Leserbeitrag

Tempo 30 in Oeschgen - es geht um Sekunden

Beat Winter
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Ich habe es tatsächlich geschafft. Ich bin in meinem Auto an einem ruhigen Sonntagmorgen mit 50 km/h auf dem Postautoweg durch das Dorf Oeschgen gebrettert. Vom Schwedenhaus bei der Sisslebachbrücke, am Gemeindehaus und der Kirche vorbei bis zur Polentanne beim Dorfausgang Süd. Exakt eine Minute habe ich dafür gebraucht. Im Rückspiegel realisierte ich noch, wie mir ein auf dem Trottoir gehender Vereinskollege kopfschüttelnd nachschaute. Für die Fahrt mit 30 km/h, der den teils unübersichtlichen Kurven und Hauszufahrten angepasste Fahrweise, benötigte ich eine halbe Minute länger.

Kurze Rückschau. Eine Mehrheit der Oeschger Stimmbürger lehnte an der Gemeindeversammlung am 5. Juni 2019 den Vorschlag für eine Begegnungszone im Dorfkern ab und beauftragte den Gemeinderat, Tempo 30 im gesamten Baugebiet nördlich der Sissle einzuführen.

Das zwischenzeitlich von Ballmer + Partner AG ausgearbeitete Verkehrsgutachten zeigt bei Tempo 30 eine starke Verminderung vieler Sicherheitsdefizite im Oeschger Strassennetz auf, was jedoch Auswirkungen auf den öffentlichen Verkehr habe, geht aus der aktuellen Abstimmungsbroschüre hervor. Laut Gutachten B+P erhöht sich die Fahrzeit für den Bus bei vollständiger Durchfahrt ca. 800 m um 15-25 Sekunden. Der gemeinderätliche Antrag, auf dem Strassenabschnitt Haltestelle Hinterdorf bis Dorfausgang Süd weiterhin Tempo 50 zuzulassen, würde diesen Zeitverlust auf etwa die Hälfte reduzieren.

Soll die generelle Verspätung der Postautokurse in Richtung Frick (siehe Foto) nun zu Lasten der Sicherheit auf dem Buckel der Schwächsten, den Kindern und Kindergärtnern auf dem Schulweg, Jugendlichen und Turnern auf dem Weg zu den Sportanlagen, Radfahrern und Wanderern durch unser schmuckes Dorf, geopfert werden? Oder wollen wir dem neuen Antrag des Gemeinderates zustimmen und mit der abgestuften Tempovariante weiterhin mit 50 km/h durch das Hinterdorf fahren damit das Postauto nur noch gemessene 14 Sekunden «verliert» aber trotzdem weiterhin von einem gefährdeten Fahrplan die Rede ist?

Ich freue mich auf die Voten an der kommenden Gemeindeversammlung am Freitag, 11. September 2020 in der Turnhalle Oeschgen und hoffe auf eine grosse Beteiligung.

Beat Winter, Oeschgen