Leserbeitrag

Wer lange raucht, wird alt

Fritz Briner
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Der Parlamentarierclub hat eingeladen zum Vortrag von Heinrich Villiger, der die Villiger Söhne AG in dritter Generation führt.

Der 84-Jährige berichtete agil, humorvoll und persönlich betroffen vom

„Kreuzzug der Behörden gegen Freiheit und Unternehmertum“.

Eine neue EU-Richtlinie möchte der Tabakbranche am liebsten den garaus machen. Bald sollen Packungen von Tabakwaren zu 75 % Warnhinweise und –Fotos tragen, so dass kaum mehr ein Markenname auf der Packung Platz hat. Immer neue Verschärfungen zwingen den Unternehmer zur Herstellung unendlich vieler Varianten an Design, Druck, und Preisetiketten in allen Sprachen für die verschiedenen Länder. Schon diese Kosten könnten eine Firma in den Ruin treiben.

Aber offenbar geht es der ehemaligen „Schweizer Stumpenfabrik“, die als weltweites Cigarrenunternehmen „Villiger Söhne AG“ in 80 Länder exportiert, gut. Sie gebe auf drei Kontinenten rund 1500 Mitarbeitern Ein- und Auskommen. Villiger arbeite, unterstützt von Enkelkindern, als Inhaber mit. Auf die Frage „Warum?“ gibt er ebenso verschmitzt wie schlagfertig die Antwort „Weil mir keiner kündigen kann“.

Eine besonders charmante Enkelin verteilte den Zuhörern ein Bhaltis in Form einiger der legendären „Krummen“. Auf dem Weg zum Bahnhof wurde eine davon genüsslich degustiert. Der Vorsatz, sowohl die EU-Richtlinie als auch alles über die „Krumme“ zu lesen, führte zur Erkenntnis, dass man das Geburtsdatum eingeben muss, um sich über das Tabakprodukt zu informieren. Und dass diese Schikane wohl schon eine Folge der neuen EU-Richtlinie ist, welche 68 Seiten (!) dick ist.

Man erinnert sich im Vergleich, die zehn Gebote umfassen 279 Wörter

Die Richtlinie ist lesenswert als ein Paradestück diktatorischer, perfektionistischer Regulierungswut.

Die Delegation der SVP Windisch, welche fasziniert dem Doyen der Villiger-Gruppe lauschte, bedauerte bloss, dass sich Heinrich Villiger nicht durchsetzte wie Helmut Schmidt, leider während seines Vortrags keine Cigarre rauchte, oder gar den Saal für eine Stunde zum Fumoir erklärte.

Der Parlamentarierclub ist eine „Erfindung“ der Jungen SVP, welche einen sympathischen und kämpferischen Referenten präsentiert hat, der mit (oder trotz) seinem Cigarrenkonsum (eine bis drei pro Tag laut seiner Aussage) ein biblisches Alter erreicht hat.

Wir freuen uns auf die Einladung zum Parlamentarierclub 2016.