Leserbeitrag
Jugendfeuerwehr Hirschthal ist Schweizermeister

An der Jugendfeuerwehr-Schweizermeisterschaft in Brig-Glis wurde die Jugendfeuerwehr nach packenden Wettkämpfen Landesmeister

Marcel Siegrist
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„Was letztes Jahr nicht sein sollte, soll dieses Jahr nun klappen!" Die Hirschthaler JFw wurde letztes Jahr an der Schweizermeisterschaft in Montreux in einem Krimifinal vom haushohen Favoriten Bödeli-Interlaken (Rekordmeister) knapp geschlagen, weil den Hirschthalern damals die Nerven blank lagen.
Die Hirschthaler JFw trainierte dieses Jahr zehnmal, neben den regulären Jugendfeuerwehrübungen, speziell für den Parcours der Schweizermeisterschaft. Der Hauptleiter, Uwe Essinger, versuchte mit seinem Leiterteam, den Parcours möglichst realistisch nachzubauen, um unter bestmöglichen Bedingungen zu trainieren. Mit einem grossen Ziel vor Augen, war die Truppe hoch motiviert und schon beim Üben voll dabei.

Der standardisierte Parcours wird von zwei gegnerischen Teams mit je 7 Jugendlichen parallel absolviert. Zuerst müssen jeweils 3 Jugendfeuerwehrler gemeinsam auf Holzskiern im Gleichschritt 10 Meter zurücklegen. Danach führen 5 eine Rettung einer steigunsicheren Person von einem Gerüstturm aus. Die beiden anderen Teammitglieder müssen sich an vier Knoten beweisen und danach mit einer Eimerspritze über eine Distanz von zwei Metern in einen Behälter treffen. Sobald die 5-Liter-Marke erreicht ist, ertönt eine Sirene mit Blaulicht. Dies ist das Startzeichen für den gemeinsamen Aufbau einer 50 Meter langen Druckleitung. Mit dieser müssen die Nachwuchs-Feuerwehrler durch einen Kriechtunnel und eine schaumgefüllte Mulde. Nachdem mit dem Wasserstrahl fünf Tennisbälle von Leitkegeln gespritzt werden und ein Slalom absolviert wird, geht es ans Retablieren. Die beiden Teams müssen die sechs Schläuche wieder entleeren, rollen und im Materialdepot sauber stapeln. Sobald alle vom Team über der Ziellinie sind, wird die Zeit gestoppt. Für jeden gemachten Fehler, gibt es einen Zeitzuschlag von zehn Sekunden.

Am Samstag fanden sich 25 Teams, dabei war der Aargau mit zehn Mannschaften überdurchschnittlich gut vertreten, in Brig-Glis ein. Bei der Vorrunde am Samstagnachmittag qualifizierten sich die schnellsten acht Teams (davon drei aus dem Aargau: Hirschthal 1, Brugg und Bad Zurzach) für die Viertelfinals. Diese fanden am Sonntagmorgen ab 8 Uhr, bei strahlendem Wetter statt. Die Hirschthaler setzten sich als Drittplazierte in den Viertelfinals durch.
Im ersten Halbfinal standen sich bereits die letztjährigen Finalgegner gegenüber. JFw Bödeli konnte sich kurz vor den Hirschthalern ins Rennen stürzen, aber Dank der zweitbesten Halbfinalzeit qualifizierten sich auch die Hirschthaler für den Final. Die Freude und Erleichterung war riesig bei den Hirschthalern, denn sie mussten lange zittern, ob es nun für den Finaleinzug reicht oder nicht.

So kam es wieder zur gleichen Paarung und die Hirschthaler hatten noch eine Rechnung offen und waren „ganz heiss" auf die Revanche. Die Hirschthaler starteten fulminant auf den Skiern und Bödeli kam nicht richtig in Fahrt und kassierte bereits die erste Zeitstrafe. Als sich dann bei den Gegnern der Aargauer beim Aufbau der Druckleitung ein Schloss öffnete und eine Wasserfontäne ins Publikum ergoss, konnten sich die Hirschthaler in Führung bringen. Die beiden Teams schenkten sich nichts und erbrachten trotz brütender Hitze in Schutzkleidern und Helm Höchstleistungen. Beinahe das gesamte Publikum feuerte lautstark die Hirschthaler an; es schien die Zeit reif für einen neuen Schweizermeister. Die Hirschthaler schlossen den Parcours mit einem grandiosen Schlussspurt ab und erreichten das Ziel in 5 Minuten und 8 Sekunden, das 9 Sekunden vor dem Erzrivalen Bödeli.
Nun begann das bange Warten, bis sich die Schiedsrichter über die Fehleranzahl einigten. Der Speaker fragte den Hirschthaler Gruppenführer, Yannic Dubach, nach der Anzahl der begangenen Fehler und dieser antwortete selbstbewusst: „Null Fehler". Er überraschte damit den Interviewenden. Yannic sollte Recht haben, wie sich kurz danach bestätigte. Nun war die Frage nach den begangenen Fehler von Bödeli. Falls diese auch Null Fehler gemacht hätten, hätte es wegen einem Altersbonus auf Seiten von Bödeli, für Hirschthal wieder nicht gereicht und dieses Mal um eine einzige Sekunde. Dieses Jahr hatten die Interlakener Jungs die Nerven verloren und nicht weniger als 7 Fehler begangen und damit einen Rückstand von mehr als einer Minute.
Die neuen Schweizermeister freut es besonders, dass sie ihren Titel nächstes Jahr auf heimischem Boden verteidigen können. Die Jugendfeuerwehr-Schweizermeisterschaft 2010 findet am 19. und 20. Juni 2010 in Hirschthal statt.

4 Fragen an Yannic Dubach, den Gruppenführer vom Team Hirschthal 1

Wie fühlst du dich als neuer Schweizermeister?
Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Eine grosse Erleichterung, weil es letztes Jahr so extrem knapp nicht gereicht hat.

Was ging dir im Finallauf durch den Kopf?
Ich habe mich voll und ganz auf den Wettkampf konzentriert und versucht an nichts anderes zu denken.

Hast du nach eurem 3.Rang in der Vorrunde an einen Sieg zu denken gewagt?
Ja, im Innersten habe ich es noch immer gehofft, aber nicht mehr gewagt daran zu glauben.

Wie war eure Nacht in der Zivilschutzanlage?
(lacht) Laut und heiss und wir konnten nur wenig schlafen

Was ist euer nächstes Ziel?
Die Verteidigung unseres Titels in Hirschthal natürlich!

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