leserbeitrag
Wechsel an der Spitze des Verwaltungsrats der TBS Suhr

Johnny Strebel
Drucken
Teilen
Bild: Johnny Strebel

Bild: Johnny Strebel

(chm)

Nach zehn Jahren Tätigkeit als Verwaltungsratspräsident der TBS Suhr Holding AG hat sich Beat Stierlin altershalber an der diesjährigen Generalversammlung nicht mehr zur Wiederwahl gestellt. Die Generalversammlung wählte einstimmig das langjährige Verwaltungsratsmitglied, Joachim Greuter, zum neuen Präsidenten. Für den frei werdenden Sitz konnte Andrea Grüniger, eine ausgewiesene Energieexpertin, gewonnen werden.

Beat Stierlin, welches sind die wichtigsten Entwicklungen, welche die TBS während Deiner Amtszeit als Verwaltungsratspräsident durchgemacht hat?

Die TBS hat sich von einem Gemeindebetrieb hin zu einem dienstleistungsorientierten Energieversorger und Telekommunikationsunternehmen mit moderner Organisation gewandelt. Das Unternehmen ist in allen Tätigkeitsbereichen professioneller geworden. Es ist ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen entstanden, welches der Einwohnergemeinde konstant und zuverlässig eine angemessene Dividende ausrichtet. Mit der klar formulierten Eigentümerstrategie hat sich die TBS in ihren Kernaufgaben weiterentwickeln und aus den politischen Prozessen weitgehend herauslösen können. Neben der Kontinuität in der Zusammensetzung des Verwaltungsrats bildete auch das konstante Management mit dem langjährigen Geschäftsführer ein wichtiger Faktor für die erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens.

Wie hat sich der Umstand, dass die Einwohnergemeinde Suhr Alleineigentümerin der TBS ist, auf Dein Amt ausgewirkt?

Mit dem Gemeinderat, welcher die Eigentümerin der TBS repräsentiert, wurde ein regelmässiger und konstruktiver Dialog geführt. Dabei ist auf beiden Seiten die Erkenntnis gewachsen, dass sich die grossen Infrastruktur- und Energiefragen der Zukunft nur gemeinsam im Netzwerk anderen Gemeinden und Energieversorgern lösen lassen.

Die klare Eigentümerstruktur und der Umstand, dass das gesamte Aktienkapital durch die Einwohnergemeinde Suhr gehalten wird, garantieren dem Unternehmen hohe Stabilität und Kontinuität.

Welches persönliche Erlebnis wird Dir aus Deiner zehnjährigen Wirkungszeit im Verwaltungsrat nachhaltig in Erinnerung bleiben?

Die zuverlässige Grundversorgung, egal ob mit Wasser, Strom, Fernsehsignal oder Wärme, ist für viele unserer Kunden eine Selbstverständlichkeit und bekommt erst dann eine grosse Bedeutung, wenn sie einmal ausfällt.

Was möchtest Du dem Verwaltungsrat in seiner neuen Zusammensetzung für die nächste Dekade gerne mitgeben?

Ich wünsche dem Verwaltungsrat, der Geschäftsleitung und dem ganzen Unternehmen weiterhin viel Erfolg und den Mut, die spannenden Herausforderungen der Zukunft selbstbewusst und kreativ anzugehen.

Joachim Greuter, was hat Dich besonders motiviert, das Amt des VR-Präsidenten der TBS anzunehmen?

Einerseits sind es die Synergien zu meinem Beruf als Geschäftsführer der RAILplus AG. Hier habe ich ebenfalls mit Infrastrukturbetreibern im regulierten Umfeld der Eisenbahn zu tun. Ebenso kann ich in dieser Funktion meine Aus- und Weiterbildungen, zuletzt das DAS «Wirtschaftsrecht für Manager» sehr gut anwenden. Vor allem aber sind der VR und die GL der TBS unter der umsichtigen Führung von Beat Stierlin zu einem starken Team zusammengewachsen. Es ist gleichzeitig eine Herausforderung und eine grosse Freude, in Beats Fussstapfen zu treten und die TBS weiter voranzubringen.

Welche persönlichen Ziele hast Du für Dein erstes Amtsjahr gesetzt?

Kurzfristig stehen keine grossen Veränderungen an bei der TBS. In diesem Sinne geht es für mich persönlich prioritär darum, mich noch vertiefter in die Geschäfte einzuarbeiten und diese im gewohnten Rahmen fortzuführen.

Wo siehst Du die grössten Herausforderungen für die Weiterentwicklung der TBS in den kommenden fünf Jahren?

Mittel- bis langfristig erwarte ich die grössten Herausforderungen im Telekombereich. Jahrzehntelang gelang es der TBS, mit innovativen und kundennahen Dienstleistungen gute Marktanteile zu halten und auch Gewinne zu erzielen, die letztlich der Gemeinde Suhr zugutekommen. Mit der schweizweiten Zersplitterung des Marktes und dem geänderten Nutzerverhalten (Streaming statt klassische TV-Nutzung) ist eine stetige Anpassung an die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden erforderlich und die Margen werden tendenziell sinken.

Welche Erwartungen hast Du an die Behörden und die Bevölkerung von Suhr im Hinblick auf die Umsetzung der Energiestrategie 2050?

Die TBS setzt schon lange auf die Ökologie, zum Beispiel durch ein Standard-Stromprodukt mit 100% Wasserkraft und mit der Mitwirkung bei «suhrsolar». Dank der Beteiligung an der Fernwärme Wynenfeld AG (Abwärme der KVA Buchs) und dem in den letzten Jahren stark beschleunigten Ausbau der Fernwärme in Suhr kann die TBS nun in mehreren Quartieren eine attraktive Alternative zu Gas- oder Ölheizungen anbieten. Hier setzen wir auf die Gemeinde und die Bevölkerung, dieses Angebot zu fördern und bei Ersatzinvestitionen für Heizungen von diesem Angebot Gebrauch zu machen.

Andrea Grüniger, welche Deiner Fachkenntnisse und Berufserfahrungen sind für Deine neue Aufgabe im Verwaltungsrat der TBS besonders hilfreich?

Als promovierte Verfahrensingenieurin habe ich einen breiten technisch-naturwissenschaftlichen Ausbildungshintergrund. Durch meine aktuelle Tätigkeit in der strategischen Planung bei einem Unternehmen für Energie- und Gebäudetechnik befasse ich mich täglich mit den Herausforderungen, die sich für Liegenschaftsbesitzer, Unternehmen und auch Energieversorger aufgrund der Energiewende ergeben. Meine Kernkompetenz ist dabei insbesondere die thermische Energie, also Wärme- und Kälteversorgung. Die Rolle von technischen Betrieben hat sich in den letzten Jahren rasant verändert und wird sich weiter wandeln. Die Grenzen zwischen den früher getrennten Sektoren Strom, Wärme, Entsorgung, Wasser, Mobilität usw. verschmelzen. Zudem löst sich die Monopolstellung in den meisten Bereichen durch die Marktliberalisierung zunehmend auf. Dies ist eine Herausforderung, bietet aber auch Chancen für neue Geschäftsmodelle.

Welche Vorteile siehst Du darin, gleichzeitig Präsidentin der Energiekommission und Mitglied des TBS-Verwaltungsrats zu sein?

Die Energiekommission berät und unterstützt den Gemeinderat in Energiefragen. Dabei wird in den kommenden Jahren vor allem die Frage zentral sein, welche Massnahmen die Gemeinde zur Erreichung der Netto-Null-Ziele ergreifen kann und soll. Zur Umsetzung der Massnahmen nimmt die TBS als gemeindeeigener Energieversorger eine zentrale Rolle ein. Insofern erachte ich es als Vorteil, dass ich mich im Verwaltungsrat der TBS dafür einsetzen kann, dass die Tätigkeiten der TBS im Einklang mit den Zielen der Gemeinde stehen.

Wie hast Du die TBS bisher als Einwohnerin von Suhr wahrgenommen?

Bisher war ich einfach Kundin und da ist es wohl schon so, wie es Beat Stierlin beschreibt. Kontakt mit der TBS hatte ich meist dann, wenn etwas nicht geklappt hat, z.B. bei Telefonie oder Internet. Die hohe Kundenorientierung bei Anfragen hat mich jeweils positiv überrascht.

Wie soll sich die Wahrnehmung der TBS in der Suhrer Bevölkerung Deiner Meinung nach in den kommenden Jahren entwickeln?

Der Wandel vom «Gemeindewerk» zum kundenorientierten Energiedienstleister hat in den Organisationsstrukturen bereits stattgefunden, aber ist wohl in der Wahrnehmung bei den Kunden noch nicht überall angekommen. Hier gäbe es in meinen Augen in der Kommunikationsstrategie und -umsetzung noch Luft nach oben.

Aktuelle Nachrichten