Oensingen

Weiterbildungskurs im Wald für Forstwart-Lehrlinge aus mehreren Kantonen

Das Waldgebiet zwischen Schloss Neu Bechburg und Roggen war in den vergangenen Tagen Ausbildungsplatz für Forstwart-Lehrlinge aus den Kantonen Basel-Stadt, Basel-Land und Solothurn anzutreffen. Beim Jungwaldpflegekurs ging es darum, das bestehende Wissen weiter zu vertiefen und Neues anzueignen.

Fabian Muster
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Eine bearbeitete Waldparzelle.
Ein auserwählter «Zukunftsbaum».

Während der regulären Lehrlings-Ausbildung sind auch überbetriebliche Kurse zu absolvieren. Bei diesem nun stattgefundenen Kurs wurde konkret die «Jungwaldpflege» (D1) thematisiert. Die Kursteilnehmer (19 Lehrlinge im ersten Lehrjahr) mussten sich zu Beginn des Kurses auch mit einem Eintrittstest auseinandersetzen, damit die Instruktoren bessere Informationen zum Wissenstand hatten.

In der Natur setzen sich auf die Dauer nur die vitalsten und konkurrenzkräftigsten Bäume durch. Diese sind aber nicht zwangsläufig auch die wirtschaftlich wertvollsten. Um möglichst viel für die Industrie verwertbares Holz zu gewinnen, sind gerade Stämme mit wenig Ästen und einer hoch ansetzenden, grossen Krone gefragt. Solche Bäume entstehen ohne gezielte Pflege nur vereinzelt.

Um sich mit dem speziellen Arbeitsprozess zur «Jungwaldpflege» auseinandersetzen zu können, wurde den Kursteilnehmern während einem fünftägigen Kurs Theorie und Praxis dazu vermittelt. Ausgangspunkt zu diesem Lehrgang war das Werkhofgebäude beim Bürgerwerkhof Oensingen. Der einheimische Förster Robert Graber stellte die Waldfläche zur Verfügung. Für den Theorieteil wurde dazu extra die Lagerhalle im Werkhofgebäude in einen «Schulungsraum» umfunktioniert. Für den praktischen Teil «Waldeinsatz» stand den Lehrlingen bei diesem Jungwaldpflegekurs ein rund 120 Aren grosses und ideales Waldstück am «Längstichweg» zur Verfügung. Aufgeteilt in Gruppen von drei bis vier Auszubildenden mit je einem Instruktor, erfolgte die schrittweise Einführung und Vertiefung in diese spezielle Materie und Fachbereich.

Den Lernenden galt es bei diesem Kurs Schritt für Schritt aufzuzeigen, wie eine Jungwaldpflege gemacht werden muss. Hierzu sind gewisse Voraussetzungen nötig und deshalb sind bei dieser speziellen Waldpflege auf Besonderes zu achten:
Welches sind Zukunftsbäume – was ist bei der Auslese zu beachten – was ist beim Wertasten wichtig!

Beim Durchkämen in der für die Ausbildung vorgesehenen Waldparzelle gilt eine erste Aufmerksamkeit nach der Suche von sogenannten Zukunftsbäumen. Die ausgesuchten Bäume werden mit einem blauen Band markiert, die inskünftig für eine gezielte Förderung vorbestimmt sind. In einem weiteren Schritt gilt die Aufmerksamkeit, beschädigte und schlecht veranlagte Bäume zu entfernen, dies für eine bessere Ausgangslage der vorgängig ausgewählten Zukunftsbäume. Weitere wichtige Kriterien bei der Auslese sind: Vitalität, Qualität und Stabilität. Dabei wird darauf geachtet, dass die bevorzugten Bäume im Bereich Qualität feine Äste, durchgehende Stammachse, vollholzig, keine Krankheiten, keine Verletzungen und auch eine dünne Rinde aufweisen. In Sachen Vitalität und Stabilität wird eine dichte Belaubung, gleichmässige Gewichtsverteilung, tiefer Kronenschwerpunkt, Kronenlänge ca. 1/3 – 1⁄2 der Baumlänge und auch ein guter Stand von Vorteil sind.

In dichten Jungbeständen kann es z.T. eine intensive Auslese geben, denn durch den Aushieb von qualitativ minderwertigen Bäumen werden wirtschaftlich wertvolle Bäume begünstigt!
Innerhalb der Gruppenarbeit wird auch darauf hingewiesen, dass die ausgewählten und markierten Bäume auch eine «Wertastung» über sich ergehen lassen müssen. D.h. ab Erdoberfläche wird eine Entastung vorgenommen, diese beträgt mindestens vier Meter (bei Laubhölzer) und kann bis deren 12 Meter ab Boden betragen. Ein solche Arbeitsausführung erfolgt während der Vegetationszeit z.B. mit einer Stangensäge/-schere.
In ihrem Wissen erweitert und gestärkt durch diese neuerworbene Waldpraxis sowie einem Abschlusstest, konnten die Forstwart-Lehrlinge, die unmittelbar vor dem Übergang ins zweite Lehrjahr stehen, bereichert an Ausbildung entlassen werden.

Übrigens: In Oensingen gibt es seit Sommer 2017 auch einen Waldlehrpfad zu besichtigen und abzulaufen. Auf einem Rundkurs von ca. 1,2 Kilometern stehen deren 10 Informationstafeln bereit, um sich mit vielseitigen Themen zu Wald, Jagd und Holz auseinanderzusetzen! Der Start zu diesem Waldlehrpfad ist beim Parkplatz zu Beginn der Roggenstrasse.

Text und Fotos: Bruno Heiniger