Leserbeitrag

Wo die Turmfalken fliegen

Andrea Fuchs Burkard
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Bilder zum Leserbeitrag

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Andrea Fuchs

Die erste der diesjährigen Jubiläums-Exkursion des Natur- und Vogelschutzvereins Wohlen führte in den Biohof Bollhof. Fast wie ein Wahrzeichen ziert ein Turmfalkennistkasten den Stall von Ruedi, Lisbeth und Dominik Donat. Vor 40 Jahren war der Turmfalke stark gefährdet – der Einsatz von DDT gefährdete Greifvögel. Heute zieht hier regelmässig ein Turmfalkenpaar seine Jungen auf. Zur Biolandwirtschaft war Ruedi Donat über die Politik gekommen: Der Nitratgehalt des Trinkwassers war viel zu hoch – er wollte etwas dagegen tun und stellte den Hof auf Biorinderhaltung um. Dies braucht wesentlich mehr Arbeitsgänge, schont aber den Boden und arbeitet mit der Natur statt mit Gift. Donat hat den Wechsel nie bereut. Rinderflechte bekämpfte er zum Beispiel erfolgreich mit aufgehängten Kreuzdornästen. Nicht dass er besonders daran geglaubt hätte, als er es ausprobierte, aber es funktioniert bis heute. Sohn Dominik Donat berichtet von der geplanten Hühneraufzuchtanlage, für die er zuständig ist – der Hof wird inzwischen von beiden Generationen geführt und das Projekt ist in die Zukunft gerichtet, wie es auch die Photovoltaikanlage war, eine der ersten der Region.

Thomas Burkard, Co-Präsident und seit Beginn aktives Mitglied des Natur- und Vogelschutzvereins, ergänzte mit Informationen zu Natur und Wildtieren. Seit Jahren findet eine punktuelle Zusammenarbeit vom Bollhof mit dem Naturschutzverein statt: die 1996 gemeinsam gepflanzte und finanzierte Baumallee, jeder Baum eine andere alte Apfel- oder Birnensorte; die 350 m lange Hecke entlang dem Bahndamm, für die in einer Grossaktion mit vielen Freiwilligen 700 Sträucher gesetzt wurden und die vom schweren Hagel 2011 arg in Mitleidenschaft gezogen worden war, sich heute aber sehr gut entwickelt; der seit Jahren regelmässig besetzte Turmfalkenkasten. Das Turmfalkenpaar demonstriert eindrücklich, wie nützlich es sich macht. So konnte die Exkursionsteilnehmenden beobachten, wie immer wieder von den Turmfalken der Nistkasten mit erbeuteten Mäusen angeflogen wurde. Der Schleiereulennistkasten wird seit Jahren von Dohlen beansprucht. Diese seltene Art brütet meistens in Kolonien - wie z.B. im Kirchturm Boswil. Auf dem Bollhof brüten sie nicht, besuchen aber immer wieder den Kasten. Vom breiten Wiesenstreifen neben der Hecke bis zur schönen Blumenwiese neben dem Haus – immer wieder beeindruckt und erfreut die Vielfalt der Natur das Auge. Auch dies unterscheidet den Biohof von konventionell geführten Höfen.
Zum Schluss sitzte man bei Most, Zopf und Kuchen gemütlich zusammen und genoss den herrlichen warmen Tag. Der NVW bedankte sich mit einem Rauchschwalbennistkasten für die Führung – und gab damit der Hoffnung Ausdruck, dass sich das eine oder andere Paar Rauchschwalben wieder für diesen Standort entscheidet . Lisbeth Donat wusste zu berichten, dass einzelne Schwalben schon auf Besichtigungstour gewesen seien, niedergelassen hätten sie sich dieses Jahr aber noch nicht. Wer weiss, ob sie im Hoftheater nächste Woche plötzlich doch wieder im Stück mitspielen. Die Schwalben sind selten geworden, unsere Gesellschaft trägt die Verantwortung, die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten. Der Bollhof trägt seinen Teil dazu bei.
Natur- und Vogelschutzverein Wohlen