Leserbeitrag

Grossratskanditaten im Politgespräch

Meinungen zu Sachthemen

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Im Hotel Bären Suhr haben sich fünf Grossratskandidaten zum Politgespräch getroffen. Der Anlass wurde durch den Gewerbeverein Suhr organisiert. Am Gespräch beteiligten sich Beat Rüetschi, Gemeindeammann von Suhr und FDP-Vorstandsmitglied, Maja Riniker, FDP-Vorstandsmitglied, Joel Blunier, Generalsekretär EVP, Heiner Kilchsperger, Präsident Grüne Suhr und Heinz Schütz, Vorstand der SVP Bezirk Aarau. Das Gespräch wurde von Samuel Wehrli, Verwaltungsratspräsident der Dobi Inter AG und Ehrenpräsident aargau kmu geleitet.

Diskutiert wurde über Sachthemen wie Energie, Verkehr und Bildung. Dass diese Themen und die einzelnen Meinungen der Grossratskandidaten darüber grosses Interesse auslösten, wurde durch die doch recht grosse Besucheranzahl bestätigt. Nachdem Bruno Scheiber die Anwesenden begrüsste und die Kandidaten dem Publikum vorstellte, übernahm Samuel Wehrli die Leitung.

Auf das Thema Energie angesprochen, informierte Beat Rüetschi erst ausführlich über die Situation im Dorf. Dass zur Frage nach der Notwendigkeit eines Atomkraftwerkes unterschiedliche Einstellungen zu erwarten waren, war im vornherein klar. Maja Riniker zum Beispiel vertritt die Meinung, dass ein neues Atomkraftwerk notwendig ist. Alternative Energien sind nicht genügend vorhanden, und es ist vertretbar, ein neues Kraftwerk zu bauen, sofern ein altes Werk abgeschaltet wird. Die Meinung der Grünen, die durch Herrn Kilchsperger repräsentiert wurde, stellt sich klar gegen ein neues Kraftwerk. Die Gefahr der atomaren Abfälle in den geologischen Tiefenlagern ist zu hoch und die Folgen in 1 Mio. Jahren nicht kontrollier- und berechenbar. Auf den Bau eines Kernkraftwerkes zu verzichten, bedeutet Ressourcen zu schaffen, um nach Alternativen zu forschen und diese zu fördern. Er kritisiert auch die Gemeinde und die technischen Betriebe von Suhr, die seiner Meinung nach zu wenig unternehmen, um die Bevölkerung umfassend über den Einsatz von sparsamer oder alternativer Energie aufzuklären. Dem widersprechen aber Beat Rüetschi wie auch Samuel Wehrli. Dorfbewohner werden auf Wunsch persönlich durch die Technischen Betriebe Suhr beraten, und ein Flyer der Gemeinde wurde auch schon an alle Haushalte abgegeben. Joel Blunier fragt sich, ob die Bereitschaft zum Sparen vorhanden ist, denn der Ausstieg aus der Kernenergie ist eine Frage der Zeit. Ein Umdenken wird notwendig. Nur sind Veränderungen unangenehm, weshalb Entscheide immer hinausgeschoben werden. Heinz Schütz will keine Abhängigkeit aus dem Ausland, weshalb ein neues Kernkraftwerk notwendig ist. Aber auch er vertritt die Meinung, dass die Versorgung mit Strom aus Kernenergie nur eine Frage der Zeit bleiben darf.

Das Verkehrs- und Raumplanungsgesetz der Gemeinde Suhr wird durch Beat Rüetschi vorgestellt. Der Gemeindeammann informiert über den Stand der Verlegung der Geleise der WSB. Er betont, dass die Bahn kein Nahverkehrsmittel für Suhr mehr darstellt, sondern ein Zubringer für Reisende nach Aarau werden wird. Das neue Aarauer Verkehrskonzept mit Leitsystem wird Suhr direkt betreffen. Mit den geplanten baulichen Massnahmen, wie der Kreisel beim Restaurant Kreuz und die Ostumfahrung, ist man aber gut auf die neue Situation vorbereitet. Ein autofreies Suhr, wie in der Einladung zum Politgespräch zu lesen war, sei etwas sehr provokativ und undenkbar. Das Auto gehört zu unserem Leben und die KMUs profitieren davon. Die vielen auswärtigen Besucher kaufen in Suhr ein, weil sie hier noch Parkplätze finden. Herr Schütz ist der Meinung, eine Verkehrsberuhigung bedeutet möglicherweise weniger Frequenz in den Läden und schildert die Situation in Aarau. Dass dort die Kunden ausbleiben, liege daran, dass die Altstadt autofrei sei und die Leute da einkaufen gehen, wo sie parkieren können. Joel Blunier erinnert daran, dass eine Verkehrsberuhigung nur eine Verlagerung des Verkehrs an einen andern Standort mit sich bringt. Ein autofreies Suhr erachtet auch er nicht als sinnvoll, ist aber der Meinung, dass ein Tempolimit von maximal 30 km/h geprüft werden sollte. Herr Kilchsperger findet, wenn die Ostumfahrung Tatsache sei, kann die Kantonsstrasse zur Gemeindestrasse zurückgestuft werden. Ausserdem vertritt er die Meinung, dass das Suhrer Dorfzentrum nicht für grosse Kundengruppen geeignet ist. Die Zentrumsgestaltung brauche auch andere Qualitäten, denn Velofahrer mit Anhänger hätten schlicht keinen Platz. Hier findet ein ganzes und treues Kundensegment zu wenig Beachtung. Er warnt davor, sich zu stark auf die autofahrenden Kunden zu konzentrieren. Wenn sich für diese nämlich die Parkplatzsituation ändert, sei gerade der Autofahrer der erste Kunde, der sich anders orientieren wird. Maja Rinker möchte keine Zurückstufung der Kantonsstrasse. Ihr ist die jetzige Situation insofern recht, weil dadurch der Verkehr schneller durch Suhr fliesst. Sie gibt auch zu bedenken, dass das grosse Verkehrsaufkommen die Autofahrer immer mehr dazu verleitet die Quartierstrassen zu befahren. Sie findet die Umgestaltung des Dorfkerns in eine Begegnungszone als denkbar. Die Lösung in Lenzburg ist eine an sich gut funktionierende Variante die auch in Suhr zu prüfen sei.

Samuel Wehrli leitet über zum Thema Bildung und Tagesstrukturen und bemerkt, dass nicht das Bildungskleeblatt diskutiert werden sollte. Den Ball nimmt wiederum Beat Rüetschi auf. Aber genau das Kleeblatt sei seiner Meinung nach der Grund, weshalb sich die Vorstände der Tagesstrukturen vor der Verantwortung und den neuen Aufgaben fürchten. Oft entstehen neue Formen der Kinderbetreuung auf private Initiative hin. Wenn nun diese einen 24-Stunden-Service aufrecht halten müssen, sei nur allzu verständlich, wenn man dem Bildungskleeblatt skeptisch gegenüber stehe. Maja Riniker begrüsst die Blockzeiten, die neu ab dem neuen Schuljahr eingeführt werden. Zusätzlich werden Kinder morgens von 7-8 Uhr, über Mittag und am Abend in vorhandenen Tagesstrukturen betreut, was vollkommen ausreicht. Einen Tag- und Nachtservice aufrecht zu halten, sei nicht notwendig und darf nicht sein. Joel Blunier fordert vom Kanton Rahmenbedingungen, die aber dann nicht der Steuerzahler zu berappen hätte. Er hofft auf mehr Unterstützung durch die öffentliche Hand für private Projekte im Bereich der Kinderbetreuung. Auch er findet, wie alle anderen in der Runde, dass eine 24-stündige Betreuung nicht realistisch sei. Erziehung sei Elternsache und soll das auch bleiben. Heinz Schütz vertritt die These, dass Eltern für die Erziehung und die Schulen für die Ausbildung zuständig sind. Auch sollte sich der Staat nicht um Tagesstrukturen kümmern, das sei die Angelegenheit der Gemeinde die ihre eigenen Bedürfnisse zur Umsetzung haben. Heiner Kilchsperger begrüsst die privaten Initiativen zur Kinderbetreuung, glaubt aber, dass diese nun kompetente Unterstützung benötigen. Da sich der Anspruch der Familie geändert habe, sei dies auch notwendig und Investitionen in diese Richtung seien sinnvoll.

Die Diskussion wurde in einer angenehmen Atmosphäre geführt, was auch an der kompetenten Moderation und Leitung durch Samuel Wehrli lag. Der Abend schliesslich wurde mit einem anschliessen Fondue besiegelt, wo sich die Besucher mit den Kandidaten noch intensiver unterhalten haben.