Leserbeitrag
Widerstand gegen Dauerbeschallung in Riniken

Marcel Siegrist
Merken
Drucken
Teilen

Die Interessengemeinschaft «Attraktives Riniken» ARI hat am letzten Samstag zu einem Informationsanlass «Kein Nagra-Bohrturm» ins Krähtal eingeladen. Über hundert Leute fanden sich im Schützenhaus ein. Der Widerstand gegen den Nagra-Bohrlärm trifft den Nerv der Bevölkerung.

Fast hat es den Anschein eines Volksfestes im Riniker Krähtal: Rote Ballontrauben kleben an Markierungspfosten auf der Wiese neben dem Schützenhaus, ein einziger Riesenballon schwebt in der Mitte des Feldes auf 30 Metern Höhe. Die Rinikerinnen und Riniker strömen zum Schützenhaus, es sind Familien mit Kindern, Ehepaare – eine ältere Dame lässt es sich nicht nehmen und nimmt den Weg mit dem Rollator auf sich.

Der Grund für den Anlass war ernsthafter Natur: Zwischen den beiden Dorfteilen und angrenzend ans Naturschutzgebiet «Chrendel» plant die Nagra, auf Ende 2018 mit einer Tiefenbohrung zu beginnen. Beinahe hundert Einsprachen aus Riniken gingen beim Bundesamt für Umwelt (BFU) ein. Die sich nun formierte Interessengesellschaft «Attraktives Riniken» ARI hat es sich zum Ziel gesetzt, die Kräfte der Einsprechenden zu bündeln und die Bevölkerung verständlich und anschaulich über die anstehenden Probleme und das Verfahren zu informieren.

Die Referenten des Kernteams von ARI konzentrierten sich auf vier Themenbereiche: Naturschutz, Lärm und Erschütterung, Schulweg und wirtschaftliche Nachteile. Malu Strauss legte dar, dass das Bohrfeld unmittelbar neben dem kantonalen Naturschutzgebiet platziert ist, das eine Vielfalt an geschützten Pflanzen und Tieren beherbergt. Eine Exkursion mit dem kantonalen Fledermausexperten brachte Überraschendes zutage: Er entdeckte eine Kolonie von Zwergfledermäusen und registrierte fünf verschiedene Fledermausarten, die hier ihr Jagdgebiet haben. Problematisch sei dabei die geplante nächtliche Beleuchtung des Bohrgeländes. Und für die Wildtiere wie der erst seit kurzem wieder beobachtete Feldhase oder für Rehe bedeute der zusätzlich zum Tag nun auch nächtliche Lärm und das Licht Stress.

Lärmschutzexperte Konrad Vögele erklärte anschaulich, welche Dorfteile vom Lärm betroffen sein würden und das 24 Stunden lang und 7 Tage die Woche. Im Nagra-Gesuch steht 55 dBA – das entspricht einem lauten Gespräch, und ist nur mit dem Makel behaftet, dass das laute Gespräch leider kein Ende findet. Da es in Riniken aber zusätzliche Lärmquellen gibt, wie zum Beispiel der nicht sanierte Schiessplatz, müsse zwingend ein Lärmgutachten erstellt werden. Ein weiteres Problemfeld: Die Nagra rechnet mit keinerlei Erschütterung. Dem widerspricht der Refernt, da es Häuser gibt, die auf Fels gebaut sind (wie es schon der Flurname Platte verrät) und sich Erschütterungen durch den Fels übertragen.

Wie gefährlich der Schulweg für die Kinder sein wird, erläuterte Ralf Seidel. 50 Lastwagenfahrten pro Woche sollten über eine Quartierstrasse ohne Trottoir erfolgen. Mittels eines Films zeigte Ralf Seidel die unübersichtliche Situation auf. Gestellte Bilder eines kleinen Lastwagens mit danebenstehenden Kindern, machten jedem klar, dass hier kaum ein sicheres Durchkommen war. Astrid Baldinger legte dar, dass sich Liegenschaften während der Bohrzeit wohl nur unter ihrem Wert verkaufen lassen und Private finanzielle Verluste in Kauf nehmen müssen.

Andreas Brack erläuterte den Stand des Verfahrens und bot den Einsprechenden an, dass ARI bereit sei, sie zu vertreten und Abklärungen zu verfassen.

In der anschliessenden Disskussion war der Missmut gegenüber dem Projekt spürbar. Da es bereits 1983 eine Bohrung gab, stellte sich die Frage, warum es nun nochmals eine brauche, nur einen Kilometer weiter. Die Nagra hatte zwei Mitarbeiter vor Ort und konnte direkt eine Antwort geben: Sie gab geologische Gründe an. Ein Teilnehmer schilderte seine unerfreulichen Erfahrungen mit der Nagra, die er anlässlich der Seismischen Messungen machte. Damit belegte er, dass das Thema Erschütterung wohl problematischer sein würde als es die Nagra angibt. Auf die Frage, ob ARI eine Bohrung denn an einem anderen Standort befürworten würde, war die Antwort, dass man nicht pauschalisieren könne, sondern jede Situation konkret prüfen würde. Kritik kaum auf, dass man mit dem Ablehnen des Bohrturms, die Abklärung um die Eignung des Bözbergs als Endlager für hoch- und mittelradioaktive Abfälle verhindere. Die Interessengemeinschaft machte aber klar, dass es bei diesem Anlass nicht darum gehe, ein Tiefenlager zu verunmöglichen, verhindert werden soll der Bohrstandort Riniken, der der Bevölkerung nur Nachteile bringe. Aufgrund vieler positiver Reaktionen ist das Kernteam der IG ARI motiviert, weiterzumachen.

Astrid Baldinger, Für die Interessengemeinschaft Attraktives