Weiningen

Im Auftrag der Umwelt: Sie überwacht jeden Schritt auf der Gubrist-Baustelle

Martina Schmucki ist für die Umweltbaubegleitung während des Ausbaus der Nordumfahrung zuständig. Sie berät und kontrolliert das Bundesamt für Strassen. Auf einem Rundgang durch die Baustelle in Weiningen erzählt sie von seltenen Orchideen und wertvollem Boden.

Sibylle Egloff
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Gubrist Umweltbaubegleitung
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Die Arbeiten am Gubrist-Deckel und die Erstellung des neuen Halbanschlusses können künftig von einer Aussichtsplattform mitverfolgt werden.
Beim Roden 100 Meter entfernt von der Tunneleinfahrt entdeckte man über 1000 Exemplare der seltenen Orchideenart Bienen-Ragwurz. Die Pflanzen werden derzeit zwischengelagert und sollen nach Bauende wieder eingesetzt werden.
Installationsplatz Steinacher: Hier werden Maschinen und Material für die Überdeckung Weiningen deponiert.
Um das Kulturland darunter zu schützen, wird ein Vlies und eine 50 Zentimeter dicke Kiesschicht darüber gelegt.
Bagger-Matratzen aus Baumstämmen sollen den Boden ebenso schützen.
Martina Schmucki überprüft auch die Partikelfilter und die Abgaswartungen der Maschinen. Zudem sorgt sie dafür, dass die Bauerbeiter die Ruhezeiten über den Mittag einhalten und die Maschinen ausstellen.
Der Hauptinstallationsplatz Bifängli wurde vor kurzem eingerichtet.
Büro und Baustelle: Martina Schmucki pendelt zwischen Gubrist und Zürich.

Gubrist Umweltbaubegleitung

Severin Bigler

Über die Kiesfläche weht ein garstiger Wind. Hunde schnellen unbeirrt durch die Abschrankung. An ihnen und ihren Besitzerinnen rauscht der Verkehr auf der Autobahn Richtung St. Gallen vorbei und verschwindet im Gubrist. Der Installationsplatz Steinacher zwischen dem Limmattaler Kreuz und einem der bekanntesten Tunnels der Schweiz ist vor kurzem fertig geworden. Das Bundesamt für Strassen (Astra) nutzt ihn als Material- und Maschinendepot für den Ausbau der Nordumfahrung. Wenige Meter davon entfernt wird der neue Halbanschluss Weiningen entstehen.

Die Einrichtung des Installationsplatzes überwachte Martina Schmucki mit Argusaugen. «Darunter befindet sich wertvoller Boden. Bauern stellen uns ihr Kulturland zur Verfügung. Es ist wichtig, dass wir diesem Sorge tragen», sagt die Umweltwissenschaftlerin. Sie und ihr Team der CSD Ingenieure AG aus Zürich sind für die Umweltbaubegleitung des Gesamtprojekts zuständig. Schmucki berät und kontrolliert das Astra vor und während den einzelnen Bauschritten.

«Auf die Fläche wurde ein schwarzes Vlies gelegt, das mit einer 50 Zentimeter dicken Kiesschicht bedeckt wurde. So verhindern wir, dass der Boden darunter Schaden nimmt», sagt Schmucki. Ihre Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass das Bauprojekt gemäss den Auflagen des Bundesamts für Umwelt realisiert wird. «Ich bin eng in den Bauablauf involviert und begehe die Baustelle regelmässig.» Dabei überprüft die St. Gallerin auch immer wieder die Entsorgungskonzepte sowie die Partikelfilter und Abgaswartungen der Maschinen. «Ich schaue zum Beispiel, ob die Abfalltrennung berücksichtig oder das Baustellenabwasser gereinigt und neutralisiert wird, bevor es in die Kanalisation kommt.» Zudem sorgt sie dafür, dass die Ruhezeiten über den Mittag eingehalten werden und die Bauarbeiter dann mit den Maschinen eine Pause einlegen.

Über 1000 seltene Orchideen beim Roden gefunden

Schmucki gefällt ihr Beruf. «Der Wechsel zwischen Büro und Baustelle ist lässig.» Deshalb ist sie auch froh, dass sie nach ihrem Studium in Mikrobiologie noch ein zweites in Angriff genommen hat. «Ich wollte nicht mein Leben lang im Labor arbeiten», sagt die 44-Jährige und lacht. Das ist beim Ausbau der Nordumfahrung definitiv nicht der Fall. Auch wenn Schmucki das Programm bereits vor Baubeginn genau studierte und dem Astra als Bauherr für die zeitliche Abfolge der einzelnen Schritte beratend zur Seite stand, kam es doch zu Überraschungen. «Beim Roden der Böschung 100 Meter vor der Tunneleinfahrt vor etwas mehr als einem Jahr stiessen wir auf seltene, einheimische Orchideen», erzählt Schmucki und zeigt auf den steilen Hang, der runter zur A1 führt. Über 1000 Exemplare der Orchideenart Bienen-Ragwurz kamen zum Vorschein. «Wir haben entschieden, sie zwischenzulagern und wenn möglich nach Bauende wieder einzupflanzen», so Schmucki. Ob die Pflanzen bis Ende 2022 überleben werden und wo genau sie dann eingesetzt werden sollen, wisse man jetzt noch nicht.

Sie überprüft im Gubrist 60 Wasserquellen

Als herausfordernd empfindet Schmucki die Grösse des Nordumfahrungs-Projekts. «Es ist so riesig, dass sehr viele verschiedene Umweltbereiche tangiert werden.» Es gilt zum Beispiel den Moorschutz auf der anderen Gubrist-Seite beim Katzensee zu beachten. «Der Grundwasserspiegel darf bei Bauprojekten verändert werden, so lange er danach wieder so zu stehen kommt wie vor den Arbeiten. Diese Möglichkeit hat man bei Moorgebieten nicht.» Es werde mit vielen Messstellen sichergestellt, dass die Baustelle keinen Einfluss auf das Moor nimmt. Bisher habe man keine Veränderung wahrgenommen, so Schmucki. Überwacht werden während des Baus der dritten Röhre auch 60 Wasserquellen im Gubrist, dazu gehören auch Quellen der Trinkwasserversorgung. Deshalb entnimmt sie regelmässig Wasserproben und schaut, ob es zu Veränderungen der Qualität oder des Drucks kommt. Bisher hätten sich keine Auswirkungen der Baustelle gezeigt.

Das Astra baut eine Aussichtsplattform

Wer den Ausbau der Nordumfahrung, insbesondere die Entstehung des Gubrist-Deckels und des Halbanschlusses Weiningen, mitverfolgen will, kann das ab November tun. Das Bundesamt für Strassen (Astra) baut für Interessierte eine Aussichtsplattform auf dem Chriesihoger im Grenzbereich der Gemeinden Weiningen und Unterengstringen.

«Dies ist eine Dienstleistung des Astra und vor allem für die lokale Bevölkerung gedacht, die zu Fuss auf dem Chriesihogerweg unterwegs ist», sagt Julian Räss, Mediensprecher der Astra-Filiale Winterthur. Die Plattform biete einen guten Blick direkt auf die Baustelle im Portalbereich Weiningen, wo die Überdeckung und der neue Halbanschluss erstellt werden.

Informationstafeln zeigen Situation vorher und nachher

Die Arbeiten dafür sollen schon baldbeginnen. Das Astra plant, in der zweiten Hälfte des Oktobers den Bau des Beobachtungsstands samt einem Geländer für die Sicherheit anzugehen. «Ziel ist, dass die Aussichtsplattform im November geöffnet werden kann», sagt Räss. Derzeit würden mehrere Informationstafeln mit Übersichtsplänen zur Situation vorher und nachher sowie Informationen zu den geplanten Bauarbeiten erstellt. Diese Stelen werden die Plattform ergänzen.

Das Angebot soll voraussichtlich bis Ende 2025 bestehen bleiben. Genau so lange soll es auch dauern, bis der Ausbau der Nordumfahrung Zürich inklusive des Betriebes aller drei Tunnelröhren abgeschlossen sein wird. (sib)

Ein weiteres Thema, das Schmucki beschäftigt, sind Neophyten. «Alle sechs Wochen besuchen Spezialisten die Baustelle, suchen sie nach Neophyten ab und entfernen diese.» Das schmalblättrige Greiskraut, eine gelbe Blume, sei häufig anzutreffen. «Die Kollegen waren vor einer Woche da, darum sind derzeit zum Glück keine zu finden», so Schmucki. Das Astra betreibe diesbezüglich nicht nur bei Bauprojekten, sondern auch im Nationalstrassenunterhalt einen grossen Aufwand.

Ebenfalls vor kurzem entstanden ist der Hauptinstallationsplatz Bifängli nahe der Grossächerstrasse. Er ist für die Arbeit an der Überdeckung Weiningen bedeutend. Auf dem Areal stapeln sich Baumstamm-Unterlagen. «Wir nennen sie Bagger-Matratzen», sagt Schmucki. Sie würden verwendet, um den Boden zu schützen. «Die Maschinen bewegen sich auf ihnen statt auf der nackten Erde fort.» Ein kalter Windstoss macht das Wetter noch etwas ungemütlicher. Schmucki steigt ins Auto. Das Ziel ist ihr Büro. Lange wird sie der Gubrist-Baustelle aber nicht fernbleiben.