Leserbeitrag

Hohe Kunst im Alterszentrum Fislisbach

Die Kunstmalerin Ruth Rietmann hatte auf Samstag, 24. Januar 2009, zur Vernissage ins Reg. Alterszentrum in Fislisbach eingeladen.

Drucken
Teilen

Nach Begrüssung der vielen Anwesenden durch Stephanie Schär, Zentrumsleitung, sangen und spielten Madlen Donadio (Querflöte und Gesang) mit Dalia Donadio (Klavier und Gesang) prächtige Lieder. Dazwischen las Silvia Honegger ihre eigens zum Anlass geschriebenen Gedichte. Nach dem Bericht über die Bilder folgte deren Besichtigung.

Beim Betrachten der Baumdarstellungen wird man direkt in die Jahreszeiten versetzt. Die kahlen Bäume im Winter beeindrucken mit ihren knorrigen Formen. Die mit Blüten behangenen Frühlingsbäume verstecken sich in der Blütenpracht. Das satte Grün im Sommer scheint in der Hitze zu schwitzen. Buntes, vielfältiges Gelb und Braun bis Blutrot leiten vom farbenfrohen Herbst zum Winter über. Gewiss mit Absicht haben die beiden Bilder "Wirbel" und "Strudel" beim Kochherd Platz gefunden; erinnern sie doch irgendwie an das Geschehen in der Pfanne auf dem Herd: Es kocht! Die Bilder lösen beim Betrachten Fragen aus, aber auch Antworten - Vermutungen - tauchen auf. (owe)

Die Ausstellung im Alterszentrum ist täglich von 9.00 Uhr bis 20.00 Uhr geöffnet.

Bildlegende, von links nach rechts: Dalia Donadio, Klavier und Gesang, Silvia Honegger, Gedichte, Ruth Rietmann, Bilder, Madlen Donadio, Querflöte und Gesang.

----------------------------------------------------------------------------

Das nachfolgende Gedicht, wie übrigens alle vorgetragenen Gedichte, hat Silvia Honegger, die Dichterin, vorgetragen.

Kastanienalleen
Von Kastanie zu Kastanie schreiten wir durch die Alleen,
seh'n im Blattwerk Jahreszeiten reifen, leuchten und vergeh'n:
Äste, schwarz im Winterhimmel - frisches Grün zur Maienzeit
Sommerglut ob blauer Schatten - ockergelbes Abschiedskleid

Aus den Kerzen der Kastanien flöckeln Blüten weiss wie Schnee.
Als beschwingte Luftikusse wirbeln sie durch die Allee.
Kinder kreischen, jauchzen, lachen, haschen nach dem Frühlingsflaum,
wie wenn sie Zitronenfalter jagten unterm Blütenbaum.

Sonnenschirme in zwei Reihen, so steh'n die Kastanien stramm
und beschatten die Verliebten, die sich herzen hinterm Stamm.
Eisverkäufer, Radler, Trinker, greise Paare, Hund und Katz,
auf den lauschig kühlen Bänken findet jeder seinen Platz.

Kugelrunde, grüne Igel brechen vom Geäst im Wind,
platzen auf und offenbaren, wessen Schatzes Schutz sie sind:
Mahagonibraune Früchte kullern an den Wegesrand
und verwandeln sich in Spiele in geschickter Kinderhand.

Golden leuchten früh die Kronen vor dem blauen Himmelsstahl.
Mit den herbstlich kühlen Winden wird ihr Gleissen matt und fahl.
Staubgrau, modrig liegt das Laub wie tote Hände, bis es schneit.
Und auf leeren Bänken sitzen - Schemen der Vergangenheit.

Unter mächtigen Kastanien wandeln wir durch die Alleen,
Wesenlose, flüchtig, nichtig; in der Sonne nur zu seh'n.
Gleich dem Schatten eines Zeigers auf der alten Sonnenuhr
rücken wir vom Strich zum Striche und gleich ihm - ganz ohne Spur.

Jahre gingen als wie Stunden, manche Stunden wie ein Jahr.
Hinter uns so viele Bäume. Vor uns werden sie nun rar.
Und wir sahen Menschen kommen und wir sahen Menschen geh'n.
Alle gleiten wir durch Zeiten in den steinalten Alleen.