch jungenhaften Empfindungen in Tönen die Zuhörenden wohl unschwer zu folgen vermochten. Zum Abschluss Astor Piazolla, 1921-1992, argentinischer Komponist, Begründer des Tango Nuevo mit zwei seiner typischen, kurzen Werken - Oblivion und Escualo. Südamerikanische Rhythmen in nicht gewohnter Art, schwungvoll interpretiert. Applaus und Sonnenblumen waren verdienter Dank für die genussvolle Serenade. fr