Bezirksgericht Dietikon

Anklage des Schreckens: «Beschuldigter war nie in der Pfadi»

Die Schweizer Pfadi ist dem in der Anklageschrift geltend gemachten Umstand nachgegangen, dass der Limmattaler Kinderschänder einen Teil seiner Opfer in der Pfadi kennenlernte. Der Beschuldigte sei nie in der Pfadi gewesen, lautet ihr Fazit. Am Dienstag findet der Prozess statt. Es gibt bereits einen Hinweis darauf, dass der Beschuldigte womöglich in der Cevi tätig war.

David Egger
Drucken
Teilen
Das Bezirksgericht am Dietiker Bahnhofplatz.

Das Bezirksgericht am Dietiker Bahnhofplatz.

Bettina Hamilton-Irvine

Die Anklage des Schreckens, über welche die Limmattaler Zeitung am 30. März exklusiv berichtete, wird morgen Dienstag am Bezirksgericht Dietikon verhandelt. Der beschuldigte Kinderschänder, der seit über zwei Jahren in Untersuchungshaft sitzt, hat einen Teil seiner Opfer in der Pfadi kennengelernt, gab damals die fallführende Staatsanwältin an. Weiter hiess es in der Anklageschrift, dass auch in einem Pfadilager ein Übergriff stattfand. Die Pfadi zeigte sich damals bestürzt und berief einen Krisenstab ein.

Der Krisenstab hat nun viel Arbeit hinter sich und wehrt sich gegen die geltend gemachte Verbindung des Kinderschänders mit der Pfadi: Die Dachorganisation Pfadibewegung Schweiz (PBS) hat jetzt, einen Tag vor dem Prozess, eine entsprechende Medieninformation verschickt. Die Pfadi sei dem behaupteten Bezug zur Pfadi nachgegangen. «Es konnte kein Bezug zwischen dem genannten Straffall und der Pfadi gefunden werden. Der Beschuldigte war weder in der Vergangenheit Mitglied oder Leiter der Pfadibewegung Schweiz, noch ist er es aktuell», heisst es in der Mitteilung.

Hat der Beschuldigte das Vertrauen der Cevi missbraucht?

Der Inhalt der Mitteilung steht im Einklang mit einem Gespräch, das die Limmattaler Zeitung mit einer Person führen konnte, die in einer Limmattaler Pfadi engagiert ist. Sie gehört zu den Personen, welche die alten Mitgliederlisten durchforstete und kam schon vor wenigen Wochen zum Ergebnis, dass es sich beim Beschuldigten nicht um ein Pfadi-Mitglied handelte.

Dies passt auch zur Aussage, die ein Leser aus dem Umfeld einer Limmattaler Cevi-Ortsgruppe gegenüber der Limmattaler Zeitung gemacht hat: Beim Beschuldigten handle es sich um ein Mitglied der Cevi. Für diese Aussage respektive die Verbindung zur Cevi liegen zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht mehrere Quellen vor. Endgültige Klarheit wird voraussichtlich der Gerichtsprozess morgen Dienstag bringen. Gleichentags soll auch das Urteil in diesem Fall des Schreckens erfolgen.

In ihrer Mitteilung bittet die Pfadi die Medien weiter, die «tatsachenwidrige Herstellung eines Pfadibezugs» zukünftig zu unterlassen. Damit dürfte sich die Organisation vor allem auf den «Blick» beziehen, welcher den Angeklagten in mehreren Artikeln als «Pfadi-Pädo» bezeichnete. Auch andere Medien stellten den Pfadi-Zusammenhang als Tatsache dar. Dass der Mann nicht alle, aber einen Teil seiner Opfer in der Pfadi kennengelernt habe, war jedoch bisher lediglich eine Aussage der zuständigen Staatsanwältin – so hat es die Limmattaler Zeitung am 30. März geschrieben.