Leserbeitrag
Baden «Gländ» im Isebähnli

Fabienne Schmid
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Es muss nicht immer Jazz sein ! Zum Jahresauftakt am vergangenen Montag öffnete der Verein „Jazz in Baden“ seine Bühne im Stadtbistro Isebähnlifür eine experimentelle Version von Volksmusik und Jodelgesang, die mitunter „neue alpine Musik“ genannt wird.
Das Projekt „Gländ“, das derart im Isebähnli zur Aufführung gelangte, ist eine Zusammenarbeit des Sängers und Bandoneonspielers Christian Zehnder mit der Hackbrett-Virtuosin Barbara Schirmer.
Trotz des neutönerischen Hintergrundes bezeichnete Christian Zehnder den Anlass als „Stubete“. Das war kein ungerader Ausdruck, denn wenn „Stubete“ nicht nur das spontane Aufeinandertreffen von Musikanten bedeutet, sondern auch das Hochgefühl des Publikums bei diesem Musikgenuss, so hatZehnder den Punkt getroffen.
Noch selten nämlich war es im vollbesetzten Isebähnli derart still, waren Zuhörerinnen und Zuhörer von der Musik dermassen gefesselt, dass man die berühmte Stecknadel hätte fallen hören. Mit dem Philosophieren über die „neue alpine Musik“ ist diesem Konzert nicht beizukommen. Zuallererst verblüffte Christian Zehnder mit seiner Gesangskunst, und dann war da ganz einfach eine starke Prise Klamauk und Spass, sei es in der Musik, sei es in den aberwitzigen Erklärungen Zehnders zu den Kompositionen.
Das Konzert begann mit einem recht unverfälschten Zäuerli, Zehnders Jodel als führende Stimme, das Hackbrett begleitend und reagierend. Zehnder nennt seinen Jodelgesang „global yodeling“ und will sich damit, gezwungenermassen, mit seinem harmonisch modernen und gelegentlich atonalen und an aussereuropäischen Kulturen orientierten Gesang vom traditionellen Schweizer Jodel abgrenzen. Mit der Oberton-Gesangstechnik gelingt Zehnder ein mehrstimmiges Singen, während sein Tonumfang von vibrierender Tiefe bis zur Kopfstimme reicht. Ein vergnügliches Beispiel hierfür war die Zwiesprache zwischen dem angsteinflössenden Bär und dem verschüchterten Wolf.
Doch auch der Appenzeller, der in Mesopotamien eine Frau sucht und einen Abstecher in die arabische Melodik verursacht oder die Geschichte von der Erfindung des Tangos bildeten musikalische Köstlichkeiten. Hier und in einigen anderen Stücken spielte Christian Zehnder das Bandoneon, mit dem er einen recht brachialen Umgang pflegt. Da führte Barbara Schirmer am Hackbrett die feinere Klinge, sie flocht die inspirierenden Zwischentöne ein und sorgte mit den flirrenden Klangwolken für eine Art spirituelle Balance zum gewaltigen Gesang.

Juerg Blunschi

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