Gastronomie

Mit oder ohne Maske? – Die neuen Corona-Massnahmen des Kantons verunsichern die Gäste

Der Kanton Zürich hat die Massnahmen zur Covid-19-Bekämpfung verschärft. Das schränkt die Gastronomie-Branche weiter ein.

Carmen Frei
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Für das Servicepersonal gilt eine Maskenpflicht. (Themenbild)

Für das Servicepersonal gilt eine Maskenpflicht. (Themenbild)

Keystone (Jean-Christophe Bott)

«Normalerweise hätte ich von 9 bis 11 Uhr sicher 20 Gäste, heute habe ich nun meinen dritten Gast», sagte Sandra Gehrer, Inhaberin des Story Pubs in Urdorf am Donnerstagvormittag. Bereits am Morgen des ersten Tages, an dem ausgeweitete Massnahmen in Kraft sind, bemerkte sie, dass Gäste fernblieben. Seit Donnerstag, dem 15. Oktober gilt zunächst bis Ende Oktober im Innenbereich von Clubs, Diskotheken und Tanzlokalen eine generelle Maskenpflicht. (die «Limmattaler Zeitung» berichtete). Dasselbe gilt für Gastrobetriebe und Bars, in denen nicht ausschliesslich sitzend gegessen und getrunken wird. Zudem muss das Servicepersonal nun zwingend Masken tragen.

Martina Meier vom Restaurant Heimat in Dietikon und Vorstandsmitglied bei «Gastro Zürich-City», dem Gastgewerbeverband der Bezirke Zürich und Dietikon, erhielt bereits am Mittwochabend erste Absagen. «Wir hatten wieder weniger zu tun, wir merken das gleich», sagt sie. Auch am Donnerstagmittag blieben die Gäste aus. «Wir hatten fast keine Mittagessen», sagt sie. Die Auslastung sei 50 Prozent unter dem Durchschnitt der letzten Zeit gelegen. «Die Massnahmen verunsichern die Gäste», sagt Meier.

Die Massnahmen schaffen ungewollte Schranken

Die Umsetzung der Maskenpflicht für das Personal sieht Meier hingegen weniger als Problem: «Zum Schutz von uns selbst ist es gut, mit Maske zu arbeiten.» Dass das Personal sich aber nicht mehr mit den Gästen unterhalten solle, findet sie schwierig. Auch Gehrer befürchtet in ihrem Pub dadurch einen negativen Effekt. «Die Leute an der Bar möchten auch mit dem Servicepersonal sprechen.» Die Masken seien hier wie eine Wand dazwischen.

Stefan Schmucki von der Zeus Bar in Dietikon findet die zusätzlichen Massnahmen nicht so einschneidend. Die Plexiglaswände ständen bei ihm schon lange. Da es in der Zeus Bar keine Stehplätze gebe, sei nur die Maskenpflicht für das Servicepersonal neu. Dass seine Gäste nun zusätzlich abgeschreckt werden, glaubt er nicht. «Meine Gäste sagen: Ich unterstütze dich, ich komme trotzdem.» Mit der Einhaltung des Abstands sei dies auch kein Problem. «Wenn jeder ein wenig Eigenverantwortung zeigt, bringen wir die Situation irgendwann in den Griff», meint er.

Für die Gastronomie-Betriebe wird es immer enger

Auf die Möglichkeit einer erneuten Zwangsschliessung von Lokalen angesprochen, findet Schmucki klare Worte: «Wenn Bars und Clubs wieder schliessen müssen, dann muss vom Bund Unterstützung kommen.» Sonst gehe es nicht weiter. Dann werde eine Konkurswelle anrollen. Er wisse auch von vielen Betrieben in der Stadt Zürich, die zu kämpfen haben.

Nicole Holenstein von Holenstein Gastro, die unter anderem das Restaurant Löwen in Weiningen betreibt, sieht vor allem bei Betrieben ihrer Firma in der Stadt Zürich Auswirkungen. Die Maskenpflicht für das Personal hätten sie im Restaurant Löwen bereits vor mehreren Wochen eingeführt, daher habe sich nun nicht viel geändert. Für die Bar des Restaurants habe es allerdings Änderungen gegeben. «Bis jetzt konnte man in der Bar stehen, nun können die Gäste nur noch sitzend ohne Maske konsumieren», sagt Holenstein. Die Verunsicherung bei den Gästen spüre sie ebenfalls. «Vor allem bei den älteren Leuten in der Stadt merken wir das.»

Martina Meier verweist auch auf verschiedene Betriebe in der Stadt Zürich, die im Moment unter der Situation leiden. «Meine Stammgäste kommen aber nach wie vor, da sie sich hier sicher fühlen», sagt Meier. Sie frage auch bei allen ihren Gäste nach, ob sie gesund seien. Sie erkundige sich zudem oft nach dem Wohlbefinden der Gäste. «Viele äussern sich dazu aber nicht», bedauert sie. Dabei sei es sehr wichtig, dass die Gäste sagen, wenn sie sich nicht wohlfühlen.

Meier denkt, dass es mit der Zeit ersichtlich werden wird, dass mit den neuen Massnahmen wieder Hilfe vom Bund nötig wird. Auch Sandra Gehrer findet die Situation schwierig: «Im Moment sehe ich schwarz», meint sie. Gerade kleine Betriebe wie der ihre könnten unter den aktuellen Bedingungen nicht mehr lange existieren.