Wer zuletzt lacht...

Die traditionelle Begrüssung vom Küchenchef – Martin von Aesch erzählt über die Beizrunde der Köche

Traditionsgemäss begrüsst der Koch, wenn das letzte Menü die Küche verlassen hatte, bei einer Runde durchs Lokal die Gäste und fragt ob es geschmeckt hat. Unser Kolumnist erzählt, weshalb diese Beizenrunde vom Küchenchef immer mehr verschwindet.

Drucken
Teilen
Unser Schlieremer Kolumnist erzählt in seiner Coronakolumne «Wer zuletzt lacht...», weshalb die Beizenrunde vom Küchenchef immer mehr verschwindet. (Symbolbild)

Unser Schlieremer Kolumnist erzählt in seiner Coronakolumne «Wer zuletzt lacht...», weshalb die Beizenrunde vom Küchenchef immer mehr verschwindet. (Symbolbild)

Keystone

In letzter Zeit war es nur noch in Ausnahmefällen üblich, sich beim Gast nach der Zufriedenheit mit dem Aufgetischten zu erkundigen. Früher hingegen war es gang und gäbe, dass der Küchenchef – natürlich erst dann, wenn das letzte Menü die Küche verlassen hatte – sich ein neues, blütenweisses Küchendress überstreifte, um sich auf eine Runde durchs Lokal aufzumachen. An jedem Tisch blieb er kurz stehen, diejenigen die er kannte, begrüsste er mit Handschlag, den anderen nickte er zu und fragte dann: «Wars recht?» Wenn der Gast bejahte, lächelte er ein leises Dankeschön über den Tisch.

Falls aber die Antwort kam, nein, es sei nicht nur recht gewesen, sondern sogar gut, wusste er, dass er irgendetwas richtig gemacht hatte. Gut möglich, dass er auch hin und wieder eine Kritik hinnehmen musste. Doch wenn diese vom Gast mit dem nötigen Respekt vorgetragen wurde, diente es durchaus der Sache.

Dass diese Tradition beinahe verschwunden ist, könnte einen einfachen Grund haben: Es gibt heute derart viele Stänkerer und Besserwisser, dass die Beizenrunde für den Koch zu einem regelrechten Spiessruten laufen werden könnte. Vielleicht hat aber auch die Fähigkeit, sich der Kritik zu stellen, einfach abgenommen. Weshalb der Koch den direkten Kontakt zu den Gästen scheut. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass zurzeit sämtliche Küchenchefs Europas sich liebend gerne wieder einmal nach der Qualität ihres Gebrutzelten erkundigen würden. Aber sie können nicht. Weil sie ihren Laden haben dicht machen müssen.

Halt, es gibt da doch einen, der zwar nicht von Tisch zu Tisch geht, aber trotzdem der ganzen Nation täglich den Puls fühlt. Ich spreche vom Koch mit Vornamen Daniel, der, wie ich höre, Ende April hätte pensioniert werden sollen. Sein Gang in die Rente wird nun aber vermutlich aufgeschoben, bis die Seuche einigermassen abgeebbt ist. Und sollte er uns dann zum Schluss fragen, ob es recht gewesen
sei, werden wohl die allermeisten antworten: Geschmeckt hat es uns nicht. Aber Sie, lieber Herr Koch, haben einen grossartigen Job geleistet. Danke.

Zur Person: Der Schlieremer Martin von Aesch gehört als AHV-Positiver zur Corona-Risikogruppe. Hier überlegt er sich, wie er trotz der Krise den Humor nicht verliert.

Zur Person: Der Schlieremer Martin von Aesch gehört als AHV-Positiver zur Corona-Risikogruppe. Hier überlegt er sich, wie er trotz der Krise den Humor nicht verliert.

Zur Verfügung gestellt