Abfall

Freiwillige paddeln nach der Street Parade den Zürichsee sauber

Neben Dosen, Pet- und Glasflaschen werden bei der Uferreinigung auch skurrile Sachen aus dem Wasser gefischt.

Lina Giusto
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Montagmorgen, 7.20 Uhr. Eine Menschengruppe hat sich vor dem Eingang zum Strandbad Mythenquai versammelt. Die Badi ist eigentlich noch geschlossen – nicht aber für diese Menschen. Sie alle sind freiwillig hier, um das Zürcher Seebecken von den Abfällen und Überresten der Street Parade zu reinigen. Das tun sie stehend oder kniend auf Stand-up-Paddle-Boards (kurz Sup-Boards).

Der Paddle Club Zürisee führt diesen Anlass zum ersten Mal durch. Der Verein Supkultur stellt den freiwilligen Putzern Boards und Paddel kostenlos zur Verfügung. Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) wie auch die Wasserschutzpolizei unterstützen den Anlass mit Plastikhandschuhen, Greifzangen, Plastikkörben sowie einer anschliessenden Verpflegung im Badirestaurant.

Vor Ort ist das ERZ mit fünf Mitarbeitenden, zwei Weidlingen und insgesamt fünf Mulden, die rund um das Zürcher Seebecken positioniert sind. Sie dienen als Abfalldeponien. Die Paddler werden aber auch entlang des Schanzengrabens nach Abfall suchen.

Insgesamt 30 Teilnehmer haben sich angemeldet, gemeinsam den See sauber zu paddeln. Die erste Gruppe trifft sich um 7.30 Uhr in der Badi, die zweite wird am Nachmittag um 13.30 Uhr zur Seeuferreinigung aufbrechen. «Es sind schon alle da, die sich angemeldet haben», sagt Florian Gander, Präsident des Paddel Club Zürisee und Inhaber von Supkultur. Dass er sich über das grosse Interesse am Anlass freut, verbirgt er nicht.

Mit dabei sind Vereins-Mitglieder des im April gegründeten Paddle Club Zürisee sowie junge Erwachsene, die gerne paddeln. Es wird nicht viel geschwatzt an diesem Morgen, aber alle, die da sind, haben ein Lächeln im Gesicht. Den Teilnehmern ist ihr See und seine Sauberkeit eine Herzensangelegenheit.

«Wir paddeln regelmässig und finden es toll, wenn wir etwas zur Sauberkeit im See beitragen können», sagt ein Vater, der mit seinen beiden Söhnen an diesem Morgen im Strandbad Mythenquai auf der Wiese steht.

Es sei nicht so, dass der Club zum ersten Mal den See reinige, sagt Gander. «Jedes Mal, wenn wir draussen sind, fischen wir Abfall aus dem See und entsorgen ihn später an Land», so der Stand-up-Paddler. Das Bewusstsein für einen sauberen See gehöre zum Credo des Vereins.

«Mit den Sup-Boards kommt man gut an Stellen, die für die grösseren Boote vom ERZ oder auch von Land aus schwierig erreichbar sind», erklärt Gander den Beweggrund für die Seeuferreinigung. Die Aktion lohne sich besonders in den ersten Stunden nach dem Anlass: «Danach beginnt der Abfall auf den Grund abzusinken», so Gander.

ERZ-Mitarbeitende und Supkultur-Inhaber Florian Gander besuchen die freiwilligen Helfer in der Strandbadi Mythenquai.
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Das ERZ unterstützt die Seeuferreinigung mit Plastikhandschuhen, Leuchtwesten, Greifzangen und Plastikkörben. Nach dem Anlass werden alle Teilnehmer noch im Strandbadi-Restaurant verköstigt.
Material und Boards packen: Dann geht die Tour am Zürichseeufer entlang los.
Die Paddler sind bereit.
Um acht Uhr bricht die erste Gruppe zur Seeuferreinigung auf.
Das ERZ unterstützt den Anlass mit den zwei Weidlingen auf dem See. An fünf Standorten haben sie zudem Mulden für die Abfallentsorgung bereit gestellt.
Ein Paddler fischt ein T-Shirt aus dem See. Ein anderer sammelt den Abfall ein, der unter den Steg gespült wurde. Sup, Stand-up-Paddler, Supkultur, Mythenquai, Zürichsee, Seebecken, Reinigung, Street Parade, Entsorgung und Recycling Zürich, Zürich.
Auch in den Flussarmen, die mitten durch die Stadt führen, wird nach Abfall gesucht...
...und gefunden.
Neben Dosen, Pet-Flaschen und Glas finden die Paddler auch ein Iphone, Kofphörer, Sonnenbrillen, Unterwäsche und Plastiksäckchen mit Drogen.
Die Paddlerin kommt mit ihrem Sup-Board ganz nah ans Ufer ran - dort hin, wo die Strömung den Abfall treibt.
Die Körbe füllen sich schnell - in vier Stunden füllen die Freiwilligen zwei Weidlinge mit Abfall.

ERZ-Mitarbeitende und Supkultur-Inhaber Florian Gander besuchen die freiwilligen Helfer in der Strandbadi Mythenquai.

Lina Giusto

Nach den einführenden Worten durch die ERZ-Mitarbeitenden und der Begrüssung von Gander werden um 8 Uhr die Hilfsmittel zur Reinigung des Sees gepackt und die Boards geschnappt. Die freiwillige Putzequipe watet in den Zürichsee. Entlang des Ufers wird unter Stege gepaddelt, zwischen Steinen gegrübelt und so manch Skurriles in die Plastikkörbe auf den Boards befördert.

Neben Bierdosen, PET-Flaschen und einem Meer an Zigaretten finden die Paddler ein IPhone sowie Kopfhörer, Unterwäsche, Sonnenbrillen und Plastiksäckchen mit Drogen. Am Mittag sind zwei Weidlinge mit Abfall gefüllt. Wie viel Abfall insgesamt aus dem Wasser gefischt werden, kann bis Redaktionsschluss nicht beziffert werden. «Der Abfall besteht hauptsächlich aus Plastikbechern und -tellern», sagt ERZ-Sprecher Daniel Eberhard auf Anfrage.