Leserbeitrag

Nachtaktive Zivilschützer

Andreas Wolf
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Mit einer aufwendigen Übung in die Nacht hinein überprüfte die Zivilschutzorganisation Wynental in Eiken ihre Einsatzbereitschaft. Dabei wurden sie tatkräftig unterstützt von Hundeführern von REDOG, dem Theaterverein Unterkulm, den Feuerwehren Gränichen und Mittleres Wynental sowie den Samaritervereinen Gränichen und Kulm.

97 Angehörige der Zivilschutzorganisation Wynental rückten am 1. September 2016 ungewohnt spät zu ihrem jährlichen Wiederholungskurs ein. Grund war ein Erdbeben im Fricktal mit Epizentrum in Pratteln, so das Übungsszenario. Strom- und Wasserversorgung waren unterbrochen, das Telefon- und Handynetz ausgefallen oder überlastet. Aufgrund der Schadensdimension wurden die Wynentaler Zivilschützer fiktiv durch den Kanton für den Unterstützungseinsatz nach Eiken aufgeboten.

Geübtes Hochfahren der Schadensplatzorganisation

Im kantonalen Zivilschutzausbildungszentrum in Eiken um 16 Uhr mit acht Fahrzeugen und den beiden Ersteinsatzanhängern eingetroffen bot sich den Zivilschützern ein Bild der Zerstörung. Eingestürzte Häuser, überflutete Keller und teilweise nicht mehr passierbare Strassen. Nach einem Überblick über die Lage begannen die Pioniere engagiert mit ihren Rettungsarbeiten. Eine Gruppe durchsuchte die zerstörten Gebäude nach vermissten Personen. REDOG, der Schweizerische Verein für Such- und Rettungshunde, unterstützte sie dabei mit den feinen Nasen ihrer Vierbeiner. Bruno Maurer, Übungsleiter bei REDOG, zum Einsatz in Eiken: «Es ist spannend mit einer Partnerorganisation zu üben. Dies fördert das gegenseitige Verständnis sowie die Abstimmung und kann nicht genug trainiert werden.» Die Führungsunterstützung baute zügig den Kommandoposten und die Kommunikationsverbindungen auf. Gleichzeitig richteten die Betreuer eine Sammelstelle ein, um die Geretteten aufnehmen zu können.

Verletzte in der Dunkelheit

Mehrere Verletzte, gespielt von Schauspielerinnen und Schauspieler des Theatervereins Unterkulm, mussten aus Trümmern und Vertiefungen heraus geborgen werden. Martin Härri, Aktuar des Vereins, zum ungewöhnlichen Auftritt: «Für uns war es interessant, wie es sich anfühlt, wenn man verletzt und hilflos auf die Retter wartet und wie diese mit einem umgehen.» Die Wunden der Schauspieler sahen dabei übel und echt aus, moulagiert vom Samariterverein Kulm. Beim Sammelplatz übernahmen die Betreuer die Verletzten und führten die Triage für die Versorgung und den Weitertransport durch. Das Küchenteam kümmerte sich um die stärkenden Kalorien für die Helfer und Geretteten. Während die Bergungsarbeiten auf Hochtouren weiterliefen bereitete die Dunkelheit zunehmend Mühe, so dass die Scheinwerfer zum Einsatz kamen. Um an einen Verletzten zu gelangen musste erst ein Keller leer gepumpt werden. Gegen 21 Uhr wurden die Zivilschützer von der zweiten Schicht abgelöst, welche die Arbeiten bis um 4 Uhr weiterführte. Ergebnis waren sieben Verletzte gerettet, vier Personen in Form von Puppen konnten im Szenario nur noch tot geborgen werden.

Anspruchsvolle Aufgabe erfolgreich gemeistert

Bei dieser Übung mit dabei waren eigene Schiedsrichter, das ebenfalls beurteilende Kader der Feuerwehren Mittleres Wynental und Gränichen sowie die Samariterinnen und Samariter von Kulm und Gränichen. Weiter waren Gäste von Kanton und Gemeindebehörden anwesend. Unter diesen kritischen Augen stellte sich die Zivilschutzorganisation Wynental einer anspruchsvollen Herausforderung. Die Zivilschützer retteten bei dieser Nachtübung keine Kollegen, sondern ihnen unbekannte Menschen, die mit Talent ihre Verletzungen spielten. Zudem fielen einige eingeplante Zivilschützer kurzfristig wegen Krankheit aus. Diese Übungsbedingungen waren sehr realitätsnah und ergaben wertvolle und lehrreiche Erfahrungen, welche in die Weiterentwicklung und zukünftige Übungen einfliessen. Das Fazit von Gregor Müller, Kommandant der Zivilschutzorganisation Wynental, fiel positiv aus: «Die Hauptziele, unter erschwerten Bedingungen und in Zusammenarbeit mit unseren Partnern zu üben, wurden erreicht. Nun geht es darum, die gewonnenen Erkenntnisse in den nächsten Wiederholungskursen erfolgreich umzusetzen.»