Leserbeitrag
Wir sollten uns bewegen

Energie-Apéro in Aarau

Marcel Siegrist
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Im Aarauer Kultur und Kongresszentrum freuten sich die interessierten Teilnehmer auf einen weiteren „Energie-Apéro". Um die hundert Energie-Interessierte hatten sich für den zweiten Apéro der Saison angemeldet, welcher vom lokalen Energieversorger IBAarau AG organisiert wurde.

Das Thema des Abends: „Mobilität - wir sollten uns bewegen". Referent Michel Müller, Umweltwissenschafter bei der Fachstelle Energie des Kantons Aargau, brachte die verschiedenen Aspekte unserer Mobiltätsbedürfnisse zur Sprache und zeigte, wie wir diese erfüllen könnten. Die doppelte Bedeutung des Titels - gemeint waren sowohl die gesunde persönliche Bewegung wie auch die Bewegung in Bezug auf die Wahl unserer Fortbewegungsmittel - kam in Müllers Präsentation gut zur Geltung.

Energie
Als Einstieg in den technischen Teil zeigte Müller wie wir mit unseren „normalen" Autos wesentlich effizienter (und benzinsparender) umgehen könnten. Nebenbei wurden interessante Energie-Vergleiche präsentiert: Beispielsweise, dass ein bekannter Schokoladenriegel pro Gramm Gewicht achtmal mehr Energie enthält als TNT-Sprengstoff, Benzin sogar fünfzehn Mal mehr. Nur wird bei Letzterem nicht alles auf einmal freigesetzt!

Geschichtliches
Michel Müller warf einen Blick auf die Geschichte des Autos. Nach ersten Versuchen mit Dampfmotoren waren bald elektrisch angetriebene Vehikel anzutreffen. Die hervorragende Energiedichte des Benzins aber verdrängte bald die Elektroautos, die mit der begrenzten Kapazität der damals verfügbaren Batterien kämpften. Heute setzt die Schweiz nach wie vor auf Autos mit Benzin- und Dieselantrieb. Die Schweiz ist dabei stark „motorisiert" und hat die leistungsstärkste Autoflotte Europas. Müller: „Die Berge sind hoch, das Portemonnaie ist gross, und die Steuer ist niedrig".

Umweltanliegen
Im Sachen Umweltschutz sei einiges gemacht worden bezüglich des Ausstosses von Kohlenmonoxid (CO) und Kohlenwasserstoffen (HC). Hier wurden seit 1980 grosse Reduktionen erreicht. Die grossen Herausforderungen heute sind die Reduktion des Kohlendioxid (CO2)-Ausstosses und der haushalterische Umgang mit der Energie, welche für unsere Mobilität gebraucht wird. Die gesetzten Ziele bezüglich der Reduktion des Energieverbrauchs von Fahrzeugen werden eindeutig nicht erreicht - die zum Teil grossen technologischen Anstrengungen der Autohersteller werden teilweise durch den Kauf von schwereren Fahrzeugen und durch das Fahren von grösseren Distanzen zunichte gemacht.

Der Weg zur Energieeffizienz
Michel Müller präsentierte zwei mögliche Wege, um die Energieeffizienz der Autos zu erhöhen: Einerseits bessere, sparsamere Fahrzeuge mit konventioneller Technologie, andererseits die Einführung neuer Technologien wie Hybridautos, Elektroautos oder durch die vermehrte Nutzung von Biotreibstoffen. Letztere seien aber laut einer Studie der EMPA nicht unbedingt umweltfreundlicher als Benzin, meinte Müller, und die benötigte Anbaufläche hierzulande würde gar nicht zur Verfügung stehen.

Elektroantrieb und Brennstoffzellen
Bei den „neuen" Technologien für das Auto komme es sehr darauf an, woher der benötigte Strom komme. Müller zeigte in einigen Grafiken, dass - je nach Stromherkunft - solche Antriebe gegebenenfalls schlechter dastehen als konventionelle Benzin- und Dieselmotoren.

Männliches Verhalten?
Auch wenn es durchaus effiziente Fahrzeuge auf dem Markt gibt, werden nicht immer die ökologisch „besten" gekauft. Müller ortete hier „männliches" Verhalten: Sportliche Modelle mit hoher Motorisierung und Dynamik - und mit entsprechend hohem Treibstoffverbrauch - werden gekauft. Wer sich jedoch des Klima- bzw. Energieproblems bewusst ist, und sein eigenes Verhalten als relevant ansieht kauft eher die umweltfreundlicheren Fahrzeugvarianten, meinte Müller.

Umweltetikette und -abgaben
Die Energie-Etikette und Umweltlisten wie diejenige vom VCS helfen, das richtige Fahrzeug auszuwählen. „Ein Wechsel zum kleinsten erhältlichen Motor des gleichen Models kann über 50% CO2 einsparen", meinte Müller. Auf die ganze Flotte bezogen könnte ein Wechsel zum kleinsten erhältlichen Motor des gleichen Modells 20% CO2 eingespart werden. In der ganzen Schweiz machen die Motorfahrzeugabgaben lediglich 3,4% der durchschnittlichen Betriebskosten für Motorfahrzeuge aus: Im Kanton Aargau mit sehr tiefen Abgaben sogar nur 2,5%. Über 42% gehen zu Lasten von Amortisation, Wertminderung und Zinsen. Durch die „Ökologisierung" der Motorfahrzeugabgaben soll die Motorfahrzeugabgabe ökologische Aspekte besser berücksichtigen.

Motorfahrzeugabgabe
Zwei Modelle werden zurzeit geprüft: Entweder soll der Energieverbrauch oder die Antriebsleistung besteuert werden. Jedes Fahrzeug hätte einen Grundbetrag zu entrichten. Mittels eines Bonus/Malus-Systems (Basis: Energie-Etikette) würde die Abgabe für neue Fahrzeuge bestimmt. Die Vor- und Nachteile der vorgeschlagenen Varianten wurden ausführlich unter die Lupe genommen.

Fragen und Apéro
Das interessierte Publikum nahm gerne die Gelegenheit wahr, am Schluss des inhaltreichen Referats Fragen zu stellen. Beim anschliessenden Apéro konnte bei einer kleinen Erfrischung das Thema mit dem Referent weiter vertieft diskutiert werden. (aha)

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