Leserbeitrag

Grossräte an der Neuen Kantonsschule

Duskussion um bildungspolitische Fragen

Marcel Siegrist
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An der Neuen Kantonsschule (NKS) Aarau diskutierten Grossrätinnen und Grossräte bildungspolitische Fragen rund um die Zulassungsbedingungen an Universitäten und Fachhochschulen. Das Podium „Wir wollen an die Uni" haben Schülerinnen und Schüler des Freifachs Politische Bildung der Neuen Kanti vorbereitet und durchgeführt.

Im Vordergrund standen bildungspolitische Fragen wie: Wo sehen Sie Verbesserungsmöglichkeiten in unserem Bildungssystem? Sollte die Maturitätsquote angehoben werden? Sollte der Kanton Aargau als Forschungsstandort ausgebaut werden? Diesen und weiteren Themen der Schülerinnen und Schüler der 3. Kanti stellten sich die Grossrätinnen Monika Küng (Grüne), Alexandra Abbt-Mock (CVP), Milly Stöckli-Ammann (SVP) und die Grossräte Matthias Jauslin (FDP), Thomas Leitch-Frey (SP) und Felix Jenni (GLP).
Monika Küng plädierte für eine freie Wahl des Studiums, wobei auch Umwege, also Wechsel der Studienrichtung, zur Bildung gehörten. Dem stimmte Felix Jenni zu und kritisierte Teile des neuen Bologna-Systems an den Universitäten. Dieses sei zwar notwendig, um international auf höchster Ebene mithalten zu können und erleichtere Auslandaufenthalte - Aspekte, die auch Milly Stöckli als wichtig und richtig beurteilte. Doch bedeute „Bologna" leider auch eine Verschulung des Studiums, was dem neugierigen Forschen abträglich sei. Dass die Maturitätsquote im Kanton Aargau im schweizerischen Vergleich zu tief liegt, sei ein Problem, das bereits in den unteren Stufen angegangen werden sollte. Für Thomas Leitch wäre eine grössere Flexibilität im Schulsystem wünschenswert, so dass nicht alle schwachen Schüler in der Realschule landen, wo sie überhaupt nicht mehr vorwärts kommen. Die Schüler sollten je nach Fähigkeiten in den einzelnen Fächern unterrichtet werden, was mit einem Systemwechsel wie es das Bildungskleeblatt vorgeschlagen hatte, umsetzbar wäre.
Alexandra Abbt unterstrich die Bedeutung der naturwissenschaftlichen Studienrichtungen und plädierte für die Stärkung von Forschungseinrichtungen im Kanton Aargau. Dieses Anliegen wurde von allen anwesenden Politikern geteilt. Am Beispiel des Paul Scherrer Instituts (PSI) konnte den Schülern auch verdeutlicht werden, inwiefern die Politik hier einen wesentlichen Beitrag leistete, indem die gesetzlichen Voraussetzungen für einen Erweiterungsbau des PSI geschaffen wurden. Matthias Jauslin plädierte darüber hinaus für einen vermehrt praktisch ausgerichteten Unterricht. Wer in der Schule einmal „selber ein Töffli auseinander gebaut und frisiert hat", könne technische Neugier entwickeln. Auch in diesem Punkt waren sich die Politiker einig, dass den Schülern vermehrt die Breite der möglichen Ausbildungsgänge, von Berufslehre über Fachhochschulen bis zur Uni, aufgezeigt werden sollte.
In seinem Schlussvotum rief Felix Jenni die Schülerinnen und Schüler dazu auf, ihre Zukunft auch politisch in die Hand zu nehmen, nämlich ihr Recht auf Mitbestimmung in Wahlen und Abstimmungen wahrzunehmen. Dass dieses Anliegen bei einigen auf sicherlich offene Ohren stiess, zeigt das von den Schülern des Freifachs Politische Bildung geschickt moderierte Podium.
Andrea Iseli