Abstimmung
Pestizide: Zuger Fischer spüren die Auswirkungen indirekt – weil die Insektenbestände kleiner werden

Für den Präsidenten des Kantonalen Fischerei-Verbandes ist klar, dass das Grundwasser besser geschützt werden muss. Seine Organisation unterstützt deshalb die beiden Initiativen, über die am 13. Juni abgestimmt wird.

Rahel Hug
Merken
Drucken
Teilen
Egli aus dem Ägerisee. Im Jahr 2018 führte das Amt für Wald und Wild eine Untersuchung der Fischfauna durch.

Egli aus dem Ägerisee. Im Jahr 2018 führte das Amt für Wald und Wild eine Untersuchung der Fischfauna durch.

Bild: Werner Schelbert (28. August 2018)

Die beiden Agrar-Initiativen, über die das Schweizer Stimmvolk am 13. Juni abstimmt, geben zu reden. Die Trinkwasserinitiative verlangt, dass nur Bauern, die auf Pestizide verzichten, Direktzahlungen erhalten sollen. Ausgeschlossen von den Subventionen werden auch Betriebe, die vorbeugende Antibiotika und zugekauftes Futter verwenden. Die Pestizidinitiative hingegen will synthetische Pestizide in der Landwirtschaft ganz verbieten, auch den Import von Produkten, die mit solchen hergestellt wurden. Entsprechend laut äussern sich Landwirte zum Thema – sie wären von einer Annahme besonders betroffen. Doch auch die Fischerei ist davon berührt: Kürzlich hat der Schweizerische Fischerei-Verband seine Kampagne gestartet, er setzt sich für ein doppeltes Ja ein.

Die Fischerei hat im Kanton Zug eine lange Tradition, sogar der Name «Zug» rührt möglicherweise vom Wort «Fischzug» her. Wie steht der hiesige Verband zum Thema? Präsident Peter Diehm und seine Kollegen vom Vorstand teilen die Meinung der Dachorganisation. «Wir haben zwar keine Delegiertenversammlung durchgeführt und entsprechend keine offizielle Parole gefasst, doch im Vorstand sind wir uns grossmehrheitlich einig», sagt Diehm. Einig darüber, dass das Grundwasser besser geschützt werden müsse. «Es ist an der Zeit, hier ein Zeichen zu setzen», ist der Fischer aus Hagendorn überzeugt. Aus seiner Sicht braucht es griffige Regeln, «um die Kontaminierung von Grundwasser und Böden zu verringern».

Überschreitung der Grenzwerte im Grundwasser

Peter Diehm, Präsident des Zuger Kantonalen Fischerei-Verbandes.

Peter Diehm, Präsident des Zuger Kantonalen Fischerei-Verbandes.

Bild: PD

«Es gibt immer mehr Fälle von Quellfassungen, bei denen eine Überschreitung der Grenzwerte festgestellt wird», erklärt Diehm und nennt das Beispiel der Grundwasserpumpwerke Hasentalweid 1 in Menzingen und Drälikon in Hünenberg. Dort wurden Rückstände des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil festgestellt, wie eine Studie letztes Jahr zeigte. Das Pflanzenschutzmittel wurde per Anfang 2020 verboten. Ohne strengere Regeln, ist Diehm der Ansicht, werde man «in 50 Jahren nur noch Mineralwasser aus der Flasche trinken können».

Die Auswirkungen von Pestiziden spüren die Zuger Fischer laut dem Verbandspräsidenten indirekt: über das fehlende Nahrungsangebot für Fische. «Es gibt kaum Insekten mehr», stellt Peter Diehm fest. «Wenn ich abends draussen unterwegs bin, ist es auffallend, wie wenig Insekten über den Gewässern fliegen. Das war vor ein paar Jahren noch anders.» Das wirke sich negativ auf das Wachstum und die Population aus. Auch habe man bei Fischen Schädigungen der Organe inklusive der Geschlechtsorgane festgestellt.

Belastung in den Zuger Seen ist gering

Das kantonale Amt für Umwelt, das bei der Baudirektion angesiedelt ist, hat im August 2020 die Pestizidbelastung im Zugersee gemessen. Die Messungen würden ein erfreuliches Bild zeigen, sagt Baudirektor Florian Weber auf Anfrage. Es wurden Wasserproben im Nord- und Südbecken des Sees aus verschiedenen Seetiefen hinsichtlich 59 Pestiziden und Abbauprodukten untersucht. Im Ergebnis liegen die meisten der untersuchten Stoffe unterhalb der Bestimmungsgrenze von 0,01 Mikrogramm pro Liter. «Die wenigen Messresultate über der Bestimmungsgrenze halten die gewässerschutzrechtlichen Anforderungen ein», so Florian Weber.

Im Ägerisee wurden bislang keine Proben bezüglich der Pestizidbelastung untersucht, «da hier eine noch geringere Belastung als im Zugersee erwartet wird». Dies deshalb, weil im Ägerital aufgrund der Höhenlage und der Topografie weniger Ackerbau betrieben wird als am Zugersee und im Einzugsgebiet des Sees eine Menge Wald vorhanden ist. Weber: «Untersuchungen des Wasserforschungsinstituts EAWAG zeigen, dass übermässige Belastungen mit Pestiziden insbesondere in kleinen Fliessgewässern mit intensivem Ackerbau, Gemüsebau und Obstbaunutzung im Einzugsgebiet auftreten.»

Der Kanton Zug ist aber laut Diehm weniger stark betroffen als andere Regionen. «Im Mittelland beispielsweise, wo eine noch intensivere Landwirtschaft betrieben wird, ist das Problem akuter.» Im Zuger- und im Ägerisee seien kaum negative Auswirkungen durch Pestizide spürbar. «Hier kämpfen wir vielmehr mit dem zu tiefen Sauerstoffgehalt, aber das ist kein Problem, das durch Pestizide, sondern durch zu hohe Nährstoffzufuhr ausgelöst wird.» Anders ist es in den Fliessgewässern: Dort herrsche ein «grosser Druck» auf die Fischbestände. Dies aber nicht nur wegen der Landwirtschaft, sondern auch wegen der Wassertemperaturen oder fehlender natürlicher Unterstände.

Eher kurze Übergangsfristen

Auch wenn für die Zuger Fischer die Initiativen im Detail noch Verbesserungspotenzial hätten – Diehm nennt etwa die aus seiner Sicht eher kurzen Übergangsfristen von acht Jahren bei der Trinkwasser- und von zehn Jahren bei der Pestizidinitiative – überwiegen für sie die Pro-Argumente. «Wir alle leben vom Grundwasser und von unseren Böden und haben ein Interesse an qualitativ gutem und sauberem Wasser.»