Die Benediktinerinnen feiern

888 Jahre Kloster Fahr: Von der Bundesrätin gab es eine Doris-Rose

Mit einer Feier wurde gestern der Gründung des Klosters Fahr am 22. Januar 1130 gedacht. Von Bundesrätin Doris Leuthard gab es eine besondere Blume als Geschenk. Die Schwestern beschenkten sich selber – mit einem Buch, das im Herbst erscheinen wird.

Sandro Zimmerli
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888 Jahre Kloster Fahr
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 «Ihr bezeugt mit eurer blossen Präsenz, dass es im Leben mehr gibt als die Unrast, den Unfrieden und die Ziellosigkeit», sagte Abt Urban Federer vom Kloster Einsiedeln.
 Auch der Zürcher Regierungsrat Thomas Heiniger und sein Aargauer Kollege Markus Dieth wohnten der Feier bei.
 Die Schwestern sind überzeugt, dass im Kloster Fahr weiter benediktinische Spiritualität gelebt wird. Auch wenn sie nicht wissen, wie das aussehen wird.
 Weitere Impressionen von der Feier.
 Weitere Impressionen von der Feier.
 Weitere Impressionen von der Feier.

888 Jahre Kloster Fahr

Severin Bigler

Ein runder Geburtstag war es nicht, der gestern im Kloster Fahr begangen wurde. Dennoch war er speziell. Auf den Tag genau vor 888 Jahren begann die Geschichte des Klosters. Am 22. Januar 1130 schenkte Freiherr Lütold II. von Regensberg seinen Grundbesitz an der Limmat dem Kloster Einsiedeln, mit der Bedingung dort ein Frauenkloster zu bauen. Seither haben «unzählige Schwestern diesen Ort belebt, gehütet und gepflegt», wie Priorin Irene in ihrer Ansprache sagte.

Die Frauen im Fahr hätten immer wieder die Zeichen der Zeit erkannt und mutige Schritte gewagt, etwa mit der Gründung und dann auch der Schliessung der Bäuerinnenschule. «Die Frauen im Fahr haben Geschichte geschrieben, auch wenn in den Archiven dazu wenig zu lesen ist. Die Handschrift ist der Ort selber, so wie er sich heute zeigt», sagte die Priorin.

Illustre Gäste

Ein Ort, der nicht nur von vielen Limmattalern bis heute als ruhige Oase geschätzt wird. Dass die Verbundenheit mit dem Kloster weit über die Region hinaus gross ist, zeigte sich auch an den Gästen, die an der gestrigen Feier zugegen waren. Neben Vertretern der Kirche, wie dem Basler Bischof Felix Gmür oder Abt Urban Federer vom Kloster Einsiedeln, zu dem Fahr bis heute gehört, fanden auch die Aargauer beziehungsweise die Zürcher Regierung mit den Regierungsräten Markus Dieth und Thomas Heiniger den Weg ins Limmattal.

Und auch der Bund war in Person von Verkehrsministerin Doris Leuthard in der Klosterkirche vertreten. Denn den Schwestern sei es wichtig gewesen, für die Festansprache eine Frau zu gewinnen, sagte die Priorin. «Da es in der katholischen Kirche noch keine Bischöfinnen gibt und auch keine weiblichen Kardinäle, sind wir aus der kirchlichen Welt hinausgegangen in die Politik. Und da haben wir mutig an der obersten Stelle angefragt», so die Priorin.

«Die Benediktinerinnen behaupten sich, weil sie sich selber treu bleiben und dennoch mit dieser anderen Welt zusammenarbeiten, ohne Angst, neugierig, ohne sich verbiegen zu lassen.»

Doris Leuthard

Leuthard versicherte, dass sie für ihre Zusage nicht lange habe überlegen müssen. Auch sie strich in ihrer Rede das Wirken der Frauen im Fahr heraus, die sich, umgeben von Anderartigkeit, besonders behaupten mussten. «Das Kloster und die Benediktinerinnen behaupten sich, weil sie sich selber treu bleiben und dennoch mit dieser anderen Welt zusammenarbeiten, ohne Angst, neugierig, ohne sich verbiegen zu lassen. Fast so, wie die Schweiz», sagte sie.

Daraus, so die Bundesrätin, lasse sich lernen. Etwa, dass es sich nicht lohne, sich abzuschotten. «Wir müssen andere Staaten nicht lieben. Aber wir sollten unseren Nachbarn auch nicht die Türe vor der Nase zuschlagen oder die Europäer zum Feind der Schweiz hochstilisieren», hielt Leuthard fest. Sie wisse, in einer Welt der Unruhe, der Gewalt, der Unsicherheiten sei Orientierung nicht leicht.

Lebensgeschichten in Buchform

«Und was tun wir in der Glückseligkeit der Schweiz?», fragte Leuthard. «Wir zelebrieren politische Leadership und Fachkompetenz wortreich im verbalen Kleinkrieg um 70 Franken mehr AHV-Rente oder einen Franken pro Tag für Radio und Fernsehen», gab sie die Antwort gleich selber. Vom wirklich Wichtigen liessen wir aber tunlichst die Finger. Die Welt sei komplex. All die Probleme zu lösen sei schwierig. «Aber mit Gewalt, Unterdrückung und Parolen ist es nicht getan. Gemeinsam vernetzt, indem alle Verantwortung übernehmen, so hat man eine Chance», hielt Leuthard fest.

Die Geschichte des Klosters Fahr zeige, dass die Frauen schon im 12. Jahrhundert Verantwortung übernommen haben, schloss sie den Kreis, ehe sie Priorin Irene eine Doris-Rose als Geschenk überreichte. «Sie ist widerstandsfähig und hat auch ein paar Dornen», so die Bundesrätin.

«Wir wissen nicht, was kommt. Das macht uns stark. Das Vertrauen und die Treue all der Benediktinerinnen, die hier gewirkt haben, geben uns Mut.»

Priorin Irene

Die Rose war nicht das einzige Geschenk des Abends. Denn die Schwestern beschenkten sich gleich selbst. «Wir haben unsere Lebens- und Berufungsgeschichte erzählt und Susann Bosshard-Kälin hat sie aufgeschrieben. Christoph Hammer hat uns in den vergangenen Monaten mit der Fotokamera begleitet», sagte die Priorin. Daraus wird das Buch «Ora et labora – die Benediktinerinnen vom Kloster Fahr» entstehen, das am 1. September erscheint. Dann wird im Kloster wieder gefeiert.

Bis dahin werden die Schwestern weiter ihr stilles und treues Leben leben, wie das schon Generationen vor ihnen getan haben. «Das Kloster Fahr ist im Limmattal, so nahe bei der Stadt Zürich, mehr als eine Naturoase. Es ist eine Oase der jahrhundertealten Stabilität, des einfacheren Lebensstils, des rhythmisierten Lebens, der Gottsuche», wie Abt Urban Federer sagte. Und das soll auch so bleiben. Die Schwestern seien überzeugt, dass hier weiter benediktinische Spiritualität gelebt werde, auch wenn man nicht wisse, wie das aussehen werde, sagte Priorin Irene. «Wir wissen nicht, was kommt. Das macht uns stark. Das Vertrauen und die Treue all der Benediktinerinnen, die hier gewirkt haben, geben uns Mut.»

Der Name Fahr

Eine Fähre stand Pate

Obwohl nicht mit letzter Sicherheit feststeht, woher der Name Vare beziehungsweise Fahr stammt, dürfte eine Fähre Pate gestanden haben für den Ort an der Limmat. Ein Beleg dafür ist das Wort Vare selbst, ein anderer die Propstsiegel, auf denen schon früh zwei Ruder und später zwei Stacheln zu sehen waren.