Biketrails

«An manchen Tagen ist es wie in einem Vergnügungspark»: Es gibt immer mehr illegale Biketrails

In den Wäldern von Oetwil, Geroldswil und Weiningen entdeckt man immer mehr Biketrails. Die illegalen Routen stören die Wildtiere.

Carmen Frei
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Die illegalen Trails der Biker sind an einigen Orten bereits sehr breit.
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Hier haben sich die Wildschweine den Trail zunutze gemacht.
Der Gratweg auf dem Altberg wird von den Bikern als Trail genutzt.
Martin Peter plädiert im Wald für ein friedliches Miteinander.
Viele der illegalen Trails entstehen, da die Waldstrasse zu wenig interessant für die Biker sind.
Dagegen sind die steilen Trails für die Biker noch eine Herausforderung.
Die illegalen Biketrails nehmen stetig zu

Die illegalen Trails der Biker sind an einigen Orten bereits sehr breit.

Carmen Frei

Wie ein feines Netz legen sich die Biketrails über die Wälder von Oetwil, Geroldswil und Weiningen. Für das ungeschulte Auge sehen sie wie kleine Wanderwege aus. Doch Martin Peter, Jagdaufseher der Jagdgesellschaft Altberg Süd, verweist auf die Velospuren, die am Boden erkennbar sind. Beim Gang durch den Wald finden sich viele kleine Pfade, die vom Wanderweg abzweigen. Peter hat vor allem in den letzten fünf bis sechs Jahren eine Zunahme beobachtet. Zum Teil sehen die Routen durch das Dickicht sehr professionell gestaltet aus, sodass sie nicht als illegale Pfade erkennbar sind.

Doch die Biketrails sind nicht nur illegal, sie stören auch die Wildtiere in den Wäldern. «Gerade in der Nacht sehen wir das Problem», so Peter. «Viele der Biker sind in Gruppen und mit Stirnlampen auf den Trails unterwegs.» Er weist auf eine Suhle in einer Waldlichtung hin, welche die Wildschweine benutzen. Einige Meter daneben verläuft ein Biketrail. Am Tag sieht man ihn kaum, in der Nacht kann er jedoch durch die Lampen der Biker sehr hell werden. Die Wildtiere werden dadurch gestört. Vor allem in der Zeit, in der sie ihre Jungen aufziehen, sollte Rücksicht genommen werden. «Wir haben darum bereits Hinweisschilder aufgestellt», sagt Peter. Die Trails wurden ausserdem mit Absperrband blockiert. Allerdings hatte beides nicht die gewünschte Wirkung.

Laufend neue Trails trotz Verbot

Dabei ist die rechtliche Situation unmissverständlich. Im Kantonalen Waldgesetz und in der Kantonalen Waldverordnung ist festgehalten, dass das Reiten und Radfahren auf Trampelpfaden und Rückegassen untersagt ist. Die Jagdaufseher könnten bei Zuwiderhandlungen einschreiten. Das sei aber eigentlich die Aufgabe der Polizei, meint Peter. Ausserdem möchte man den Konflikt nicht noch verschärfen. Denn Peter erklärt, dass ein Verstoss nicht nur eine Ordnungsbusse nach sich ziehe, sondern eine Übertretung, die dann beim Statthalteramt landet.

Trotzdem gibt es laufend neue Biketrails, die immer stärker genutzt werden. Laut Peter sind es einerseits Trampelpfade, welche die Biker nutzen. Mit der Zeit werden sie von den Bikern übernommen und fast nicht mehr von Wanderern benutzt. Andererseits handelt es sich um Rückegassen. Das sind Gassen der Forstwirtschaft, die entstehen, wenn Bäume zur Holzgewinnung und zur Bereicherung der Vegetation am Waldboden abgeholzt werden. Biker nutzen die brach liegenden Pfade als Trails. Inzwischen werden sie mit Geäst und Holz versperrt, doch oft wird das Absperrholz einfach weggeräumt oder umfahren.

Immer mehr Personen zieht es in den Wald

Für die Zunahme der Biketrails gibt es laut Peter verschiedene Gründe. Zum einen hat er eine allgemeine Zunahme an Outdoor-Sport festgestellt. «Es sind nicht nur die Biker. Es gibt ausserdem Reiter, Wanderer und Orientierungsläufer. An manchen Tagen sieht es hier wie in einem Vergnügungspark aus», erklärt er. Zum anderen sind die Waldstrassen vielerorts verbreitert worden, was für Biker uninteressant ist. Inzwischen gibt es auch legale Biketrails, zum Beispiel auf dem Uetliberg. Auf dem Altberg wird seit geraumer Zeit der Gratweg von Hüttikon bis Regensdorf von den Bikern als Trail verwendet. Er verläuft häufig parallel zum Wanderweg.

Dieser Grattrail ist anders als viele der anderen Biketrails, die querfeldein führen und den Wildtieren viel zu nahe kommen. Laut Peter hat man bei den Wildtieren bereits Veränderungen im Verhalten beobachtet. Da der Wald bis spät abends bevölkert sei, wagten sich die Tiere erst einige Stunden später aus ihren Verstecken als vorher. Für die Jäger und Jagdaufseher werde dadurch auch ihr Job immer aufwendiger. Wenn im Wald so lange Betrieb herrsche, erhöhe sich der zeitliche Aufwand deutlich. Die vom Kanton vorgegebene Bestandsregulierung sei deshalb immer schwieriger zu erreichen.

Eine einvernehmliche Lösung ist gewünscht

Wenn Peter auf den illegalen Trails Biker antrifft, stellt er diese jeweils zur Rede. Häufig höre er dann aber, man sei sich nicht bewusst gewesen, dass es verboten sei, auf diesen Pfaden zu fahren. Peter glaubt, dass nur wenige die Trails danach nicht mehr nutzen. Er hofft darauf, dass auf überregionaler Ebene ein Weg gefunden werden kann, der für alle stimmt. Die entsprechenden Vorschriften im kantonalen Waldgesetz würden im Moment leider nicht vollzogen. Anstatt aber die Biker zu büssen, möchten die Jagdgesellschaften eine Lösung finden, die für alle einvernehmlich ist. In der Pflicht sieht er hier vor allem die Politik und den Forst. Der Wald stehe allen offen und solle auch als Erholungsraum dienen. Bis es zu konkreten Lösungen kommt, hofft er auf mehr Verständnis bei den Waldbesuchern.