Leserbeitrag
Ökumenischer Weltgottesdienst zum Landgrabbing

Andrea Giger
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N. Hassler Bütschi

(Andreas Burckhardt) Pfarrerin Nadine Hassler Bütschi und einige Mitglieder der Weltgruppe gestalteten am 27. Oktober im Rahmen des diesjährigen Mottos von Fastenopfer/Brot für alle/Partner sein „Ohne Land kein Brot“ einen Gottesdienst, der mittels gespielter Szenen und einer Diaschau zeigten, wie sich das Landgrabbing („Landraub“) abspielt. -

War früher vor allem das, was unter dem Boden ist, von Interesse für die grossen Konzerne und Firmen, so ist jetzt plötzlich der Boden selber im Mittelpunkt des Interesses. Deshalb wird immer mehr Land von reichen Investoren gekauft oder gepachtet. Die Menschen, die ursprünglich dieses Land bebauten, aber keine Besitzurkunde haben, verlieren das Land, damit aber auch ihre Lebensgrundlage.

Die Hälfte aller Investitionen betrifft Afrika, also meist Länder, in denen die Bevölkerung mit der Unterernährung ihrer Bevölkerung zu kämpfen hat. Durch das Landgrabbing verliert die einfache Bevölkerung die Möglichkeit sich selber zu ernähren.

Manchmal versuchen es die Neokolonialisten zuerst auf die sanfte Tour: Den Menschen wird der Fortschritt versprochen mit einem Hochglanzprospekt, dessen Text viele Bewohner gar nicht lesen können, und es wird ihnen das Blaue vom Himmel versprochen: Strassen, Schulen, Spitäler usw. - Leider stimmen die unwissenden und auch ungebildeten Bauern oft zu, ihr Land für eine Zeit von 99 Jahren zu verpachten. Doch die Träume platzen sehr schnell! Denn bald kommen Bagger und ebnen das Land ein. Flüsse werden umgeleitet oder so massiv angezapft, dass die übriggebliebenen Felder kaum mehr Wasser haben, und die chemische Schadstoff-Konzentration wird immer höher in diesen Böden. Angebaut werden vor allem Pflanzen für die Tiermast oder für Agro-Treibstoff. Die gesamte Ernte wird exportiert. Der Traum von Entwicklung und Fortschritt wird für viele Menschen zum Albtraum. Denn auf den grossen Monokulturen machen die Maschinen die Arbeit. Und so muss, wer keine Arbeit bekommen hat, das Gebiet verlassen. Ziel: die Slums der Grossstädte. Das Leben dort ist sehr oft ein Leben ohne Perspektiven.

Zum Glück gibt es aber auch Dorfgemeinschaften, die sich wehren, die zusammen mit den NGOs (non governmental organizations) und Entwicklungshilfswerken sich für ihr Recht und ihre Zukunft einsetzen. Leider ist das aber längst nicht überall der Fall. Immer noch sind Millionen von Hektaren Land Gegenstand von Spekulationen, für die Bevölkerung des betroffenen Gebiets ein Drama.

Natürlich stellt sich wie immer die Frage: Was hat dies mit uns zu tun?

Agrotreibstoffe sind weltweit für mehr als 50% der Fälle von Landgrabbing verantwortlich. Ebenfalls braucht der hohe Fleischkonsum viel Land. Das Getreide, das man z.B. für die Ernährung einer Kuh braucht, würde 7 Menschen ernähren. Da kann man sich fragen, wie viel Boden braucht ein Mittagessen mit Fleisch und wie viel ohne Fleisch. Konkret gesagt: Würden alle Menschen dieser Welt so leben und essen wie wir in der Schweiz, dann bräuchten wir 3 Planeten. Wir wissen aber: Wir haben nur eine Erde.

Dieser Gottesdienst sollte die Besucherinnen und Besucher nicht einfach erbauen, sondern zum eigenen Nachdenken anregen, was jede und jeder – und sei es noch so wenig – beitragen kann für eine für alle Menschen lebenswerte Welt.

Im Anschluss gab es einen feinen Apéro, zubereitet von Heidi Blaser, während dem eine gute Gelegenheit bestand, über die Konfessionsgrenzen hinweg interessante Gespräche zu führen.