Leserbeitrag

Vom Lachen und Leuchten

Satt essen kann sich jeglicher zu Hause, Geselliges Vergnügen, munteres Gespräch muss einem Festmahl Würze geben. William Shakespeare, Lady Macbeth

Marcel Siegrist
Drucken
Teilen

Der letzte Abend der interreligiösen Abende in Gebenstorf war ganz dem Essen ge-widmet, nicht dem Fastfood, sondern dem Motto „Lachen und Leuchten" - dies war das Thema der fünfteiligen Veranstaltungsserie. Lachender Magen beim Betrachten des wunderbaren Spezialitäten-Buffets, leuchtende Augen beim Anblick der Speisen, welche die VertreterInnen der drei Religionen liebevoll vorbereitet hatten.
Während von jüdischer Seite die Tradition und der Hintergrund der gefillten Fische und Schoggimazzen erklärt wurde, warteten die muslimischen Frauen mit einer grossen Auswahl von feinen Versüecherli auf, die das Kalorienbewusstsein arg strapazierten: Thonkrapfen, Linsenfrikadellen, Baklawa, Tatli usw. Und gegen den Durst gab es Çay ~ türkischen Tee, der an vergangene Ferien in der Türkei erinnerte.

Für die christlichen Köche und Köchinnen war die Auswahl schwieriger, in ihrer Religion ist die Esskultur nicht so vordergründig wie bei den Juden und Muslimen, wo man Rezepte kennt, die traditionell innerhalb der Religion weiter gegeben wer-den. Zwar sind Grittibänzen, Berliner Pfannkuchen, Pfarrhaustorten, Fasnachts-Chüechli bekannt, aber sind dies wirklich christliche, religionsbezogene Speisen? Oder handelt es sich um regionale Spezialitäten? Die Christen verbinden zwar die wunderbare Linsensuppe, die aufgetischt wurde, mit dem Verkauf des Erstgeborenenrechts aus der alttestamentarischen Geschichte von Jakob und Esau (1. Buch Mose Kap. 33), doch kennen auch Juden und vielleicht auch Muslime das Linsengericht mit einem religiösen Hintergrund. Hilde Seibert, welche die Fäden aller fünf Abende mit viel Gefühl für den interreligiösen Dialog in ihren Händen hielt, las denn auch die Geschichte der beiden Brüder und schloss damit bei vielen Gästen allfällige alttestamentarische Wissenslücken!
Mit Dank an die Vorbereitungsgruppe trennte man sich, satt, glücklich und zufrieden, mit einem Hoffnungsschimmer, dass solche religionsverbindende Veranstaltungen auch in Zukunft organisiert und mit einem ebenso grossen Interesse von der Bevölkerung getragen werden.