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Man fürchtete um den Frieden im Dorf

Dieter Deiss-Weber
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Landfrauen_GV_02.JPG Aufmerksame Zuhörerinnen an der Jubiläums-GV der Landfrauen Sulz.

Landfrauen_GV_02.JPG Aufmerksame Zuhörerinnen an der Jubiläums-GV der Landfrauen Sulz.

An der diesjährigen Generalversammlung feierten die Landfrauen Sulz den 50. Geburtstag ihrer Organisation. Vor fünfzig Jahren stimmten 77 anwesende Frauen der Gründung eines neuen Vereins zu. Exakt 77 Mitglieder waren jetzt bei der Geburtstagsfeier anwesend.

Als damals auf Mittwoch, 27. November 1963, zur Gründungsversammlung ins Restaurant eingeladen wurde, wirbelte dies einigen Staub auf. 120 Frauen, darunter gemäss Protokoll auch einige aus Laufenburg, folgten der Einladung. Als Gast zugegen war auch der damalige Sulzer Pfarrer Josef Schlienger. Dieser hatte bereits im Vorfeld von der Kanzel herab seinem Missfallen über die vorgesehene Neugründung klar Ausdruck gegeben. An der Versammlung ergriff er dann das Wort und führte aus, dass er um den Frieden im Dorf fürchte, wenn nun neben dem traditionellen Frauenbund noch ein zweiter Frauenverein entstehe. Er wurde aber von den Initiantinnen beschwichtigt, man werde sich bemühen, den Frieden zu bewahren. Zudem wurde betont, dass man trotz Mitgliedschaft bei den Landfrauen weiterhin dem Frauenbund angehören werde.

Hitzige Diskussionen

Eine Frau Spielmann, Bezirkspräsidentin aus Frick, nannte als Ziele der Landfrauen das Vermitteln von preisgünstigen Vorträgen und Kursen entsprechend dem Motto “Besser als erben, ist Bildung erwerben.“ Nach gemäss Protokoll stürmisch verlaufener Diskussion schritt man dann zur Abstimmung, wo 77 Frauen der Neugründung zustimmten. Sieben Frauen wurden in den ersten Vorstand gewählt und als Präsidentin Lisa Thürlemann bestimmt. Offensichtlich ist dann aber nach gewalteter Diskussion wieder Ruhe eingekehrt. Man sei noch eine Weile gemütlich beisammen gesessen, bis die vorgerückte Zeit zur Heimkehr gemahnt hätte, schloss die Protokollführerin Martha Weiss ihre Niederschrift.

Nichts mehr zu verspüren von der Hektik aus alten Tagen war an der Jubiläumsgeneralversammlung. Im Gegenteil, unter der straffen Führung von Präsidentin Yvette Dünner wurden die geschäftlichen Traktanden speditiv abgewickelt. Der Verein zählt aktuell 151 Mitglieder. Bezahlte ein Mitglied 1964 noch einen Jahresbeitrag von zwei Franken, so ist dieser heute auf 25 Franken angesetzt. Aus dem Jahresbericht und aus dem Jahresprogramm sind ersichtlich, dass die Ziele grundsätzlich dieselben sind, wie vor fünfzig Jahren: Das Anbieten von Kursen und die Pflege der Geselligkeit stehen im Mittelpunkt. Längst gibt es kein Konkurrenzdenken mehr in Bezug zum Frauenbund, arbeiten doch die beiden Frauenorganisationen sehr eng zusammen. Keine hohen Wellen warf das Wahlgeschäft, wo der gesamte Vorstand und Yvette Dünner als Präsidentin wiedergewählt wurden. Die traditionelle Spende von 500 Franken ging dieses Jahr an die Pro Cap Fricktal.